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Marburg Arbeitsplatz Sauna
Marburg Arbeitsplatz Sauna
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07:59 04.08.2022
Hitze am Arbeitsplatz. Larissa Pitzen mit Fächer und Ventilator
Hitze am Arbeitsplatz. Larissa Pitzen mit Fächer und Ventilator Quelle: Thorsten Richter
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Marburg

Hohe Außentemperaturen, Südlage, riesige Fensterfronten machen manches Büro in diesen Tagen, in denen die große Hitze zurückkehrt, zu Saunen.

Was bei hohen Temperaturen an Arbeitsplätzen auch in Produktionsstätten zulässig ist, ist in der technischen Regel für Arbeitsstätten ASR 3.5 festgelegt, erklärt Hans Gottlob Rühle, Direktor des Arbeitsgerichts Marburg a.D. Die ASR 3.5 beinhaltet Empfehlungen und Abstufungen: Die Temperatur in Arbeitsräumen soll 26 Grad nicht überschreiten, außer die Außentemperatur liegt ebenfalls über der 26-Grad-Marke und es sind geeignete Sonnenschutze installiert. Ist es im Büro wärmer als 26 Grad, kann durch Nachtauskühlung oder das Versorgen mit Getränken die Belastung der Mitarbeiter gemindert werden.

Hans Gottlob Rühle

Hans Gottlob Rühle // Privatfoto

Hans Gottlob Rühle, Direktor des Arbeitsgerichts Marburg a.D.: "Da in Zukunft in den Sommermonaten mit weiteren erheblich höheren Temperaturen zu rechnen ist, sind Arbeitgeber gut beraten, da wo es möglich ist, in einen ausreichenden Sonnenschutz zum Beispiel durch Außenjalousien zu investieren. Eine kostenintensivere Alternative wären Klimaanlagen."

Dr. Thomas Spies (OB Marburg)

Dr. Thomas Spies // Bild: Thorsten Richter

Dr. Thomas Spies, Oberbürgermeister: "Marburg macht keine Sommerpause – die Stadtverwaltung und mit ihr der Magistrat sind quasi das ganze Jahr und bei jeder Wetterlage für die Bürger*innen da. Und gerade, wenn extreme Wetterlagen sind, bin ich im Dienst.  Ein wenig hitzefrei gönne ich mir  aber auch: bei den meisten Terminen bleibt die Krawatte im Schrank hängen.“

Bei mehr als 30 Grad Raumtemperatur ist der Arbeitgeber zu zusätzlichen Schutzvorkehrungen verpflichtet. Steigt die Temperatur auf mehr als 35 Grad, so ist der Raum als Arbeitsraum nicht mehr geeignet – außer es gibt Erleichterungen wie bei Hitzearbeitsplätzen, zum Beispiel Luftduschen oder Entwärmungsphasen. Mangelt es an solchen Hilfsmitteln, „heißt das aber nicht automatisch, dass Beschäftigte einfach nach Hause gehen können“, warnt Rühle, „sondern nur, dass in bestimmten Räumen nicht gearbeitet werden darf“.

Das können Arbeitgeber tun

  • Getränke wie ungesüßte Kräutertees, Mineralwasser und verdünnte Fruchtsäfte ohne Zucker bereitstellen.
  • Bekleidungsregeln lockern.
  • Tägliche Arbeitszeit verkürzen: Zum Beispiel maximal sechs Stunden pro Arbeitstag bei einer Innenraumtemperatur von 27 bis 29 Grad Celsius, maximal vier Stunden bei 29 bis 31 Grad. Steigen die Temperaturen höher, sind nur noch Notfallarbeiten zulässig.
  • Stündlich Pausen auf die Arbeitszeit anrechnen wie zum Beispiel 10 Minuten bei einer Innentemperatur von 27 bis 29 Grad Celsius, 20 Minuten bei mehr als 30 Grad.
  • Arbeitszeiten in die frühen Morgenstunden verlegen.
  • Leistungsvorgaben reduzieren.
  • Homeoffice in Betracht ziehen.

Stadt Marburg stellt bei Hitze Trinkwasser zur Verfügung

Die Stadt Marburg schützt ihre Angestellten vor allem durch die Flexibilisierung der Arbeitszeit und durch die Möglichkeit der Nutzung von Homeoffice.

So können Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen beispielsweise einen früheren Dienstbeginn wählen und bei steigenden Temperaturen den Dienst beenden. Personalratsvorsitzender Steffen Kloske hält diese Regelungen für gut. Die Stadt stellt zudem unbegrenzt Trinkwasser bereit..

Das können Arbeitnehmer tun

  • Luft- und feuchtigkeitsdurchlässige, leichte und bequeme Kleidung sowie luftdurchlässige Schuhe tragen.
  • Handgelenke mit kaltem Wasser benetzen.
  • Regelmäßig kurze Pausen einlegen. Bei Hitzearbeiten bei Raumtemperaturen bis 45 Grad Entwärmungsphasen von 15 Minuten pro Stunde eingelegen.
  • Der Körper verliert durch Schwitzen viel Flüssigkeit. Deshalb sollte man zwei Liter am Tag bei einer Raumtemperatur von 24 Grad trinken, bei höheren Temperaturen drei Liter oder mehr, insbesondere bei schwerer körperlicher Arbeit.
  • Wärme wird unterschiedlich gut vertragen, deshalb: auf Signale des Körpers achten.
  • Die Raumtemperatur sollte maximal sechs Grad Unterschied zur Außentemperatur haben.

Von Gianfranco Fain und Till Conrad

03.08.2022
03.08.2022