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Marburg Stress, aber mit viel Spaß
Marburg Stress, aber mit viel Spaß
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18:43 01.01.2020
Kantor Nils Kuppe hatte zu einem Silvesterkonzert in die Elisabethkirche eingeladen. Er mag die besondere Stimmung. Quelle: Thorsten Richter
Marburg

Alleine in einem riesigen Raum sitzt Herbert Wagner in der Silvesternacht. Vor ihm zehn Bildschirme und eine Großleinwand. Er ist an diesem Abend der Wächter über alle Versorgungsleitungen der Marburger Stadtwerke. Sollte es zu Störungen kommen, dann muss er die Nerven behalten und die Reparaturen organisieren.

35 Jahre sitzt der 61-jährige Michelbacher (Fotos: Thorsten Richter) schon in der Verbundwarte. Als junger Mann fand er die Feiertagsdienste nicht so toll. „Alle anderen sind feiern gegangen und ich musste zum Dienst“, erinnert er sich. Heute hat er damit kein Problem mehr und stößt nach dem Dienst zuhause mit seiner Frau auf das neue Jahr an.

Ähnlich handhabt es auch Andrea Schmidt, eine der drei hauptamtlichen Küster der Elisabethkirche. Von einer Feier bei Freunden ist sie aufgebrochen, um alles für das Silvesterkonzert vorzubereiten. Auch für Kantor Nils Kuppe ist der letzte Tag des Jahres ein Arbeitstag. Er wird später an der Orgel sitzen und Werke von Antonio Vivaldi, Johann Sebastian Bach, Edvard Grieg und Andrew Lloyd Webber spielen.

Er selbst hatte die Idee zu diesem Konzert. „Nach dem Essen und vor Mitternacht gibt es viel Zeit, um noch etwas zu unternehmen“, hat Nils Kuppe festgestellt. Er mag die besondere Stimmung und hat sich extra einen Frack und eine weiße Fliege angezogen. „Das trage ich nur an Silvester“, gibt er zu.

Nach dem Konzert hilft er der Küsterin Andrea Schmidt dabei die Kirche für die Neujahrsandacht vorzubereiten. Alle 300 Stühle müssen wieder umgedreht werden. Und um Mitternacht läuten dann die Glocken.

Dann hat Taxifahrer Umur F. Buttar wohl gerade eine Pause. „Meine Hauptarbeitszeit beginnt so ab 1 Uhr“, weiß der 31- jährige Politikstudent aus Erfahrung. Das Partyangebot im Vorfeld hatte ihn nicht so überzeugt, „da geh ich lieber arbeiten. Gibt ja auch ein bisschen mehr Geld“, sagt er lachend. Über zehn Kollegen sind mit ihm in der Silvesternacht im Einsatz. „Da erlebt man schon einiges. Es ist nie langweilig.“

Das bestätigt auch Philipp Müller von der Feuerwehr Marburg. Der 33-Jährige hat Nachtschicht in der Einsatzzentrale. „Ein sehr unbeliebter Dienst“, gibt er zu. Aber er hat sich freiwillig gemeldet und stößt um Mitternacht mit den Kollegen der Freiwilligen Feuerwehr an.

„Ja, das machen wir auch, wenn Zeit ist“, sagt Karl-Heinz Brössel. Für den Polizeihauptkommissar der Marburger Dienststelle ist der Jahreswechsel eigentlich ein ganz normaler Dienst, der mit einem gemeinsamen Abendessen mit den Kollegen angefangen hat und am Neujahrstag um sechs Uhr endete. Für den Dienstgruppenleiter endeten aber gleichzeitig auch 40 Jahre Polizeidienst.

Eine Bildergalerie zur Silvesternacht in Marburg gibt es hier:

von Katja Peters