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Marburg Arbeitsmarkt bewegt sich auf Vorkrisen-Niveau
Marburg Arbeitsmarkt bewegt sich auf Vorkrisen-Niveau
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19:45 30.09.2021
Die Zahl der Arbeitslosen im Landkreis ist auf Vorkrisen-Niveau gesunken.
Die Zahl der Arbeitslosen im Landkreis ist auf Vorkrisen-Niveau gesunken. Quelle: Ole Spata
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Marburg

Die Zahlen auf dem Arbeitsmarkt scheinen fast, als hätte es Corona nicht gegeben: Im September waren 4 870 Menschen im Landkreis arbeitslos gemeldet – 1 182 oder rund 20 Prozent weniger als noch vor einem Jahr. Die Arbeitslosenquote liegt bei 3,6 Prozent – und somit 0,9 Punkte niedriger als im September 2020. Blickt man indes noch ein Jahr weiter zurück – also auf den September 2019 –, so sind die Zahlen fast identisch: Damals waren knapp 4 850 Menschen arbeitslos, die Quote lag – wie jetzt – bei 3,6 Prozent.

Großer Unterschied: Die gute Zahl wird auch durch das Thema Kurzarbeit gestützt. Denn im Mai, dem letzten durch die Statistik greifbaren Zeitraum, hatten 726 Betriebe Kurzarbeit für 4 435 Mitarbeitende realisiert, im Monat zuvor waren es 760 Betriebe mit 4 987 Mitarbeitenden.

„Dennoch kann man ganz klar sagen: Der Arbeitsmarkt entwickelt sich sehr gut, die Konjunktur zieht an“, sagt Volker Breustedt, Leiter der Marburger Agentur für Arbeit. Vor allem in der Produktion sei die Nachfrage immens gestiegen. „Es ist aktuell selbst im Helferbereich schwierig, Leute zu finden, die den Anforderungen genügen“, konstatiert er. Gefragt sei auch Personal in der Zeitarbeit – und zwar so stark, „dass das tatsächlich auch auf das Lohngefüge drückt. Es gibt eine ganz deutliche Tendenz, dass die Betriebe schon auch in einfacheren Bereichen über den zwölf Euro des wohl künftigen Mindestlohns bezahlen, weil sie sonst niemanden finden.“

Das spiegele sich auch in den neu gemeldeten Arbeitsstellen: „Wir haben 538 sozialversicherungspflichtige Stellen gemeldet bekommen“, so Breustedt. Insgesamt seien es gar 591 neue Arbeitsstellen gewesen – 154 oder rund 35 Prozent mehr als vor einem Jahr. Gegenüber August waren es indes 201 oder rund ein Viertel weniger.

Nicht alle Personengruppen können profitieren

385 Personen meldeten sich nach vorheriger Erwerbstätigkeit arbeitslos – 66 oder rund 15 Prozent weniger als im Vorjahresmonat. Insgesamt meldeten sich 1 109 Personen neu arbeitslos, das waren mit 19 Personen rund zwei Prozent mehr als vor einem Jahr, aber deutlich weniger als vor einem Monat – da wurden 366 oder rund 25 Prozent weniger Arbeitslose gezählt.

1 548 Personen meldeten sich im September aus der Arbeitslosigkeit ab, 89 oder rund sechs Prozent mehr als vor einem Jahr und 239 Personen oder 18,3 Prozent mehr als im August.

Doch gibt es laut Breustedt auch Personengruppen, die weniger stark vom Aufschwung profitieren: Bei den Schwerbehinderten sank die Zahl der Arbeitslosen im Vergleich zum Vorjahr „lediglich um 7,6 Prozent“, wie Breustedt verdeutlicht, „bei den über 50-Jährigen ging die Zahl um 10,9 Prozent zurück. Und die Zahl der Langzeitarbeitslosen ist sogar um 2,6 Prozent gestiegen.“ Bei diesen Personengruppen werde man intensiver in die Vermittlung gehen, „damit sie nicht den Anschluss verlieren“. Und: Auch die Qualifikation werde einen höheren Stellenwert einnehmen müssen.

Zachow: Einfluss der Pandemie wird kleiner

Im Vergleich zum Vormonat sinkt die Zahl der Langzeitarbeitslosen im Landkreis Marburg-Biedenkopf im September. Das Kreisjobcenter (KJC) des Landkreises Marburg-Biedenkopf meldet in seiner aktuellen Statistik 2 934 erwerbsfähige Leistungsberechtigte, die als arbeitslos registriert sind. Das ist ein Rückgang von 16 Personen oder 0,5 Prozent.

Gegenüber dem Vorjahresmonat ist die Zahl der Arbeitslosen in der Zuständigkeit des KJC um 261 Personen oder 8,2 Prozent gesunken. Die Quote der arbeitslosen Grundsicherungsempfänger an den zivilen Erwerbspersonen bleibt – wie schon im August – bei 2,2 Prozent. Im September vergangenen Jahres lag die Quote bei 2,4 Prozent.

„Wir müssen jedoch deutlich machen, dass es aufgrund der Corona-Pandemie schwierig ist, Vergleiche zum Vorjahr zu ziehen“, betont der Erste Kreisbeigeordnete und zuständige Sozialdezernent Marian Zachow (CDU).

„Wir beobachten mit Freude, dass der Arbeitsmarkt seinen Weg zurück in die Normalität findet. Auch wenn die Auswirkungen der Corona-Krise weiterhin spürbar sind, wird der Einfluss dennoch kleiner und das ist für uns ein Grund positiv gestimmt in den Herbst zu gehen“, zeigt sich Zachow optimistisch.

Auch wenn eine deutliche Herbstbelebung dieses Jahr ausgeblieben sei, seien die heimischen Unternehmen „verständlicherweise noch vorsichtig und Corona hat auch für die Jugendlichen den wichtigen Berufseinstieg deutlich schwerer gemacht“, so der Erste Kreisbeigeordnete. Aufgrund der Pandemie seien viele Veranstaltungen zur Berufsorientierung ausgefallen oder hätten nur eingeschränkt stattfinden können. Dadurch habe es weniger Möglichkeiten für Unternehmen gegeben sich zu präsentieren und für potenzielle Auszubildende sich zu informieren. „So haben zwar viele Jugendliche nach ihrem Schulabschluss mit der Ausbildung begonnen, aber es gibt auch immer noch einige offene Ausbildungsstellen und Ausbildungsplatzsuchende“, verdeutlicht Zachow.

Von Andreas Schmidt

30.09.2021
30.09.2021
30.09.2021