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Marburg Arbeit? – „Die wird mir bestimmt guttun“
Marburg Arbeit? – „Die wird mir bestimmt guttun“
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11:58 31.10.2020
Landrätin Kirsten Fründt fühlt sich wieder fit genug, um ihre Arbeit wenigstens stundenweise wieder aufnehmen zu können. Derzeit fährt sie auch viel Fahrrad. Auch zum Interview-Termin kam sie mit dem Rad. Quelle: Götz Schaub
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Marburg

OP: Frau Fründt, auch wenn Sie diese Frage wahrscheinlich schon tausendmal in Ihrem privaten Umfeld gehört haben in den vergangenen Tagen, möchten natürlich auch wir erst einmal wissen, wie es Ihnen nach der Behandlung Ihrer Erkrankung nun geht?

Kirsten Fründt: Ich kann sagen, dass ich mich gut fühle. Auch körperlich, obwohl die Nachbehandlung noch nicht abgeschlossen ist. Was mich unheimlich gestärkt hat in der für mich schwierigen Zeit war meine Familie, aber auch die große Anteilnahme aus dem Freundes- und Bekanntenkreis, wie auch aus der Bevölkerung. Die vielen von Herzen kommenden Worte, ob über die sozialen Medien, per Brief, Karte oder persönlich an mich herangetragen, haben mich schon, ich sage mal, positiv mitgenommen.

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OP: So wie es sich darstellt, traf es Sie ja auch völlig unvorbereitet.

Fründt: Das ist richtig. Ein Tumor dieser Art ist nach Aussage der Ärzte immer ein Zufallsbefund. Wir sind in den Urlaub in die Schweiz gefahren zu meiner Tochter. Mir ging es gut, ich hatte bis dahin keinerlei Einschränkung wie man meinen könnte, also keinen motorischen Ausfall oder so etwas wie plötzliches Doppeltsehen. Aber als wir am Zielort waren, der immerhin auf 2 000 Meter liegt, hatte ich Kopfschmerzen bekommen. Als sich dann meine Tochter Sorgen machte wegen ­möglicher Symptome für einen Schlaganfall sind wir dann in die Klinik, wo der ­Tumor im Kopf festgestellt wurde.

OP: Sie gingen damit ja sehr offen um, informierten schnell die Öffentlichkeit, doch es muss doch auch ein Schock gewesen sein?

Fründt: Sicher. Wer rechnet denn mit so etwas? In meiner Familie gibt es niemanden, der mit Krebs zu tun gehabt hat. Ich wurde ja von Inter­laken in eine Spezialklinik nach Bern gebracht, wo dann alle Untersuchungen erfolgten. Dort riet man mir zur schnellstmöglichen Operation. Wir haben nur kurz darüber gesprochen, ich fühlte mich dort sehr gut betreut und entschied mich dann, es gleich dort machen zu lassen und für die Nachbehandlung dann wieder nach Marburg zu ­kommen, wo wir ja auch bestens für solche Fälle ausgerüstet sind mit guten Ärzten und dem Strahlentherapiezentrum.

OP: Sie sagten eben, dass Ihre Behandlung noch nicht ganz abgeschlossen ist.

Fründt: Richtig. Die Bestrahlung ist vorbei, die Chemotherapie noch nicht ganz.

OP: Das heißt, die Arbeit muss noch ein bisschen warten?

Fründt: Nein, ich habe vor, ab diesem Montag wieder ins Kreishaus zu gehen. Meine Ärzte sagen, ich solle das ­machen, was mir gut tut. Und das wird mir bestimmt guttun. Zunächst einmal täglich nur für ein paar Stunden. Ich ­mache es davon abhängig, wie ich das körperlich verkrafte. Stand jetzt fühle ich mich dazu bereit und ich will es auch.

OP: Das klingt ein bisschen danach, dass es Ihnen zu Hause zu langweilig wird?

Fründt: Nun, ich habe ja viel Zeit gehabt. Als es körperlich wieder besser ging, bin ich mit meinem Mann viel Spazieren gegangen, in Marburg, aber auch in der Region. Das tat gut. Ich habe dann auch mal was im Garten gemacht. Eine Sache, die mir nach wie vor viel Spaß macht, aber zu der ich sonst zu selten komme. Ich bin auch Fahrrad gefahren.

OP: Das klingt schön, aber auch schon fast so wie ein Leben nach der Pension.

Fründt: Ja, genau das habe ich zuletzt auch mal gedacht, dass das dann wohl so sein wird. Ich habe es gebraucht und habe es genossen, sehr gerne jetzt im Herbst, das ist meine Lieblingsjahreszeit. Ich glaube aber auch, wenn es dann wirklich mal so weit ist, muss man die Tage gut strukturieren und sich immer was vornehmen.

OP: Aber jetzt sind Sie froh, ihre Arbeit wieder aufnehmen zu können? Wie darf man sich das vorstellen? Es ist wohl davon auszugehen, dass Sie sich auch mal über die Fortgänge im Kreishaus haben unterrichten lassen?

Fründt: Natürlich habe ich das. Ich weiß zwar noch nicht genau, wie es werden wird, was ich mir zumuten kann, aber ich glaube auch, dass es mir guttun wird, wieder in meinem Job zu arbeiten.

OP: Am 13. November ist schon der nächste Kreistag. Etwa mit Ihnen?

Fründt: Ich würde schon sehr gerne, aber auch das muss ich offenlassen und danach entscheiden, wie es mir geht. Ich muss zugeben, dass es mir schwerfiel, am Kreistag im September nicht teilzunehmen.

OP: Haben Sie sich Sorgen gemacht, dass Arbeit liegenbleibt?

Fründt: Nein, das nicht. Die Verwaltung ist gut aufgestellt und kann auch eine gute Weile ohne mich arbeiten, allerdings dann auch mehr. Ich freue mich einfach nur, wieder anfangen zu können.

OP: Wobei Sie ja in Sachen Kommunalwahl schon aktiv waren und sich an die Spitze der SPD-Liste zum Kreistag haben setzen lassen. Wollen Sie in dieser Position auch Wahlkampf machen?

Fründt: Ich bringe mich ein, wie es möglich ist. Wir wollen einen engagierten Wahlkampf führen und unser Ergebnis im Kreis mindes- tens halten, eher noch verbessern.

OP: Das klingt selbstbewusst.

Fründt: Das kann die SPD hier im Landkreis auch sein, denn sie hat gut in der Koalition gearbeitet und viele Dinge, die versprochen wurden, auch umgesetzt. Das macht die Politik auf kommunaler Ebene ja so spannend, dass man gleich sehen kann, was umgesetzt wurde und wie die Auswirkungen sind.

OP: Und darf Oberbürgermeister Thomas Spies auch auf Ihre Unterstützung im parallel zur Kommunalwahl laufenden Marburger OB-Wahlkampf hoffen?

Fründt: Selbstverständlich ist Thomas Spies meine erste ­Option als Oberbürgermeister von Marburg und dem­entsprechend unterstütze ich ihn.

OP: Nun ja, wenn Sie an die Arbeit zurückkehren, wird es doch thematisch bestimmt ganz schnell unschön, was die Finanzen aufgrund der Corona-Pandemie angeht, oder?

Fründt: Wir sind natürlich schon seit August dran, den Haushalt für 2021 vorzubereiten. Aber anders als die Kommunen, die durch Corona sofort finanziell belastet wurden, weil ihnen sicher geglaubte Einnahmen etwa bei der Gewerbesteuer wegbrachen, spüren wir die Auswirkungen erst mit den Haushalten 2022 und 2023.

OP: Wenn man das schon jetzt weiß, wird der Haushalt 2021 sicher darauf ausgerichtet sein?

Fründt: Ja, wir werden vorausschauend planen müssen, wir werden nicht blauäugig sein. Wir müssen auch alles daran setzen, so zu haushalten, dass unsere Kommunen nicht noch zusätzlich belastet werden.

OP: Da kommt doch schon die Stimme der Landrätin durch.

Fründt: Ja, schon, aber ich weiß um meine Situation. Gerade am Anfang werde ich das Arbeitspensum flexibel gestalten und auch auf viele direkte Kontakte wegen Corona verzichten. Dafür gibt es auch Telefon- und Video-Konferenzen.

OP: Der Landkreis bekommt also seine Landrätin zurück. Unverändert?

Fründt: Er bekommt sie ganz sicher zurück. Unverändert? Ich glaube nicht. Es wird sicher nach den gemachten Erlebnissen im Sommer etwas anders sein, aber meine Ziele bleiben dieselben.

Von Götz Schaub