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Marburg Pingeliger Aras hat viele Ideen
Marburg Pingeliger Aras hat viele Ideen
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11:57 16.06.2020
Aras Cheikho kümmert sich um die Erdbeeren in Dagobertshausen. Quelle: Thorsten Richter
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Dagobertshausen

Aras Cheikho hat immer ein Lächeln auf den Lippen, wenn er durch die Erdbeer-Reihen vom Hofgut Dagobertshausen geht. Denn dass die roten Früchte in diesem Jahr so prächtig wachsen und gedeihen, ist vor allem sein Verdienst.

Der studierte Agraringenieur schaut jeden Tag nach den Pflanzen, kontrolliert die Bewässerung und ob die Mineralien in ausreichender Menge vorhanden sind. Noch vor ein paar Monaten war das für ihn völliges Neuland, denn in Syrien sind Erdbeeren die Früchte der Reichen und nicht für jedermann zugänglich.

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Sie wachsen dort auch nicht in Hochbeeten, so wie in diesem Jahr erstmals in Dagobertshausen. Acht Reihen à 130 Meter in zwei Folienzelten versorgt Aras Cheikho, neben den Erdbeerfeldern für die Selbstpflücker. „Dabei ist er sehr pingelig“, hat Hofgut-Landwirt Helmfried Eden wohlwollend festgestellt.

„Er hat ein unheimliches Interesse an der Landwirtschaft sowie am Obst- und Gemüseanbau. Davon gibt es nicht viele“, weiß Helmfried Eden. „Aras ist sehr verantwortungsbewusst, beliest sich und macht einfach“, lobt der Chef seinen Angestellten. Denn seit März gehört der Syrer fest zur Hofgut-Besatzung.

„Das war alles ein guter Zufall“

Dem war ein einmonatiges Praktikum im Herbst 2018 vorausgegangen, bei dem der Arbeitseifer und die Zuverlässigkeit nicht unbemerkt blieben. Vier Stunden Fahrt nahm Aras Cheikho jeden Tag für den Hin- und den Heimweg in Kauf, um in Dagobertshausen zu arbeiten und zu lernen. „Schon damals war er unheimlich engagiert“, erinnert sich Helmfried Eden.

Nach dem Praktikum verbesserte der Geflüchtete seine Sprachkenntnisse sowohl in Kursen als auch im Selbststudium. Außerdem besuchte er diverse Fortbildungen und machte seinen Führerschein. Im Hintergrund bereiteten seine Betreuerin und das Hofgut seine Einstellung vor. „Das war alles ein guter Zufall“, sagt Aras Cheikho lachend, der seinen Helfern sehr dankbar ist.

„Es ist eine Leidenschaft“

„Herr Eden ist ein besonderer Mensch für mich und ich freue mich, dass ich ihn von mir überzeugen konnte“, fügt er noch hinzu. Der Gemüseanbau liegt ihm am Herzen. „Es ist eine Leidenschaft und irgendwie so, als wenn man ein Haustier hat. Es liegt mir alles sehr am Herzen“, beschreibt er seine Arbeit mit den Erdbeeren und den Himbeeren. Unter seinen Kollegen heißt er nur noch der „Tunnelmann“. Denn die meiste Zeit des Tages ist der 30-Jährige unter Folie unterwegs.

Die kleinsten Stellen an den Erd- und Himbeeren fallen ihm auf und er reagiert dann sofort. „Er hat ein Auge dafür und sich richtig in das Thema vertieft“, freut sich Helmfried Eden über seinen neuen Kollegen und ergänzt lachend: „Wir hatten noch nie so große Himbeeren. Deswegen, ich kümmere mich da gar nicht mehr drum. Das kann Aras viel besser.“

Lächeln lässt Heimweh kurz vergessen

Und in dem schlummern noch viele Ideen. Gerade probiert er, ob Feigen im Tunnel wachsen und reifen. Auberginen und Paprika sind ebenfalls schon angebaut. „Wir wollen versuchen diese auch zum selbst pflücken anzubieten. Aber das ist noch reine Zukunftsmusik“, betont der Hofgut-Chef.

„Diese Arbeit hier wird mein Leben verändern“, sagt Aras Cheikho, der vielleicht „später mal“ zurück nach Syrien gehen will. „Aber jetzt bleibe ich hier. Ich fühle mich wohl in dieser familiären Atmosphäre.“ Denn er ist auch von den Dagobertshäusern mit offenen Armen empfangen worden und erinnert sich an folgende Begegnung.

Ein Pärchen aus der Hofgut-Nachbarschaft hätte ihn wohl immer mal wieder bei seiner Arbeit beobachtet und wäre eines Tages zu ihm gekommen mit den Worten: „Sie sind immer so sorgfältig und so freundlich. Fühlen Sie sich gedrückt.“ Und wenn Aras das erzählt, dann fängt er an zu lächeln und vergisst für ein paar Momente sein Heimweh.

Von Katja Peters

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