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Marburg Arbeitslosigkeit im Kreis steigt weiter
Marburg Arbeitslosigkeit im Kreis steigt weiter
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07:58 05.06.2020
Auf einem transparenten Würfel ist das Logo der Bundesagentur für Arbeit zu sehen. Quelle: dpa
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Marburg

In Marburg-Biedenkopf liegt die Arbeitslosenquote zwar nach wie vor unter der 5-Prozent-Marke, diese könnte aber schon nächsten Monat fallen, sagt Volker Breustedt, Leiter der Arbeitsagentur, im Gespräch mit dieser Zeitung. Als „gravierend schlecht“ bezeichnete Breustedt die Zahlen, die er gestern präsentierte. In beiden Rechtskreisen gibt es im Landkreis Marburg-Biedenkopf derzeit zusammengenommen 6 179 Arbeitslose. Das sind 277 mehr als im Vormonat und 1 242 mehr als noch vor einem Jahr. Die Quote liegt aktuell bei 4,6 Prozent.

Besonders verheerend aus Breustedts Sicht: Zunehmend erwischt es auch längerfristig Beschäftigte, die nun arbeitslos werden. Besonders stark betroffen sind demnach Männer. Grund für die steigende Arbeitslosigkeit sind laut Breustedt aber „noch keine riesigen Entlassungswellen“. Viel mehr würden befristete Arbeitsverhältnisse nicht verlängert oder Mitarbeiter in Probezeit nicht übernommen. Im Gegenzug gebe es einen Arbeitsmarkt, „der nur noch geringfügig aufnimmt“. Es werde schwieriger, Menschen in Arbeit zu vermitteln. Zwar wurden im Mai 301 neue sozialversicherungspflichtige Arbeitsstellen gemeldet. Das waren aber 230 weniger als noch vor einem Jahr.

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Grund für die im Hessenvergleich noch recht niedrige Arbeitslosenquote ist laut Breustedt vor allem das Kurzarbeitergeld. Die Zahl der Betriebe, die im Kreis Kurzarbeit angezeigt haben, ist im Vergleich zum Vormonat nochmals um 113 gestiegen. Damit liegen seit Beginn der Corona-Krise 1 910 Kurzarbeit-Anzeigen vor. Potenziell geht es um 23 732 Arbeitnehmer im Kreis, die mittels Kurzarbeitergeld ihren Arbeitsplatz behalten können. Das entspricht grob einem Viertel der Beschäftigten im Kreis.

Agenturleiter Breustedt geht davon aus, dass die Zahl der Betriebe, die Kurzarbeit angezeigt haben, in den kommenden Monaten nicht mehr merklich steigen wird. Es gebe wohl auch Firmen, die schon zurück in den Normalbetrieb gegangen seien, wie viele genau ist für die Agentur aber noch nicht klar erkennbar. Im Hotel- und Gaststättengewerbe haben zwei Drittel der Betriebe im Kreis Kurzarbeit angezeigt, sagt Breustedt. Im verarbeitenden Gewerbe sind es nur unwesentlich weniger.

„Die Arbeitslosenzahlen werden weiter steigen“, sagt Breustedt, „und dem ein oder anderen Betrieb wird auch die Luft ausgehen“. Gleichwohl macht der Agenturleiter auch Hoffnung auf die Zukunft. „Wir haben immer noch Fachkräftebedarf und die Anforderungen werden nicht geringer. Wir werden nicht ewig in dieser Krise sein“, sagt Breu-stedt. Den Unternehmen rät er, schon jetzt an die Nach-Corona-Zeit zu denken. Arbeitnehmer in Kurzarbeit sollten die Zeit nutzen, um sich weiterzuqualifizieren. Wer dies nun verschlafe, so Breustedt, könne in einem Jahr ein „Riesenproblem“ haben.
Auch in dieser Zeit gehe auf dem Arbeitsmarkt noch etwas – und in manchen Branchen mehr als gedacht. Breustedt geht davon aus, dass Hotels und Gaststätten wieder „stark anziehen“ werden und sich auch die Situation für Arbeitgeber in der Fertigung entspannt, die von Zulieferern abhängig waren, und künftig auch wieder mehr Absatz im Ausland generieren können.

Sorge bereitet Breustedt noch der Ausbildungsmarkt. Die Zahl der Bewerber ist im Vergleich zum Vorjahr um rund 27 Prozent zurückgegangen. Das habe vor allem damit zu tun, dass die Agentur derzeit keine Werbung in Schulen macht. Die Zahl der Ausbildungsplätze ist zwar „nur“ um 8,8 Prozent gesunken, dennoch falle es schwer, junge Menschen als Azubis zu vermitteln. Denn: Viele Firmen haben zwar Ausbildungsplätze angemeldet, lassen sich aber Zeit damit, die Stellen auch wirklich zu besetzen. Ein Fehler, sagt Breustedt, denn später im Jahr werden die besten Bewerber schon weg sein und Auszubildende für Betriebe noch „überlebensnotwendig“ werden. Zurzeit sind 598 Bewerber noch ohne Ausbildungsplatz, gleichzeitig sind 701 Ausbildungsstellen noch unbesetzt.

Eine Lösung könne hier die Einstiegsqualifizierung sein. Mit einem bezahlten Praktikum von einem Jahr müssen sich die Unternehmen nicht direkt langfristig binden und können sich die Interessenten in Ruhe anschauen. Zugleich können die jungen Bewerber ihr Können unter Beweis stellen und im Anschluss ihre Ausbildung verkürzen, wenn sie sie vom Betrieb angeboten bekommen.

  • Nähere Informationen zur Einstiegsqualifizierung unter der gebührenfreien Telefonnummer 08 00 / 45 55 52 0 oder per E-Mail an Marburg.arbeitgeber@ arbeitsagentur.de
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