Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Marburg Rettungsanker Kurzarbeit
Marburg Rettungsanker Kurzarbeit
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
17:59 02.07.2020
Die Bundesagentur für Arbeit hat die offiziellen Arbeitslosenzahlen bekanntgegeben. Quelle: Sebastian Gollnow/dpa/Archiv
Anzeige
Marburg

Nicht nur bundesweit liegt die Zahl der Menschen, die sich in Kurzarbeit befinden, auf einem historischen Höchststand: Auch im Landkreis haben 1.981 Unternehmen Kurzarbeit für potenziell knapp 25.000 Beschäftigte angezeigt.

Doch ist die Zahl der neuen Anzeigen leicht rückläufig, „ein Indiz dafür, dass wir die Talsohle durchschritten haben könnten“, sagt Volker Breustedt, Leiter der Marburger Agentur für Arbeit.

Anzeige

Und: Zwar sei die Zahl der Arbeitslosen im Vergleich zum Vorjahr um 1.327 Menschen oder gut 27 Prozent auf 6.146 gestiegen. „Aber ohne die Kurzarbeit sähe diese Zahl wohl deutlich dramatischer aus“, sagt Breustedt.

Zudem sei die Zahl der Arbeitslosen im Vergleich zum Mai leicht um 33 Personen gesunken – dies deute auf eine zumindest leichte Entspannung hin. „Es sieht grob gesagt nicht gut aus – aber auch nicht grottenschlecht“, fasst Breustedt zusammen. Die Arbeitslosenquote liegt mit 4,6 Prozent weiter auf dem Wert des Vormonats, vor einem Jahr betrug sie jedoch lediglich 3,6 Prozent.

Fertigung ist besonders betroffen

In Biedenkopf stieg die Quote binnen Jahresfrist um 0,9 Zähler auf 4,2 Prozent, in Stadtallendorf im selben Zeitraum ebenfalls um 0,9 Punkte auf 4,5 Prozent, „und Marburg ist am härtesten betroffen mit 4,7 Prozent“, so Breustedt – ein Prozent mehr als im Juni vergangenen Jahres. Der Landkreis sei somit „mit einem blauen Auge“ davongekommen, denn, so der Agenturleiter: „In Südhessen, insbesondere in Frankfurt und Offenbach, ist die Arbeitslosenquote im Vergleich zum Vorjahr um grob 40 Prozent gestiegen.“

Besonders betroffen vom Anstieg der Arbeitslosenzahlen seien die Fertigung (plus 38 Prozent) und der Handel (plus 34 Prozent). In der Folge gebe es einen Anstieg bei den Beziehern von Arbeitslosengeld I um 47,7 Prozent.

Der Juni sei zu normalen Zeiten ein guter Monat, „da ist es ein kleiner Lichtschein am Horizont, dass die Entwicklung auch jetzt eingetreten ist und die Zahl der Arbeitslosen zumindest leicht um 33 Personen gesunken ist“.

35 Prozent weniger Stellen gemeldet

Es gebe auf dem Arbeitsmarkt relativ wenig Fluktuation: So meldeten sich im Juni 1.031 Personen neu arbeitslos – 145 oder 12,3 Prozent weniger als vor einem Jahr und 69 oder 6,3 Prozent weniger als im Mai. Gleichzeitig meldeten sich 1.061 Personen aus der Arbeitslosigkeit ab, das waren 234 oder rund 18 Prozent weniger als vor einem Jahr; im Vergleich zum Vormonat Mai 2020 waren es 244 oder rund 30 mehr.

Einen starken Einbruch gab es hingegen bei den gemeldeten Stellen: Im Juni wurden 377 neue sozialversicherungspflichtige Arbeitsstellen gemeldet, das waren 207 oder 35,4 Prozent weniger als ein Jahr zuvor; im Vergleich zu Mai waren es 76 oder rund ein Viertel mehr.

Auch auf den Ausbildungsmarkt hat die Coronakrise Auswirkungen: So ist im Vergleich zum Vorjahr die Zahl der gemeldeten Ausbildungsstellen um 11,2 Prozent oder 179 Stellen auf 1.417 gesunken. Parallel dazu ging auch die Zahl der Bewerber zurück:

Um elf Prozent oder 169 Jugendliche auf 1.363. In der Folge gibt es derzeit noch 588 nicht versorgte Bewerber sowie 622 offene Lehrstellen. „Auf dem Ausbildungsmarkt geht noch jede Menge“, sagt Volker Breustedt – auch jetzt könne man sich noch problemlos bewerben. Corona habe viele Prozesse ausgebremst, das gelte auch für den Ausbildungsmarkt.

Zahl der Langzeitarbeitslosen leicht gestiegen

Und: „Dadurch, dass die Schulen lange geschlossen waren, konnten unsere Berufsberater auch nicht vor Ort sein.“ Das mache sich durchaus bemerkbar – etwa, weil Schüler dann eben weiter auf der Schule blieben.

Die Zahl der Langzeitarbeitslosen ist von Mai auf Juni infolge der Corona-Krise erneut gestiegen – wenn auch nicht mehr so stark wie in den Vormonaten. Das Kreisjobcenter (KJC) weist in seiner aktuellen Statistik 3.378 Personen aus, die als arbeitslos registriert sind. Das sind 22 Personen oder 0,7 Prozent mehr als im Vormonat.

Gegenüber dem Vorjahresmonat ist die Zahl der Arbeitslosen deutlich um 395 Personen oder 13,2 Prozent angestiegen. Die Quote der arbeitslosen Grundsicherungsempfänger an den zivilen Erwerbspersonen liegt aktuell bei 2,5 Prozent. Im Vorjahresmonat lag die Quote bei 2,2 Prozent.

Mehr Bedarfsgemeinschaften als im Mai

„Durch die Beschränkungen des Wirtschaftslebens aufgrund der Corona-Pandemie waren viele Unternehmen zeitweise lahmgelegt. Die langsam beginnenden Lockerungen haben den zunächst sehr deutlichen Anstieg der Langzeitarbeitslosigkeit zwar etwas abgemildert, doch auch viele Betriebe, die bisher relativ unbeschadet durch die Krise gekommen sind, verzichten aufgrund fehlender Planungssicherheit weitgehend auf Einstellungen“, sagte der Erste Kreisbeigeordnete und Sozialdezernent Marian Zachow.

Im Vergleich zum Vormonat erhöhte sich die Zahl der Bedarfsgemeinschaften um 56 oder 0,9 Prozent. Aktuell liegt sie bei 6.429 (Vormonat: 6.373). Verglichen mit dem Vorjahresmonat bedeutet dies einen leichten Anstieg um 8 oder 0,1 Prozent.

Von Andreas Schmidt