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Marburg Frühjahrsbelebung fällt weitestgehend aus
Marburg Frühjahrsbelebung fällt weitestgehend aus
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07:55 01.04.2021
5.973 Menschen im Landkreis sind ohne Job (Themenfoto).
5.973 Menschen im Landkreis sind ohne Job (Themenfoto). Quelle: Julian Stratenschulte/dpa
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Marburg

Der Arbeitsmarkt ist auch im Landkreis weiterhin stark von der Corona-Pandemie geprägt – entsprechend schwach fällt die sonst übliche Frühjahrsbelebung aus. Im März waren demnach 5.973 Personen im Landkreis arbeitslos – 622 oder rund 12 Prozent mehr als vor einem Jahr, aber immerhin 252 Personen oder vier Prozent weniger als im Februar.

„Wir haben eine Entwicklung, die nicht ganz so günstig ist“, konstatiert Volker Breustedt, Leiter der Arbeitsagentur Marburg. Denn vor allem bei den Älteren ab 50 Jahren waren 263 Menschen mehr arbeitslos als noch vor einem Jahr – ein Plus von 17,4 Prozent. „Man kann sagen, dass jeder fünfte Arbeitslose älter als 55 Jahre ist“, so Breustedt.

Zahl der Langzeitarbeitslosen stieg an

Und: Auch die Zahl der Langzeitarbeitslosen stieg im Vergleich zum März 2020 kräftig an: um rund 34 Prozent oder 477 Personen. Die Agentur reagiere beispielsweise mit Qualifizierungsangeboten auf die Situation – doch fruchte dies nicht immer, so Breustedt.

Immerhin: Es gab im März mit 1.100 weniger neue Arbeitslosmeldungen als vor einem Jahr. Damals meldeten sich noch 286 Personen mehr arbeitslos – ein Rückgang zu diesem März von 20,5 Prozent. Zudem waren es 313 Personen oder 22 Prozent weniger als im Februar. Von den neu arbeitslos Gemeldeten kamen 424 aus vorheriger Erwerbstätigkeit, das waren 196 oder rund 32 Prozent weniger als im Vormonat.

Neu gemeldete Stellen weit unter Normalwert

Gleichzeitig meldeten sich 1.373 Menschen aus der Arbeitslosigkeit ab, 98 oder 6,7 Prozent weniger als vor einem Jahr und ebenfalls 98 oder 7,7 Prozent mehr als im Februar.

Sorge bereitet Breustedt indes die Zahl der neu gemeldeten Stellen: Demnach meldeten Arbeitgeber der Agentur 505 neue Arbeitsstellen im März – 96 oder 16 Prozent weniger als vor einem Jahr. Im Vergleich zum Februar waren es 14 Stellen weniger – ein Rückgang von 2,7 Prozent. „Die sonst übliche Frühjahrsbelebung bleibt also aus“, so Breustedt. Und: Die gemeldeten Stellen seien auch immer ein guter Indikator für die Konjunkturentwicklung – es bewege sich also recht wenig.

Breustedt: Vor allem kleinere Betriebe in Kurzarbeit

Die Entwicklung bei der Kurzarbeit – finale Zahlen gibt es durch den zeitlichen Versatz nun für November – gestaltete sich entsprechend des Lockdowns: So hatten im November 683 Betriebe mit insgesamt 5.326 Mitarbeitern Kurzarbeit angemeldet. Im Oktober waren es noch 525 Betriebe mit 5.069 Mitarbeitern gewesen.

„Die Zahlen zeigen, dass also hauptsächlich kleinere Betriebe zusätzlich Kurzarbeit angemeldet hatten“, so Breustedt – dieser Trend werde sich mit den Dezember-Zahlen wohl verfestigen. Für den Landkreis lagen seit Beginn der Corona-Krise 2 770 Kurzarbeit-Anzeigen von Betrieben vor; dahinter stehen oder standen potenziell 30.632 Beschäftigte.

Mehr Langzeitarbeitslose beim Kreisjobcenter

Die Zahl der langzeitarbeitslosen Menschen beim Kreisjobcenter (KJC) ist leicht gestiegen: Demnach gab es im März 3.041 erwerbsfähige Leistungsberechtigte, die als arbeitslos registriert sind. Das sind elf Personen oder 0,4 Prozent mehr als im Vormonat. Gegenüber dem Vorjahresmonat ist die Zahl um 131 Personen oder 4,5 Prozent angestiegen. Die Quote der arbeitslosen Grundsicherungsempfänger an den zivilen Erwerbspersonen liegt aktuell bei 2,2 Prozent – unverändert zum Vorjahr.

„Der aktuelle Lockdown zur Eindämmung der Infektionszahlen wirkt sich weiter negativ auf den heimischen Arbeitsmarkt aus“, sagt der Erste Kreisbeigeordnete und zuständige Sozialdezernent Marian Zachow (CDU). „Wir profitieren bei diesem vergleichsweise moderaten Anstieg der Arbeitslosigkeit von der vielfältigen Wirtschaftsstruktur in unserer Region. Vor allem für Industriebetriebe läuft die Konjunktur weiterhin robust“, so Zachow.

Keine verlässliche Prognose

Eine aktuell verlässliche Prognose der wirtschaftlichen Entwicklung für die kommenden Monate sei allerdings nicht einfach. Es spielten viele schwer einschätzbare Faktoren eine große Rolle, darunter der weitere Verlauf der Pandemie sowie die Maßnahmen zur Eindämmung.

Im Vergleich zum Vormonat sank die Zahl der Bedarfsgemeinschaften um elf oder 0,2 Prozent auf 5 776. Verglichen mit dem Vorjahresmonat ist dies ein Rückgang um 228 oder 3,8 Prozent. Die Zahl der erwerbsfähigen Leistungsberechtigten ist im Vergleich zum Februar um 2 auf 7 683 Personen gesunken. Im März vor einem Jahr waren es noch 378 Personen mehr – der Rückgang entspricht 4,7 Prozent.

Von Andreas Schmidt

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