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Marburg Arbeitsreiche Ferien für Schulen
Marburg Arbeitsreiche Ferien für Schulen
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09:57 06.07.2020
Endlich Ferien! Die Schüler der Richtsberg-Gesamtschule freuen sich drauf. Quelle: Nadine Weigel
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Die letzte Woche eines Pandemie-belasteten Schuljahres ist geschafft, nun warten die Sommerferien – und ab Mitte August beginnt für Schüler aller Schulformen wieder der Regelbetrieb, Präsenzunterricht und das ohne Abstandsgebot. Das entfällt, somit sind wieder volle Klassen möglich und Pflicht, ebenso wie eine Fünf-Tage-Woche.

Das neue Schulkonzept stellte Kultusminister Dr. Alexander Lorz am 30. Juni vor: Demnach herrscht nach den Sommerferien wieder der normale Regelbetrieb, gängige Hygieneregeln, wie Händewaschen, Desinfektion, „die Vermeidung körperlicher Kontakte und, wo immer möglich, die Wahrung eines angemessenen Abstands, das Tragen einer Mund-Nasen-Bedeckung außerhalb der Unterrichtsräume“ bestehen aber weiterhin.

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Der Schritt zurück zum normalen Unterricht ohne Abstandsregeln – der bislang nur in den hessischen Grundschulen galt – geht laut Ministerium „aufgrund der positiven Rückmeldungen seit der Aufhebung des Abstandsgebots an unseren Grundschulen und weil sich das Infektionsgeschehen in Hessen nochmals deutlich verlangsamt hat“, so Lorz.

Dennoch könnte im Falle erneut steigender Corona-Infektionen auch wieder auf verschärfte Maßnahmen zurückgegriffen werden: „Wir gehen diesen Schritt aus Überzeugung – wohl wissend, dass es ein Nullrisiko nicht geben kann und dass im Bedarfsfall lokal oder auch flächendeckend erneut Einschränkungen erforderlich werden können.“

Auf Schulen wartet Arbeit

Auf die neue Verordnung müssen sich alle Schulen nun einstellen, an Personal- und Unterrichtsplänen arbeiten, sowohl für den Regelbetrieb, wie alternative Konzepte für den Corona-Notfall vorbereiten. Also auch einen „Plan B und einen Plan C“ – so hält es unter anderem die Gesamtschule Ebsdorfergrund (GSE):

„Wir planen ein ganz normales Schuljahr, aber auch Alternativen“, berichtet Schulleiter Mirko Meyerding. Plan B wäre für den Fall gedacht, dass erneut Abstandsregeln in den Klassenzimmern gelten sollten, Plan C für den schlechtesten Fall, falls die gesamte Schule geschlossen werden und komplett auf Unterricht Zuhause umgestellt werden müsste.

Vier, fünf Wochen Vorlauf fehlen

Man sei auf alles vorbereitet und in den Sommerferien stehe noch viel Arbeit an. Das sei sowieso jeden Sommer der Fall, nur dieses Jahr hatten sich wegen der Pandemie und wechselnder Verordnungen die Planungen verzögert. „Wir müssen nun viel erarbeiten, was normalerweise schon vor vier bis fünf Wochen für das neue Schuljahr angestanden hätte, der Vorlauf fehlt jetzt natürlich.“

Bevor etwa der Stundenplan fertiggestellt werden kann, muss geprüft werden, wie es um die Personaldecke steht. Denn auch im Regelbetrieb haben Lehrkräfte aus Risikogruppen oder auch Schüler, die mit besonders anfälligen Personen zusammenleben, die Möglichkeit, sich freistellen zu lassen. Lehrer, die nach den Sommerferien deswegen Zuhause bleiben, gebe es an der GSE wenige, „wir haben kaum Lehrkräfte, die nicht kommen werden“, sagt Meyerding.

Unterrichtsplanungen laufen „ganz normal“

Auch an der Wollenbergschule Wetter (WSW) laufen die Vorbereitungen auf vollen Touren und die Vorfreude ebenso: „Wir sind froh, dass wir wieder in den Regelbetrieb starten können“, berichtet der neue kommissarische Schulleiter Andreas Irle. Denn: „Es war ein seltsames, erschöpfendes Schuljahr, gerade als Schulleiter“, sagt Irle, der derzeit auch kommissarisch die Anne-Frank-Schule in Linden leitet.

Ob die Planungszeit an der WSW eng werde, sei noch nicht abzusehen. Es gebe noch viel zu tun, auch in den Sommerferien, aber die Stunden- und Unterrichtsplanungen laufen „ganz normal“, und zusätzlich die Notfall-Pläne. Sollte es notwendig werden, „dann können wir jederzeit wieder zurückfahren“.

Mittagessen wird verlegt

Und das einfacher als früher, auch aus dem Grund, weil die WSW vorsorglich ihre Mittagsverpflegung, und damit die Zeiten zwischen den Schulstunden, umgestellt hat: Statt nach der vierten Stunde gibt es nun nach 13 Uhr Mittagessen. Somit kann vormittags ohne längere Pause unterrichtet werden, „wir ziehen den Unterricht jetzt durch bis zur sechsten Stunde“, erklärt Irle. Das mache es einfacher, im Bedarfsfall zu reagieren, da zwischen Vor- und Nachmittagsunterricht deutlicher getrennt wird, alle besser verteilt werden.

Corona hat noch eine weitere Neuerung mit sich gebracht: Die Einstufung der Schüler ab der siebten Klasse in A-, B- oder C-Kurse entfällt in diesem Jahr. Normalerweise werden die Schüler ab dann je nach Leistungsstand in Deutsch, Mathe und Englisch auf die verschiedenen Kurse aufgeteilt und damit die Klassen getrennt. Da die aber durch die Pandemie zeitweise gar nicht oder kaum in der Schule waren, lassen sich die aktuellen Leistungen kaum bewerten, „das wäre unfair“. Daher bleiben die neuen Siebtklässler vorerst zusammen.

Lehrerkapazität wird angepasst

Was die Kapazitäten beim Kollegium angeht, müsse die Schule für das neue Schuljahr allerdings reagieren, da einige Lehrkräfte zur Risikogruppe gehören, „es stehen noch nicht alle Kolleginnen und Kollegen zur Verfügung“, sagt der Schulleiter. Das werde aber kompensiert und „einkalkuliert“, vor allem durch Änderungen am Stundenplan und eventuell auch durch neue Lehrer.

Dass es viele sein werden, glaubt Irle aber nicht, das wäre mittelfristig auch problematisch: Denn wenn nun zu viele neue Lehrer eingestellt werden, später dann, wenn die Pandemie endet, die bisherigen alle zurückkehren, wären es zu viele und keinem sei damit geholfen.

Was ist mit Sport, Praktika und Ausflügen?

Was die Personalplanung in der Ferienzeit angeht, gebe es an vielen Schulen noch „offene Baustellen“, berichtet auch Burkhard Schuldt, Leiter des Staatlichen Schulamts Marburg-Biedenkopf. Die Vorbereitungen liefen zwar bereits, als wäre das kommende ein normales Schuljahr, aber für die Schulen war lange nicht klar, ob die mit einem regulären Schulplan oder verschiedensten Krisen-Plänen zu rechnen haben. „Vieles wirft auch jetzt immer noch neue Fragen auf“, sagt Schuldt.

Etwa, wie es mit dem Schulsport weitergeht: Gerade für die Sporthallen, die von zwei bis drei Schulen genutzt werden, wie in Marburg. Zwischen den verschiedenen Gruppen alles zu desinfizieren, sei gar nicht machbar. Wie das durch das Kultusministerium gehändelt wird, werde sich noch zeigen. Auch was andere Bereiche angeht, Praktika, Schulausflüge, Schüleraustausche. „Das muss noch geklärt werden, es ist alles noch nicht fest.“

Von Ina Tannert und Björn Wisker

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