Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Marburg Riesen-Risse – Riesen-Ärger
Marburg Riesen-Risse – Riesen-Ärger
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
20:39 26.09.2019
Bäderchef Rolf Klinge zeigt die Risse, die sich durch die Dach­balken ziehen.  Quelle: Nadine Weigel
Marburg

Am Donnerstag gab es ­eine weitere Begehung im Aquamar. Mit dabei: Oliver Kutsch, Fachdienstleiter Hochbau bei der Stadt und Architekt. Der hat mittlerweile zumindest ­eine Idee, woher die teils meterlangen Risse in den Dachbalken des Schwimmbads stammen könnten: „In die Balken ­wurden beim Bau seinerzeit Löcher ­geschnitten, um Installationen unterzubringen“, erklärt er im Gespräch mit der OP.

Die Löcher wurden entsprechend verstärkt – 
doch offensichtlich reicht das nicht. Pfusch am Bau also? „Nein, auf keinen Fall. Nach der damals geltenden Norm war das alles in Ordnung“, so Kutsch. Doch sei die Norm mittlerweile verändert, die Anforderung verschärft worden. Heißt: Heute sei dies nicht mehr zulässig.

Doch wie geht es weiter? Die Untersuchung der schadhaften Balken sei noch nicht gänzlich abgeschlossen. Kutsch hofft jedoch, dass die Experten die Freigabe dafür erteilen, die Risse zu flicken – mit einem widerstandsfähigen Kunstharz. „Zusätzlich könnten die Balken von unten nach oben noch mit langen Schrauben durchzogen werden“, so der Hochbau-Chef.

Wie lange es dauern könnte, bis die Arbeiten abgeschlossen sind, ist derzeit ungewiss. Ebenso wie die Baukosten. „Da wir noch nicht genau wissen, wie die Lösung aussieht, können wir die Kosten natürlich noch nicht abschätzen“, so Kutsch. Doch handele es sich mindestens um einen sechsstelligen Betrag.

Geplante Überprüfung

Wie kommt es, dass die Risse nun entdeckt wurden – ist das nur dem Zufall geschuldet? „Nein“, betont Kutsch, „denn die Überprüfung war für dieses Jahr geplant. Und das, obwohl es keine gesetzlichen Vorgaben gibt.“ Dennoch sehe sich die Stadt als Betreiber in der Pflicht; „es gibt zudem einen Plan für die Überprüfung und Begehung von 
Bauwerken“, sagt der Architekt.

Ist das Schwimmbad denn einsturzgefährdet? Bürgermeister Wieland Stötzel (CDU) betont: „Wenn das so wäre, dann würden wir jetzt nicht hier stehen – es gibt keine akute Einsturzgefahr.“

Und wie sieht es aus, wenn im Winter eine hohe Schneelast auf das Dach drückt? Dazu seien derzeit noch keine statischen Berechnungen erfolgt, so Stötzel. „Aber dann hätte der Statiker möglicherweise gesagt, lasst es mal besser“, so der Bürgermeister. Das sei nun auch eine der Anforderungen, betont Architekt Kutsch: „Wir müssen eine Strategie überlegen, ob es notwendig ist, Vorkehrungen für den Schneefall zu treffen.“ Denkbar sei beispielsweise, die Absorberanlage auf dem Dach rückwärts laufen zu lassen – die würde dann das Dach heizen und so dafür sorgen, dass der Schnee schmelze.

Auch Stadträtin und Bäderdezernentin Kirsten Dinnebier (SPD) ist „heilfroh, dass die Schäden während der Schließzeiten aufgefallen sind“. Mit der Öffnung des Bades in Wehrda während der Herbstferien gebe es nun zumindest eine Alternative, „und auch nach den ­Ferien wird es eine Lösung geben“. Und wenn die Sanierung abgeschlossen ist? „Dann feiern wir ein riesiges Fest.“

von Andreas Schmidt