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Marburg Arbeitsagentur: Der Omikron-Notfallplan steht
Marburg Arbeitsagentur: Der Omikron-Notfallplan steht
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07:59 06.01.2022
Zugang ohne Termin verboten: Schon seit geraumer Zeit setzt die Marburger Agentur für Arbeit auf eine strikte Zugangskontrolle, zudem befinden sich zahlreiche Mitarbeiter im Homeoffice. Um trotz Omikron handlungsfähig zu bleiben, gibt es einen Notfallplan.
Zugang ohne Termin verboten: Schon seit geraumer Zeit setzt die Marburger Agentur für Arbeit auf eine strikte Zugangskontrolle, zudem befinden sich zahlreiche Mitarbeiter im Homeoffice. Um trotz Omikron handlungsfähig zu bleiben, gibt es einen Notfallplan. Quelle: Jan Woitas
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Marburg

Die Omikron-Variante des Coronavirus ist weiter auf dem Vormarsch. Die Bundesregierung geht davon aus, dass sie bereits in wenigen Tagen die dominierende Variante in Deutschland ist. Omikron könnte sehr schnell zu einer Vielzahl von Neuinfektionen führen – beispielsweise auch bei der Arbeitsagentur, die ein Teil der kritischen Infrastruktur ist. Und dann? Volker Breustedt, Leiter der Marburger Agentur für Arbeit, erläutert im OP-Gespräch, wie die Agentur handlungsfähig bleiben will.

Doch warum gehört die Arbeitsagentur überhaupt zur kritischen Infrastruktur? „Wenn wir aufgrund pandemischer Einschläge nicht in der Lage wären, weiterzuarbeiten, bekommen die Leute kein Geld – oder sie bekommen es deutlich zu spät.“ Und diese „Leute“ sind sehr vielfältig, wie Breustedt erklärt: „Arbeitgeber würden kein Kurzarbeitergeld erhalten, was mittelbar auf die Beschäftigten durchschlägt, weil dem Betrieb dann die Luft ausgeht. Arbeitslose würden ihre Zahlungen nicht erhalten, wer sich neu arbeitslos meldet, bekäme sein Geld vielleicht erst in einem Vierteljahr“, zählt der Agenturleiter auf.

Gefahr: Trägerstruktur würde zusammenbrechen

Und: Auch zahlreiche Träger, die für die Agentur arbeiten, würden keine Auszahlungen erhalten – in der Konsequenz dann auch nicht deren viele Hundert Angestellten oder Honorarkräfte. „Außerdem müssten Menschen ja zunächst in die Maßnahmen der Träger vermittelt werden können – die gesamte Trägerstruktur würde zusammenbrechen.“ Hinzu kommen Kindergeld und Insolvenzgeld.

Um handlungsfähig zu bleiben „haben wir im Prinzip ein atmendes System erfunden, das schon seit vielen Quartalen – nahezu seit Beginn der Pandemie – läuft“, sagt Breustedt. In der Anfangszeit sei wichtig gewesen zu identifizieren, „in welche Bereiche wir das Personal stecken können, um vorrangig das Thema Kurzarbeit zu bearbeiten“. Mittlerweile gebe es für den „worst case“ eine Notfall-Liste, „auf der all die Menschen verzeichnet sind, die bevorzugt auf jeden Fall die technischen Vorkehrungen haben, um von zu Hause aus zu arbeiten – egal, ob wir sie ins Homeoffice geschickt haben, ob sie sich in Quarantäne befinden oder ob sie krank sind und sagen, sie können dennoch weiterarbeiten.“ Der Plan sei so weit ausgearbeitet, „dass wir das Amt quasi auf einen Knopfdruck hin leeren können“.

Ansteckungsgefahr minimieren

Schon seit geraumer Zeit arbeite die Agentur mit einer stark reduzierten Mitarbeiterzahl vor Ort im Afföller, um die Ansteckungsgefahr niedrig zu halten. „Wir könnten aber auch fast auf den Zustand null runterfahren.“ Vorrangig würde für alle, die im Bereich Geld arbeiteten, eine mobile Arbeitsmöglichkeit durchgängig gewährleistet. „Wobei sie schon jetzt die entsprechenden Geräte haben und zum Teil auch schon von zu Hause arbeiten“, sagt Breustedt. Darüber hinaus gebe es Pläne, die Kernarbeitszeit noch weiter auszudehnen, als es schon der Fall ist – um die Netzlast in den Haupt-Arbeitszeiten zu minimieren. „Wir haben mit Beginn der Pandemie das Zeitfenster schon von 6 bis 20 Uhr ermöglicht – das könnte ausgeweitet werden. Und unsere EDV in Nürnberg ist auch darauf vorbereitet, den Zugang von außen zu gewährleisten, wenn noch mehr Menschen von zu Hause arbeiten müssten.“ Breustedt ist überzeugt: „Egal, wie heftig es kommt: Wir haben die absolute Sicherheit dafür, dass wir weiter arbeiten können und handlungsfähig sind.“

Dazu beigetragen habe auch, dass die Arbeitsagentur schon vor Jahren die elektronische Akte eingeführt habe. „Bei uns gibt es kein Stück Papier mehr – es sei denn, jemand schreibt eine Glückwunschkarte“, scherzt er. So könne die Agentur dezentral Arbeit ausgleichen, wenn es irgendwo Spitzen oder Überlastungen durch Hotspots gebe. So habe die Marburger Agentur beispielsweise auch schon Erstgespräche für Kollegen in Südhessen übernommen.

Gut 50 Leute im Mindestfall nötig

Wie viele Menschen arbeiten in der Marburger Agentur? „105 im operativen Bereich, von denen etwa 20 Prozent noch vor Ort sind, weitere 115 im Service-Center, das speziell für alle Fragen rund ums Kindergeld zuständig ist – von denen sind etwa 10 Prozent in der Agentur“, sagt Breustedt. Darüber hinaus gebe es in Marburg noch den „operativen Service“ mit 25 bis 30 Mitarbeitern, der nominell zu Kassel gehört, aber bei allen Agenturen vor Ort vertreten ist. „Das sind die, die auf jeden Fall vorrangig von zu Hause arbeiten – denn sie sind für die Geldleistungen zuständig.“ Zudem verdeutlicht Volker Breustedt: Auch, wenn die Auszahlung oberste Priorität habe, bedeute dies nicht, dass keine Beratung stattfände. „Das Motto lautet: Zahlen schafft Frieden. Aber wir gewährleisten trotzdem, dass das Erstgespräch immer stattfindet. Folgegespräche können dann jedoch verschoben werden, wenn es hart auf hart kommt.“

Wie viel Personal sei im Mindestfall nötig? „Mit rund 50 Leuten könnten wir die Arbeit aufrechterhalten – darunter würde es eng, dann gäbe es nur noch Geld und keine Beratung.“

Von Andreas Schmidt