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Marburg Freie Kulturszene unter Druck
Marburg Freie Kulturszene unter Druck
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11:58 31.03.2020
Das Foto der Hörtheatralen-Produktion „Der seltsame Fall des Dr. Jekyll & Mr. Hyde" mit Stefan Gille und Thomas Streibig steht sinnbildlich für viele freie Schauspielerinnen und Schauspieler: Sie stehen im Regen. Quelle: Foto: Thorsten Richter
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Marburg

Die Hörtheatrale folgt damit der Allgemeinverfügung des Landkreises Marburg-Biedenkopf. Dies teilte der Marburger Schauspieler Daniel Sempf mit, der die Hörtheatrale 2009 gegründet hat.

Die Absage der jüngsten Premiere „Frankenstein oder der moderne Prometheus“ und aller anderen Vorstellungen ist in Corona-Zeiten eine Selbstverständlichkeit, um die Verbreitung des Virus einzudämmen. Aber die Folgen der Absagen sind dramatisch – insbesondere für freie Schauspielerinnen und Schauspieler, für Musikerinnen und Musiker. Durch die Absagen von Konzerten, Theateraufführungen oder Lesungen brechen Einnahmen weg. Für viele freie Künstler heißt das oft: auf null. Miete, Nebenkosten, Lebensmittel, Versicherungen oder Kredite müssen jedoch weiter bedient werden. Das Coronavirus ist nicht nur gesundheitlich, sondern für viele Künstler, Ladenbesitzer, Gastwirte und Freiberufler auch ökonomisch existenzbedrohend.

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Daniel Sempf ist im Hauptberuf Ensemblemitglied am Hessischen Landestheater, bekommt dadurch ein festes Gehalt, hat also ein Einkommen. Er weiß aber: Dies gilt nicht für alle Schauspielerinnen und Schauspieler der Hörtheatrale. Die meisten von ihnen arbeiten frei. „Und für alle sind weitere Standbeine weggebrochen wie Workshops oder Theater-AGs an Schulen“, sagt Sempf. Er und sein kleines Hörtheatrale-Team hoffen, „nach dieser für uns alle einschneidenden Zeit, alle wieder frei und gelöst bei uns begrüßen zu können“. Er bittet um Geduld und Verständnis, „dass zum gegenwärtigen Zeitpunkt, bei der rasanten Entwicklung der Corona-Situation, noch keine Nachholtermine bekannt gegeben werden können“.

Grundsätzlich behalten alle Karten, die im Vorverkauf abgesetzt wurden, ihre Gültigkeit, betont Sempf: „Betrachten Sie sie als Gutscheine. Sie können damit bis zum Ende des Jahres eine Vorstellung Ihrer Wahl besuchen. Dazu buchen Sie einfach eine ,Platzreservierung Gutschein’ über unsere Webseite, sobald neue Termin bekannt sind.“

Um den freien Künstlern zu helfen, können Hörtheatralen-Fans ihr Ticket an die Hörtheatrale spenden. „Sie unterstützen so die Wiederaufnahme unseres Spielbetriebs“, meint Sempf, denn der Verlust an Einnahmen ist für die Hörtheatrale und zahlreiche andere Kultureinrichtungen existenziell. Sempf appelliert: „Gleiches gilt übrigens für viele Kunst- und Kulturschaffende: Unterstützen Sie möglichst viele Kunst- und Kulturschaffende, etwa durch eine Spende oder den Kauf eines Kunstwerkes! Sie können zudem die Petition Hilfen für Freiberufler und Künstler während des Corona-Shutdowns unterschreiben.“

Rückgabe bereits

gekaufter Tickets

Unabhängig davon können alle bereits für Veranstaltungen der Hörtheatrale Marburg gekauften Tickets per E-Mail unter Angabe der Auftragsnummer bis 30. April storniert werden.

Die Bearbeitung erfolge chronologisch nach Posteingang. Für eine Rückerstattung notwendig sei die vollständige Bankverbindung.

Es gibt eine Online-Petition „Hilfen für Freiberufler und Künstler während des Corona-Shutdowns“ an Bundesfinanzminister Olaf Scholz, die bis gestern 230000 Menschen unterzeichnet haben.

Von Uwe Badouin

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