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Marburg Ausbildungsquote vergleichsweise gut
Marburg Ausbildungsquote vergleichsweise gut
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13:58 31.10.2019
Die Zahl junger Menschen, die im Landkreis Marburg-Biedenkopf in die Lehre gehen wollen, ist rückläufig. Quelle: Oliver Berg/dpa/Archiv
Marburg

Die zwischenzeitliche „leichte Delle“ im deutschen Arbeitsmarkt des ­Jahres 2019 scheint sich zu Beginn des letzten Quartals wieder auszugleichen:

Hatte die Agentur für Arbeit Marburg im September noch 4.847 Arbeitslose registriert, lag die Zahl im zu ­Ende gehenden Monat Oktober bei 4.753 – ein Rückgang um 1,9 Prozent.

„Das ist ein sehr guter Wert“, sagte Volker Breustedt, Leiter der Arbeitsagentur, am Mittwoch bei der Vorstellung der Monatszahlen. 548 Männern und Frauen, die im Monatsverlauf direkt aus der Erwerbstätigkeit arbeitslos wurden, stehen 412 Personen entgegen, die wieder einen Job fanden.

Kurzarbeit steigt wieder

„Im Vergleich zum Vorjahr ist das eine Zunahme von gut 17 Prozent, die Nachfrage nach Arbeitskräften besteht auf hohem Niveau“, so Breustedt. Auch der Blick auf die 558 der Agentur im Oktober gemeldeten sozialversicherungspflichtigen Arbeitsstellen stützt das positive Bild: Im Vergleich zum Vormonat September ist das eine Zunahme von 17 Prozent.

„Die Nachfrage zieht wieder an“, meint der Agenturchef, der jedoch mit Blick auf die Kurzarbeits-Situation im heimischen Raum auch schlechte Neuigkeiten parat hat: „Die Zahl der Anträge auf Kurzarbeit ist gestiegen.“ Insbesondere kleinere Unternehmen seien durch die wirtschaftliche Großwetterlage verunsichert, bei den größeren Firmen gebe es dagegen ein rückläufige Tendenz.

Beber: Die Perspektive stimmt

20 vor allem im Hinterland ansässige Betriebe, vor allem aus dem Metall- und Kunststoffsektor, zeigten aktuell Kurzarbeit an. Davon könnten mehr als 700 Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer betroffen sein. Keine wirklich beruhigenden Tendenzen also im letzten Quartal, doch Dr. Heike Beber, Pressesprecherin der Agentur für Arbeit Marburg, zeigte sich am Mittwoch optimistisch: „Der entscheidende Faktor bei der Kurzarbeit ist, dass die Perspektive noch stimmt.“

Innerhalb des Agenturbezirks Marburg entwickelte sich die Arbeitslosigkeit durchaus unterschiedlich. Während im Geschäftsstellenbezirk Marburg der Bestand an Arbeitslosen im Oktober im Vergleich zum Vormonat um 2,9 Prozent zurückging, stieg er im Bezirk Stadtallendorf um 2,4 Prozent und im Bezirk Biedenkopf gar um 5,3 Prozent an.

Weniger Ausbildungswillige

Ein zweiter Schwerpunkt neben der Vorstellung der Oktoberdaten lag am Mittwoch in der ­Präsentation des Ausbildungsmarkts im heimischen Raum. Marburg-Biedenkopf lag in Sachen Ausbildung mit einer Quote von 5,3 Prozent (Stand: Oktober 2018) über dem Hessenschnitt (4,4 %) sowie dem Bundesschnitt (4,8 %).

Diese Quote gibt an, wie viel Prozent 
der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten sich in Ausbildung befinden. Doch Quoten sind nicht alles, zum Gesamtbild in Marburg-Biedenkopf gehört, dass die Zahl der Bewerberinnen und Bewerber auf Ausbildungsstellen mit 1.823 um 5 Prozent unter dem Wert des Ausbildungsjahres 2017/2018 liegt.

Weniger Schulabgänger und Asylbewerber

„Das wird dazu führen, dass die Betriebe weiter nach Fachkräften schreien werden“, bilanzierte Breustedt. Astrid Heydecke, Teamleiterin der Berufsberatung in der Agentur für Arbeit Marburg, nannte am Mittwoch zwei Gründe für die rückläufigen Bewerberzahlen: „Es gibt insgesamt weniger Schulabgänger und mittlerweile weniger junge Asylbewerber, die eine Ausbildungsstelle suchen.“

Allein in der Hauptagentur Marburg suchten im aktuellen Ausbildungsjahr 40 junge Menschen weniger als im Vorjahr eine Lehrstelle, fast ebenso stark ging die Zahl in Biedenkopf zurück, und in der Stadtallendorfer Geschäftsstelle lag der Bewerberrückgang bei 19. Auf 966 (minus 47) sank die Zahl der tatsächlichen Ausbildungsstellen in der Hauptagentur.

„Nicht jeder Deckel 
passt auf jeden Topf“

Dagegen stieg die Zahl in Stadtallendorf auf 346 (plus 33) und in Biedenkopf auf 434 (plus 29) an. 80 der insgesamt 1 746 Ausbildungsplätze blieben unbesetzt – immerhin 30 Prozent mehr als im Jahr davor. „Nicht jeder Deckel passt auf jeden Topf“, sagte Andreas Wicker vom Arbeitgeberservice der Berufsberatung bei der Agentur.

Einen jungen Bewerber, der gern den Tischlerberuf erlernen würde, dafür aber in einen Betrieb ins Hinterland pendeln müsste, könne man nicht so leicht unterbringen. Die Teams der Berufsberatung setzen bei dem Versuch, möglichst viele junge Männer und Frauen in eine Ausbildung zu vermitteln, mittlerweile auf stark ausgeweitete Informationen und Beratungen, die in den Schulen sehr früh ansetzen.

Gefragt sind Soft Skills 
und Pünktlichkeit

So werden Hauptschüler bereits in der Klassenstufe sieben mit dem „Ernst des Ausbildungslebens“ vertraut gemacht, an Gymnasien besuchen die Berufsberater schon Neuntklässler. Wichtig sei, den Schülerinnen und Schülern neben den Informationen über die Ausbildungsberufe auch zu vermitteln, wie sie sich ihrem zukünftigen Arbeitgeber gegenüber am besten präsentieren.

„Soft Skills wie Zuverlässigkeit, Engagement oder Pünktlichkeit werden vorausgesetzt“, so Wicker. Wichtig sei, dass die jungen Menschen sich in ihren Bewerbungen mit den jeweiligen Betrieben auseinandersetzen und mit ihrer Motivation, ausgerechnet dort arbeiten zu wollen. „Und es kann nicht schaden, in der Bewerbung auch zu erwähnen, dass man etwa in seiner Freizeit eine Jugendmannschaft trainiert oder bei den Pfadfindern aktiv ist“, empfiehlt Volker Breustedt.

Zahl der Arbeitslosen gesunken

Ganz oben in der Top Ten der Ausbildungsberufe rangieren die Einzelhandels-Kaufleute: Von den 1 746 Stellen entfallen im Bezirk der Agentur Marburg 82 auf diese Berufsgruppe. Gefolgt wird diese Ausbildung von Elektronikern für Betriebstechnik und zahnmedizinischen Fachangestellten – vor Industriekaufleuten, medizinischen Fachangestellten und Köchen. Am meisten angebotene Stellen blieben im Jahr 2018/2019 im Friseurhandwerk unbesetzt.

Die Zahl der arbeitslosen Menschen, die das KreisJobCenter (KJC) Marburg-Biedenkopf betreut (Rechtskreis SGB II), ist im Oktober erneut gesunken – auf 2.906 erwerbsfähige Leistungsberechtigte, die als arbeitslos ­registriert sind. Das sind 100 Personen oder 3,3 Prozent weniger als im Vormonat. Gegenüber dem Vorjahresmonat sank die Zahl um 198 Personen oder 6,4 Prozent. Die Quote der arbeitslosen Grundsicherungsempfänger an den zivilen Erwerbspersonen liegt aktuell bei 2,2 Prozent – 0,1 Punkte niedriger als im Vorjahresmonat.

Zachow über Entwicklung erfreut

„Erfreulicherweise ist die Zahl der Arbeitslosen im Oktober trotz Konjunkturabschwächung weiter ­zurückgegangen. ­Diese Entwicklung bedeutet nicht nur, dass die regionalen Unternehmen trotz der sich eintrübenden Aussichten weiterhin Arbeitskräfte einstellen. Der Rückgang bei den Bedarfsgemeinschaften zeigt auch, dass immer weniger Familien und Lebensgemeinschaften auf Unterstützungsleistungen angewiesen sind“, sagte der Erste Kreisbeigeordnete Marian Zachow (CDU).

Im Vergleich zum Vormonat ging die Zahl der Bedarfsgemeinschaften um 135 oder 2,2 Prozent zurück und liegt bei 
6.104. Verglichen mit dem Vorjahr bedeutet dies einen Rückgang um 6,9 Prozent. Die Zahl der erwerbsfähigen Leistungsberechtigten sank im Vergleich zu September um 197 Personen oder 2,4 Prozent auf 8.167. Im lang­fristigen Vergleich liegt die Zahl 5,9 Prozent unter dem Wert des Vorjahres – ein Rückgang um 514 Personen.

von Carsten Beckmann