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Marburg Arbeitsmarkt zeigt sich noch stabil
Marburg Arbeitsmarkt zeigt sich noch stabil
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19:58 31.03.2022
Die Zahl der Arbeitslosen im Landkreis ist im März gesunken.
Die Zahl der Arbeitslosen im Landkreis ist im März gesunken. Quelle: Sebastian Gollnow
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Marburg

Im März waren 5.136 Personen arbeitslos im Landkreis, 14 Prozent weniger als vor einem Jahr. Die Arbeitslosenquote lag bei 3,8 Prozent – im März vergangenen Jahres betrug sie noch 4,4 Prozent. „Wir haben eine gute Entwicklung gegenüber dem sehr schlechten Vorjahr“, konstatiert Volker Breustedt, Leiter der Marburger Arbeitsagentur. Gegenüber Februar stieg die Arbeitslosigkeit jedoch leicht an – 70 Menschen mehr waren arbeitslos, das sind 1,4 Prozent.

Der Aufschwung komme prinzipiell bei allen Personengruppen an, besonders profitiert hätten jedoch Ausländer: Knapp 20 Prozent weniger sind arbeitslos als noch vor einem Jahr. Und bei den jungen Menschen zwischen 15 und 25 Jahren sank die Zahl der Arbeitslosen um 32,1 Prozent. „Wir müssen jedoch die Schwerbehinderten weiter gut im Blick behalten, denn die haben an der positiven Entwicklung nur mit einem Minus von 3,6 Prozent teilgenommen“, so Breustedt.

Video-Vorstellungsgespräche

Das könne etwa daran liegen, dass weiterhin Vorstellungsgespräche statt „live“ eher nur per Video stattfänden. „Die Qualifikation bei dieser Personengruppe ist in vielen Fällen sogar höher als im Schnitt“, weiß Breustedt – das müsse der Arbeitgeber jedoch wirklich sehen – nach Möglichkeit eben in Person. Für Breustedt steht fest: „Der Arbeitsmarkt ist aufnahmefähig.“

Ein Indikator dafür ist die Zahl der neu gemeldeten Stellen: Das waren im März 676 und somit 234 oder gut ein Viertel weniger als im Februar. Im Vergleich zu März vergangenen Jahres waren es indes 171 oder rund 40 Prozent mehr Stellen. Im hessenweiten Vergleich sei der Arbeitgeberservice der Agentur in Marburg „derjenige, der am meisten Stellen reinbekommt“. jedoch seien die Abgänge in Erwerb „in diesem Monat etwas notleidend“, sagt Breustedt. 444 Menschen seien wieder in einen Job gekommen – fast zehn Prozent weniger im Vergleich zum Vorjahr.

Kurzarbeit wird aufgrund des Kriegs wohl wieder steigen

Die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten im Kreis ist mit 96.023 zum Stichtag 30. September vergangenen Jahres indes binnen Jahresfrist um 1.543 gestiegen. „Und das mitten in der Pandemie“, ordnet Agenturchef Breustedt ein. Den stärksten relativen Anstieg habe es dabei bei den Ausländern gegeben: Gegenüber dem Vorjahr waren es 825 mehr, was einem Plus von 7,8 Prozent bei der Ausländerbeschäftigung entspreche. Insgesamt waren 11.417 Ausländer zum Stichtag im Landkreis sozialversicherungspflichtig beschäftigt.

Die Zahl der Betriebe und Beschäftigten in Kurzarbeit war weiter rückläufig: Kurzarbeit gab es Stand November – dem letzten greifbaren Termin – in 142 Betrieben mit insgesamt 1.163 Beschäftigten. „Diese Zahl wird jedoch bestimmt wieder steigen“, sagt Breustedt – vor dem Hintergrund der Herausforderungen durch den Krieg in der Ukraine. Bisher mache der sich dadurch bemerkbar, „dass er zu Beschäftigung führt“. Denn: „Die geflüchteten Menschen, die zu uns kommen, lösen Beschäftigungseffekte aus“ – das sei auch schon während der Flüchtlingswelle 2015 so gewesen. „Es gibt eine verstärkte Nachfrage nach allem, was für die Erstbetreuung gebraucht wird“, sagt Volker Breustedt – von Sozialpädagogen bis hin zu Sicherheitskräften.

Bewegung auf dem Ausbildungsmarkt

Bewegung ist auch auf dem Ausbildungsmarkt: Es gibt derzeit 969 gemeldete Bewerber für Berufsausbildungsstellen, 83 Jugendliche oder rund 8 Prozent weniger als vor einem Jahr. Parallel dazu sind bis jetzt 1 307 Ausbildungsstellen bei der Agentur für Arbeit Marburg gemeldet worden – 53 Stellen oder 4,2 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. „Die Chancen, eine Ausbildungsstelle zu erhalten, sind also bestens“, sagt Breustedt. Derzeit gibt es 502 nicht versorgte Bewerber und 864 freie Ausbildungsstellen im Kreis.

Die Zahl der arbeitslosen Menschen, die Grundsicherung empfangen, ist im März ebenfalls gesunken. Das Kreisjobcenter (KJC) des Landkreises Marburg-Biedenkopf meldet in seiner aktuellen Statistik 2 826 erwerbsfähige Leistungsberechtigte, die arbeitslos sind – ein Rückgang um 215 Personen oder 7,1 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Doch seien Vergleiche zum Vorjahr unter Berücksichtigung der Corona-Pandemie zu betrachten. Doch auch im Vergleich zum Februar sank die Zahl der Arbeitslosen in Betreuung des KJC um 31 Personen oder 1,1 Prozent.

Die Folgen sind noch nicht abzuschätzen

„Nachdem der Arbeitsmarkt stabil durch die Pandemie gekommen ist, haben wir mit dem verheerenden Ukraine-Krieg das nächste Ereignis, dessen Folgen wir für die Konjunktur und den Arbeitsmarkt noch nicht abschätzen können“, erläutert der Erste Kreisbeigeordnete Marian Zachow (CDU). „Derzeit sind die Auswirkungen dieses Krieges, der so viel menschliches Leid verursacht, noch nicht auf dem Arbeitsmarkt spürbar. Wie sich das allerdings weiter entwickelt, hängt auch von der Bleibeperspektive der geflüchteten Menschen und ihrer möglichen Integration in den Arbeitsmarkt ab – sowie von den wirtschaftlichen Einflüssen des Krieges“, so Zachow weiter.

Von Andreas Schmidt

31.03.2022
31.03.2022