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Marburg Arbeitskampf per Livestream
Marburg Arbeitskampf per Livestream
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08:58 02.05.2020
Foto- statt Straßen-Demo: An der Bilder-Demo beteiligten sich auch Jens Thomas (links) und Manfred Isenberg vom Vorstand der Marburger Ortsgruppe der IG Bergbau, Chemie, Energie. Quelle: Privatfoto
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Marburg

Das gab es auch noch nie, einen Tag der Arbeit ohne groß angelegte Demo in Marburg, ohne Kundgebungen, ohne öffentliche Ansprachen – und dennoch wurde viel gesprochen über den Solidaritätsgedanken, über Zusammenhalt, wenn auch nur virtuell. Via Livestream, Plakat- und Foto-Aktionen veranstaltete der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) unter dem Motto „Mit Anstand Abstand halten: Solidarisch ist man nicht alleine“ eine Live-Sendung mit Interviews und Live-Acts. Auch auf regionaler Ebene tat sich einiges: Über den DGB Mittelhessen füllte sich das Netz mit Eindrücken der „Bilder-Demo“, über die heimische Gewerkschafter mit Dutzenden Fotos von Zuhause aus kreativ auf ihren Kampftag aufmerksam machten – vom Selfie mit Soli-Plakat und geballter Faust bis zum Erdmännchen mit roter Flagge in der Pfote.

Akteure aus dem Kreis sandten auch ohne Rednerpult ihre Botschaften ins Netz: Ein stückweit Normalität demonstrierte dabei Pit Metz, DGB-Kreisvorsitzender, der seine Ansprache trotzdem am Mikro auf dem Marburger Marktplatz hielt – wenn auch nur vor drei, statt vor hunderten Zuhörern – und Kritik an der Lage im Gesundheitssystem übte. Denn auch dieser 1. Mai heiße nicht, „dass man nur weil man einen Mundschutz trägt, einen Maulkorb umgebunden bekommt“, betonte Metz. Er warf einen Blick in die Zukunft, in die Zeit nach der Pandemie und auf die Hoffnung, dass die derzeit starke Solidarität, „an Mitgefühl, Nachbarschaft, an Füreinander da sein“ auch nach Corona weiter anhält: „Wir müssen jetzt schon darüber nachdenken was davon gerettet, bewahrt und ausgebaut werden kann“. Für die Arbeitnehmer in den systemrelevanten Berufe werde es „nicht genügen, nur Fensterapplaus zu spenden“, auch nicht die Bonuszahlungen, sondern es brauche, neben der Entprivatisierung des Klinikum, einen höheren Tarif und bessere Löhne.

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Auch andere Vertreter aus Gewerkschaft und Politik blickten in diese Richtung und forderten eine bessere Bezahlung für Branchen wie Pflege, Erziehung oder Einzelhandel: „Wer systemrelevant ist, muss endlich auch anständig bezahlt werden – und umgekehrt: wer Dividenden ausschütten kann, braucht offenkundig keine Staatshilfe“, sagte Oberbürgermeister Dr. Thomas Spies, der sich nach überstandener Prostata-OP aus der Reha zu Wort meldete. Auch Landrätin Kirsten Fründt sprach über eine große Solidarität, die derzeit im Landkreis gelebt werde und bedankte sich „bei allen, die diese Kreisgesellschaft durch diese schwierige Zeit bringen“. Sie hoffe, „dass wir die Stärke dieser Solidarität auch mitnehmen, um diese Krise gemeinsam zu durchstehen“.

Von Ina Tannert

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