Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Marburg Helfen und Gewinnen in der Adventszeit
Marburg Helfen und Gewinnen in der Adventszeit
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
12:00 29.10.2019
Diese Straßenkinder leben in den Straßen der indischen Metropole Mumbai. Terra Tech will mit einem indischen Partner ein mobiles Klassenzimmer für die Kinder anschaffen. Quelle: Terra Tech
Marburg

Das Marburger Hilfswerk will damit in Zusammenarbeit mit der Oberhessischen Presse in diesem Jahr wieder bei „vergessenen Katastrophen“ helfen. Der Kalender ist zum Preis von fünf Euro zu haben. Das Prinzip: Hinter jedem Türchen des ­Adventskalenders verbergen sich zahlreiche Preise. Jeder Kalender ist mit einer Nummer versehen, die im Glücksfall für ­einen der 24 Adventstage unter notarieller Aufsicht gezogen wird.

Sind die Zahlen auf dem Kalender und die gezogene Nummer für einen der Preise identisch, so hat der Besitzer des zugehörigen Kalenders den Preis gewonnen. Die jeweiligen Gewinn-Nummern mit dem entsprechenden Preis sind ab 1. Dezember in der OP und jeweils ab 14 Uhr im Internet unter www.op-marburg.de zu finden.

Der Kalender hat eine Auflage von 23.000 Stück, 1.000 mehr als im vergangenen Jahr. Dank zahlreicher Sponsoren gibt es diesmal etwa­ Reisegutscheine, Waschmaschinen, Tablet-PCs, Eintrittskarten für Spitzensportereignisse, Konzerte sowie andere kulturelle Veranstaltungen, Einkaufs- und Essensgutscheine, Tankgutscheine, Reisekoffer und vieles mehr zu gewinnen. Insgesamt warten 1.837 Preise im Wert von über 125.000 Euro auf die Gewinner.

Mit dem Reingewinn will Terra Tech zwei Projekte unterstützen, die der Hilfsorganisation, so Geschäftsführer Andreas Schönemann, am Herzen liegen. In der indischen Großstadt Mumbai, dem früheren Bombay, an der Westküste des Landes, arbeitet das All India Institute of Local Self-Government (AIILSG).

Sozialarbeiterin Khu­shi betreut Menschen in den Slums von Mumbai. Ihre neuesten Schützlinge sind die Straßenkinder von der Mankhurd Link Road in Jai Ambe Nagar. Diese Kinder und ihre Familien leben am Rande der Gesellschaft. Ihr Zugang zu Bildung und Gesundheit ist stark eingeschränkt, berichtet Terra Tech.

Gesundheitszustand der Kinder ist extrem schlecht

Der allgemeine Gesundheits- und Ernährungszustand sei extrem schlecht. Viele Kinder hätten keinen dauerhaften Zufluchtsort. „Khushi beobachtet oft, dass das Wasser zum Trinken und Kochen aus verschmutzten Quellen stammt“, schreibt die Hilfsorganisation auf ihrer Homepage.

Khushi möchte daher ein Shikshan Ranjan Kendra („Lernen-mit-Spaß-Zentrum“) für die Kinder aufbauen. Dort werden durch Straßenspiele, Puppentheater mit Marionetten und Gesang spielerisch Themen wie Gesundheit und Hygiene vermittelt. Ein solches Zentrum ist ein sicherer Rückzugsort. 

Das geplante Zentrum baut auf langjährigen Erfahrungen des Partners AIILSG auf, allerdings gibt es eine besondere­ Herausforderung. Der Slum an der Mankhurd Link Road ist ein wandernder, das heißt, die Menschen dort werden oft vertrieben und müssen einige Straßen weiterziehen. Aus diesem Grund träumt Khushi auch von einem Klassenzimmer auf Rädern.

Dieser Wunsch, die Anschaffung eines Motorrollers mit allen Lern- und Spielmaterialien, kostet rund 5.000 Euro. Terra Tech berichtet von Haile­ (18), der im äthiopischen Bati­ zur Schule geht. Er steht kurz vor den Abschlussprüfungen. Wie für die 1.800 Schüler seiner Schule in Bati entscheiden die Ergebnisse dieser Prüfungen über die Zukunft.

Nach einer guten Prüfung könnte Haile studieren

Wenn Haile die Prüfung erfolgreich meistert, darf er studieren gehen. Damit kommt er seinem Ziel näher, in ein paar Jahren selbst als Lehrer zu arbeiten. Für diesen Traum investiert der junge Mann viel. Aus seinem persönlichen Umfeld kennt Haile, so schreibt Terra Tech, einige junge Menschen, die sich aus Verzweiflung zur Flucht entschieden haben.

Auch er hat schon mal mit dem Gedanken gespielt. Denn der soziale Druck ist groß. Mit zunehmendem Alter steigen die Erwartungen der Familien, dass die jungen Menschen etwas zum Einkommen beitragen. Große Klassen, fehlende individuelle Unterstützung und Lehrer, denen es oftmals an didaktischen Kenntnissen mangelt, schaffen ein schwieriges Lernumfeld.

Viele Prüflinge sind nicht auf die zentralen staatlichen Prüfungen vorbereitet. Als Folge dessen versuchen etliche Schulabbrecher/innen ohne Abschluss ihr Glück. Flucht ist die Antwort vieler auf diese Perspektivlosigkeit. An diesem Punkt setzt das Projekt von Terra Tech und der äthiopischen Organisation ­Kelem an. Gemeinsam bieten sie Schülern und Schülerinnen kostenfreien Nachhilfeunterricht sowie berufsvorbereitende Kurs an.

Mehr als 30.000 gefährdete Schüler werden mit Aufklärungskampagnen für die Wichtigkeit von Bildung sensibilisiert sowie über die Gefahren von Flucht und Migration aufgeklärt. Aufklärungskampagnen finden auch für das Umfeld der jungen Menschen statt.

„Die Einbindung der Gesellschaft ist wichtig, da die Jugendlichen zu Hause sogar oftmals motiviert werden zu fliehen, um aus dem Ausland Geld zu schicken“, schreibt Terra Tech auf seiner Homepage. 22 Euro kostet ein Schulabschluss, der die Zukunft sichert.

von Till Conrad