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Marburg Fachkräfte stehen hoch im Kurs
Marburg Fachkräfte stehen hoch im Kurs
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15:15 02.03.2022
Die Zahl der Arbeitslosen im Landkreis ist im Februar deutlich gesunken.
Die Zahl der Arbeitslosen im Landkreis ist im Februar deutlich gesunken. Quelle: Jan Woitas
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Marburg

Im Winter herrscht auf dem Arbeitsmarkt normalerweise Flaute. Denn witterungsbedingt ruhen beispielsweise Baustellen. Doch blieb diese „Winterdelle“ aufgrund der vergleichsweise milden Witterung dieses Jahr aus. Entsprechend sank die Zahl der Arbeitslosen im Landkreis kräftig: 5 066 Menschen waren ohne Arbeit – ein Rückgang um 19 Prozent oder 1 159 Personen. Die Arbeitslosenquote lag bei 3,8 Prozent.

Eventuelle Auswirkungen des Krieges in der Ukraine finden sich in den Zahlen jedoch noch nicht. Denn: Stichtag für die Februar-Statistik war der 14. Februar. Volkswirte erwarten, dass der russische Angriff auf die Ukraine die sich erholende Konjunktur in Deutschland ausbremsen wird. Der Arbeitsmarkt könnte sich demnach aber weiter robust zeigen. „Zu den Auswirkungen können wir bisher noch nichts sagen“, verdeutlicht Daniela Blüder, Bereichsleiterin der Arbeitsagentur Marburg. Man bereite sich jedoch auf das Thema vor, stehe im Austausch mit der Regionaldirektion und der Bundesagentur für Arbeit.

Blüder verdeutlichte, dass der Rückgang der Arbeitslosigkeit bei allen Personengruppen spürbar sei. „Besonders bemerkbar macht er sich aber bei den Ausländern mit einem Rückgang von 24,4 Prozent.“ Auch die älteren Arbeitslosen ab 50 Jahren würden profitieren – deren Zahl sank um 11,7 Prozent – und bei den jungen Menschen zwischen 15 und 25 Jahren seien im Vergleich zum Vorjahr gar 38,4 Prozent weniger arbeitslos. Bei letztgenannter Gruppe gebe es jedoch einen Wermutstropfen: Im Vergleich zum Januar sind bei den jungen Menschen 45 Personen mehr arbeitslos, ein Zuwachs von 10 Prozent. „Das kann zum Beispiel daran liegen, dass im Januar dreieinhalbjährige Ausbildungsverhältnisse enden“, weiß Pressesprecherin Dr. Heike Beber.

Weniger Menschen beziehen Arbeitslosengeld

Insgesamt sei die Arbeitslosigkeit im Landkreis auch gegenüber Januar leicht zurückgegangen – um 87 Personen oder knapp 2 Prozent. Entsprechend erhielten mit 2 203 Personen 806 Menschen weniger als vor einem Jahr Arbeitslosengeld.

„Im Februar überwiegen zudem ganz klar die Abmeldungen aus der Arbeitslosigkeit“, verdeutlicht Blüder. Neu arbeitslos meldeten sich 1 203 Personen – 356 oder rund 23 Prozent weniger als im Januar. Gegenüber dem Februar vergangenen Jahres waren es 220 Personen oder 15,5 Prozent weniger.

Parallel dazu meldeten sich 1 285 Personen aus der Arbeitslosigkeit ab – 21 Prozent oder 224 Personen mehr als im Januar und 10 Personen mehr als vor einem Jahr.

Ein wichtiger Indikator für die Konjunktur sei die Zahl der gemeldeten Stellen – und die lag mit 910 im Februar „auf einem sehr hohen Niveau, der Februar war ein ganz starker Monat“, wie Dr. Heike Beber sagt, denn es waren 391 Stellen oder 75 Prozent mehr als vor einem Jahr und 410 oder 82 Prozent mehr als noch im Januar.

Kräftiger Zuwachs an gemeldeten Stellen

Gefragt seien vor allem Fachkräfte, wobei es für Unqualifizierte eher schlecht aussieht. Denn: Von den 910 Stellen seien lediglich 144 für Helfertätigkeiten vorgesehen. Zum Vergleich: Im Februar vergangenen Jahres gab es 519 neue Stellen – 201 davon für ungelernte Hilfskräfte.

„Der Trend geht ganz klar hin zur Qualifizierung“, erläutert Bereichsleiterin Daniela Blüder. Das sei immer ein starker Hebel, um Menschen in Arbeit zu bringen – darauf werde die Agentur weiter das Augenmerk legen.

Ein stabilisierender Faktor für den Arbeitsmarkt sei weiterhin die Kurzarbeit – auch, wenn diese deutlich rückläufig sei. Im Oktober, dem letzten statistisch greifbaren Wert, seien 1 280 Personen in 152 Betrieben des Landkreises in Kurzarbeit gewesen.

Realisiert wurde im Oktober 2021 konjunkturelle Kurzarbeit bei 1 280 Personen in 152 Betrieben.

Die Zahl der Langzeitarbeitslosen in der Zuständigkeit des Kreisjobcenters (KJC) ist im Februar leicht gesunken – um 173 Personen oder 5,7 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat und um 11 Personen oder 0,4 Prozent gegenüber Januar. Die Quote der arbeitslosen Bezieher von Grundsicherung an den zivilen Erwerbspersonen liegt bei 2,1 Prozent – nach 2,2 Prozent im Vorjahr.

„Nach zwei Jahren Corona-Pandemie können wir sagen, dass der Arbeitsmarkt trotz des enormen Drucks stabil ist. Die Zahl der arbeitslosen Menschen, die Grundsicherung empfangen, stimmt uns zwar positiv, dennoch wirkt sich auch hier die Corona-Pandemie aus“, verdeutlicht der erste Kreisbeigeordnete Marian Zachow (CDU).

Diesen Auswirkungen müsse man arbeitsmarktpolitisch begegnen. „Das betrifft insbesondere die Zahl der Langzeitarbeitslosen, die sich in der Pandemie weiter verfestigt hat“, so Zachow. Mit den anstehenden Lockerungen im März gehe es in Richtung Normalität. Die Aussichten auf dem Arbeitsmarkt seien günstig und die Erholung setze sich fort. „Wir hoffen sehr, dass die besonders betroffenen Branchen, wie etwa das Hotel- und Gastgewerbe, der Einzelhandel oder auch die Veranstaltungsbranche sich dann ebenfalls spürbar erholen werden.“

Von Andreas Schmidt

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