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Marburg Waldwegbau sorgt für Unmut
Marburg Waldwegbau sorgt für Unmut
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00:18 06.07.2018
Bernd Wegener (links) und Christian Korff zeigen den ersten Bauabschnitt. Quelle: Ina Tannert
Marburg

Auf einer Strecke von rund drei Kilometern sollen die Waldwege zwischen Bauerbach und Marburg in den kommenden Monaten in zwei Bauabschnitten runderneuert und geschottert werden. Die Linke­ fordert einen Erhalt der Asphalt­decke zugunsten des Radverkehrs.

Das erste Teilstück im Wegebau ist nahezu abgeschlossen: Seit vergangener Woche werden im Revier Bauerbach mehrere hundert Laufmeter vom sogenannten „Nödelweg“ von Hessen Forst zurückgebaut. Die Asphaltschicht wird abgerissen, die Wege werden gefräst und neu geschottert, erklärt Bernd Wegener vom Forstamt Kirchhain.

Auf eine Asphaltdecke wird dabei gänzlich verzichtet. Der aktuellen Maßnahme soll im Anschluss der Rückbau vom Hans-Helmut-Paul-Weg und der Waldtalstraße folgen.

Hessen Forst ist Eigentümer aller Wege

Auf der rund zwei Kilometer langen Strecke zwischen Marburg und Bauerbach will der Zweckverband Mittelhessische Wasserwerke (ZMW) die darunter verlegte Trinkwasserleitung erneuern.

Der asphaltierte Weg ist in noch relativ gutem Zustand, nicht jedoch die Metallrohre, die in der Vergangenheit bereits Schäden aufwiesen. „Die Leitungen müssen ersetzt werden, das sichert die Wasserversorgung für Marburg“, berichtet Sachgebietsleiter Rainer Schmidt vom ZMW.

Eigentümer aller betroffenen Wegstücke ist Hessen Forst. Die Kanalarbeiten nutzt der Landesbetrieb für einen „naturnahen, pflegeleichten Wegebau“ und setzt dabei auf ein Mineralgemisch als Schotter, eine sogenannte „wassergebundene Wegedecke“, erklärt Wegener.

Linke befürchten Aus für Radverkehr

Der neue Belag stößt nun auf Kritik. Wie die Linkspartei mitteilt, bedeute die Abkehr von der Asphaltdecke einen Einschnitt in die Radwegeverbindung. „Damit würde der einzige für den Radverkehr geeignete Weg über die Lahnberge zerstört“, kritisiert Nico Biver, Magistratsmitglied der Marburger Linken.

Denn die asphaltierten Wege würden nicht nur von Freizeit-, sondern auch von Berufs-Radlern genutzt, „um möglichst zügig zur Arbeit oder zur Uni zu kommen“. Ein Rückbau stehe dem entgegen und würde­ wiederum „zu weniger Rad- und mehr Pkw-Verkehr führen“.

Denn ein geschotterter Weg sei schwieriger zu befahren als eine glatte Asphaltfläche. „Wenn es steiler wird sind die Abfahrten nicht nur für die Radfahrer, sondern wegen der längeren Bremswege auch für andere Nutzer ­
 gefährlich“, meint Biver.

Hessen Forst: Alle Wege sind voll nutzbar

Wie Hessen Forst versichert, seien alle neu gestalteten Wege­ voll nutzbar, auf den groben Schotter folgt obenauf eine weitere Schicht aus feineren Steinen und Sand, was die Befahrbarkeit verbessern soll.

Dass Radler auf dem neuen Belag „nicht ganz so einfach“ vorwärts kommen wie bisher, sei Hessen Forst bewusst. „Man hat natürlich keine glatte Fläche mehr, aber befahrbar ist die dennoch und aus unserer Sicht hat das nur Vorteile – wir brauchen keine dicke Teerschicht mehr, die man immer wieder flicken muss“, erklärt Christian Korff, Revierförster von Bauerbach.

Denn einerseits führe eine Asphaltdecke zu einer Oberflächenversiegelung, andererseits seien Reparaturen deutlich aufwendiger. Auf geschotterten Wegen könne Regenwasser hingegen versickern und diene gleichzeitig als Bindemittel. „Für uns ist das einfacher und ökologischer, Schäden können leicht behoben werden und schwere Waldmaschinen können ebenso gut darauf fahren“, sagt Wegener.

„Es wird wohl ein 
siebenstelliger Betrag“

An mancher Stelle sei der alte Asphalt außerdem mit Bitumen belastet, das als Bindemittel genutzt wird, dabei schädlich für den Boden sein kann. Dieser wurde zum Großteil bereits entfernt und gesondert entsorgt. Nicht-belasteter Asphalt wird zermahlen, quasi recycelt und in den neuen Belag eingearbeitet.

Die Linke sieht dabei einen zu starken Einschnitt in die Mobilität und fordert „den Erhalt und die Renovierung des bestehenden Weges“. Auch als Alternative zu der Planung, auf der Panoramastraße mehr Platz für Radverkehr zu schaffen.

Laut Plan vom ZMW sollen die anstehenden Kanalarbeiten etwa in zwei Monaten beginnen und bis Ende des Jahres dauern. Noch läuft das Ausschreibungsverfahren. Dann wäre die Waldtalstraße etwa von August bis November gesperrt. Umleitungen sollen rechtzeitig eingerichtet werden.

Den ersten, fast fertigen Streckenabschnitt will Hessen Forst aus eigener Tasche zahlen. Kostenpunkt: rund 65 000 Euro. Deutlich teurer wird der benachbarte Streckenabschnitt samt Verlegung der neuen Wasserleitung.

Bei der Kostenschätzung ist der ZMW vorsichtig, „es wird wohl ein siebenstelliger Betrag – wir hoffen, dass wir die zwei dabei nicht überschreiten“, sagt Schmidt. Die Finanzierung übernimmt der Verband.

Der plant bereits einen weiteren Bauabschnitt, der sich an den aus diesem Jahr anschließen soll, und insgesamt vier Kilometer Leitungsnetz umfassen wird. Wann die Bauarbeiten beginnen steht noch nicht fest.

von Ina Tannert