Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Marburg Nach Waldblick-Kollaps: Marburg baut Pflegepool auf
Marburg Nach Waldblick-Kollaps: Marburg baut Pflegepool auf
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
18:23 18.12.2020
Eine Pflegerin und eine Bewohnerin des Pflegeheims schauen zusammen aus einem Fenster eines Pflegeheims. Quelle: Tom Weller/dpa
Anzeige
Marburg

Die Stadt Marburg und der Landkreis Marburg-Biedenkopf starten nach dem quarantänebedingten Fachkräfte-Kollaps in Moischt nun einen Pflegepool. Das Ziel sei, Seniorenheime in allen Gemeinden personell zu unterstützen, „um die Versorgung der Bewohner trotz Corona-bedingter Personalengpässe und Ausfälle zu gewährleisten“. Aufbau und Organisation des Pflegepools laufen nach Angaben von Bürgermeister Wieland Stötzel (CDU) bereits seit 7. Dezember – „weil wir mit einer Verschärfung der Lage rechneten“, wie der Ordnungsdezernent auf OP-Anfrage sagt.
Es gibt – nach dem „Haus Waldblick“ – nach Angaben des Gesundheitsamts nun im ganzen Landkreis Heime, die „Gefahr laufen“, auf eine ähnliche Situation wie in Moischt „zuzusteuern“. Heißt: Es droht, dass sich auch in anderen Einrichtungen keine Mitarbeiter mehr um die alten und oft unselbstständigen Bewohner kümmern können, da sie Corona-bedingt in Quarantäne geschickt werden müssen.

Gesucht werde nach Aussage von Landrätin Kirsten Fründt (SPD) neben Pflegekräften auch Personal aus dem Hotel- und Gaststättengewerbe, der Hauswirtschaft sowie „Menschen mit einschlägiger Berufserfahrung, die den Betrieb der Einrichtungen auch jenseits der Pflegetätigkeit bei Bedarf tatkräftig unterstützen können“. Jeder, der zeitlich bei der Krisenbewältigung helfen könne und wolle, solle sich von dem Aufruf angesprochen fühlen. Die ersten 80 Helfer-Anmeldungen sind laut Stadtverwaltung am Freitagabend bereits eingegangen. Die Koordination für den kreisweiten Personal-Pool, die Aufklärungs- und Vermittlungsarbeit übernimmt die Stadt Marburg.

Anzeige

Rufe nach der Bundeswehr

Hessenweit werden eben wegen des Pflegekräfte-Mangels – dazu noch die Landes-Verordnung, in Heimen regelmäßig Schnelltests durchzuführen – nun Rufe nach einem Einsatz der Bundeswehr in Seniorenheimen laut. „Es reicht nicht, eine Verordnung zu schreiben, und es reicht auch nicht, Geld zur Verfügung zu stellen“, heißt es etwa vom „Frankfurter Verband“, einem der größten Sozialeinrichtungs-Träger im Land. Ähnlich äußerte sich nach dem Zusammenbruch des Moischter Heims bereits Bernd Combé, Mitbegründer des „Haus Waldblick“.

Schon am Donnerstag kündigte Oberbürgermeister Dr. Thomas Spies (SPD) einen neuen „Anti-Corona“-Weg für Marburg an, der neben Schnelltest-Bezuschussung für Bedürftige unter anderem auch Anruf-Sammel-Taxis als individuellen Bus-Ersatz für Risikogruppen vorsieht (die OP berichtete).

Finanziert werden soll das – etwa die 15 Euro pro Stadtbewohner für einen Schnelltest im nun betriebsbereiten Aquamar-Test-Zentrum – aus den im Sommer nicht ausgegebenen Geldern des Marburg-Gutscheins.

Kontakt

  • Helfer können sich hier anmelden: www.marburg.de/pflegepool-helfen 
  • Einrichtungen können sich hier melden: www.marburg. de/pflegepool-bedarf
  • Weitere Infos gibt es unter pflegepool@marburg-stadt.de oder der Telefonnummer 0 64 21 / 20 12 60 0.

Von Björn Wisker und Andreas Schmidt

18.12.2020
Marburg Corona-Fallzahlen - Fünf weitere Todesfälle
18.12.2020