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Marburg „Goldener Oktober“ am Arbeitsmarkt
Marburg „Goldener Oktober“ am Arbeitsmarkt
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18:50 28.10.2021
Die Situation auf dem heimischen Arbeitsmarkt hat sich positiv entwickelt.
Die Situation auf dem heimischen Arbeitsmarkt hat sich positiv entwickelt. Quelle: Julian Stratenschulte
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Marburg

Die Arbeitslosenquote ist gesunken, es gibt weniger neue Arbeitslose und mehr neue Stellen, auch die Kurzarbeit geht zurück: Die Lage am regionalen Arbeitsmarkt hat sich im Oktober gegenüber dem Vorjahresmonat deutlich verbessert. „Es gibt eigentlich nur positive Nachrichten im Vergleich zum schlechten vergangenen Jahr“, sagte Volker Breustedt, Leiter der Agentur für Arbeit Marburg, am Donnerstag (28. Oktober) bei einem Pressegespräch. Im Oktober waren nach Angaben der Arbeitsagentur 4 714 Menschen in Marburg-Biedenkopf arbeitslos gemeldet, 1 081 weniger als vor einem Jahr und 156 weniger als im September. Die Arbeitslosenquote sank im Landkreis auf 3,5 Prozent. Auch bundesweit sank die Zahl der Arbeitslosen auf 2,377 Millionen (Quote: 5,2 Prozent). Die Wirtschaft und damit der Arbeitsmarkt erholt sich also weiter von der Corona-Krise. In einzelnen Kommunen im Landkreis sank die Zahl der Arbeitslosen im Vergleich zum Oktober 2020 um mehr als ein Drittel, zum Beispiel in Bad Endbach von 185 auf 120 und in Ebsdorfergrund von 130 auf 84.

Die Einschränkung „eigentlich“ in Breustedts Bewertung bezieht sich vor allem auf drei Gruppen, für die es nicht ganz so gute Nachrichten gibt: Arbeitslose über 50 Jahren, Langzeitarbeitslose und schwerbehinderte Arbeitslose. Sie haben vom Aufschwung am Arbeitsmarkt nicht so stark profitiert. Die Zahl der schwerbehinderten Arbeitslosen nach Sozialgesetzbuch II (umgangssprachlich Hartz IV) ist gegen den Trend im Vergleich zum Vorjahresmonat sogar um 26 Personen (11,5 Prozent) auf nun 253 angewachsen. „Wir müssen aufpassen, dass diese drei Gruppen im Aufwärtstrend nicht abgehängt werden“, sagte Breu­stedt.

Insgesamt ist aber auch die Zahl der Langzeitarbeitslosen gesunken. Das Kreisjobcenter (KJC) des Landkreises meldete 2 845 als arbeitslos registrierte erwerbsfähige Leistungsberechtigte. Das ist ein Rückgang von 89 Personen oder 3 Prozent. Gegenüber dem Oktober vergangenen Jahres sank die Zahl der Arbeitslosen in der Zuständigkeit des KJC um 199 oder 6,5 Prozent. In der Versichertengemeinschaft (Sozialgesetzbuch III) sank die Zahl der Arbeitslosen auf 1 869 Personen, 882 weniger als vor einem Jahr und 67 weniger als im September.

Zachow: Nachfrage an Arbeitskräften steigt

Insgesamt meldeten sich 1 101 Menschen neu arbeitslos, 125 weniger als im Vorjahresmonat. 1 257 Menschen meldeten sich aus der Arbeitslosigkeit ab, 216 weniger als vor einem Jahr. „Es ist ein goldener Oktober für den Arbeitsmarkt, auch für unseren Landkreis. Die Nachfrage an Arbeitskräften steigt und die meisten Betriebe erholen sich beständig“, sagte der Erste Kreisbeigeordnete Marian Zachow (CDU) laut Mitteilung. „Allerdings gibt es weiterhin Lieferengpässe. Einige besonders betroffene Branchen wie Handel und Gastgewerbe erholen sich zwar, aber da Personal und Fachkräfte in andere Bereiche abgewandert sind und nun in diesen Zweigen fehlen, baut sich die Beschäftigung dort nur langsam wieder auf.“

Der Aufschwung am Arbeitsmarkt zeigt sich auch an den neu gemeldeten Stellen: Allein im Oktober waren es 654, das sind 238 mehr als im Vorjahresmonat. Davon waren 593 sozialversicherungspflichtige Stellen (plus 248). „Die Telefonleitungen glühen, die Arbeitgeber kontaktieren uns“, beschrieb Andreas Wicker, Teamleiter Arbeitgeberservice bei der Marburger Arbeitsagentur, die Situation. „In den vergangenen Monaten war dies vor allem wegen des Kurzarbeitergeldes, nun hat sich das Blatt fast vollständig gewendet – die Arbeitgeber melden sich wegen des hohen Arbeitskräftebedarfs.“

Die Zahlen zur Kurzarbeit liegen immer erst einige Monate später vor. Grund dafür ist, dass Betriebe zwar im Voraus Kurzarbeit beantragen müssen, aber erst später abrechnen, in welchem Umfang die Beschäftigten tatsächlich in Kurzarbeit waren. Die aktuellsten Zahlen stammen daher aus dem Juni. Damals waren im Landkreis noch 3 075 Beschäftigte in 484 Betrieben in Kurzarbeit, ein deutlicher Rückgang gegenüber Mai (4 341 Beschäftigte in 717 Betrieben). „Neuanträge auf Kurzarbeit gibt es nur noch sporadisch“, sagte Breustedt. Das sei „ein ungeheuer positives Zeichen“.

Er gehe davon aus, dass der Arbeitsmarkt sich weiterhin so positiv entwickelt – vorausgesetzt, dass er nicht durch stark steigende Corona-Zahlen ausgebremst wird. „Alle stehen in der Verantwortung, dass auch an der Arbeit die entsprechenden Sicherheitsvorkehrungen getroffen werden“, mahnte Breustedt.

Weniger unversorgte Ausbildungssuchende

Am Ausbildungsmarkt gab es nach Angaben der Marburger Arbeitsagentur trotz Pandemie keinen Einbruch. Zwar sank im Ausbildungsjahr 2020/21 die Zahl der Bewerberinnen und Bewerber im Landkreis gegenüber dem Vorjahr um rund 10 Prozent auf 1 479, und die Zahl der von Betrieben gemeldeten Ausbildungsstellen ging um 3,4 Prozent auf 1 547 zurück.

Doch offenbar gelang es besser, Auszubildende an Betriebe zu vermitteln: 101 Ausbildungsstellen blieben unbesetzt und 115 Ausbildungssuchende fanden keinen Ausbildungsplatz – das ist jeweils ein gutes Drittel weniger als im Vorjahr (ausführlicher Bericht folgt).

Von Stefan Dietrich

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