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Marburg Angst vor dem Frieren: Kaminöfen werden knapp
Marburg Angst vor dem Frieren: Kaminöfen werden knapp
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13:55 28.07.2022
Ernst Heuser in seiner „Kamin-Ofen-Scheune“ in Cappel. Noch kann er Kaminöfen liefern – doch die Nachfrage hat immens angezogen.
Ernst Heuser in seiner „Kamin-Ofen-Scheune“ in Cappel. Noch kann er Kaminöfen liefern – doch die Nachfrage hat immens angezogen. Quelle: Andreas Schmidt
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Ernst Heuser sitzt über einem Stapel Papier. „So, der kommt in KW 42“, murmelt er, trägt das avisierte Lieferdatum für einen Kaminofen in eine lange Liste ein. „Wir haben jetzt schon das Doppelte an Bestellungen, wie im vergangenen Jahr“, sagt der Inhaber der „Kamin-Ofen-Scheune“ in Cappel im Gespräch mit der OP.

Eine ähnliche Situation habe er, der mittlerweile seit 40 Jahren im Ofen-Geschäft tätig ist, „zuletzt 2006 erlebt. Damals waren im Münsterland Strommasten unter Schneelasten zusammengebrochen – Heizungen liefen nicht, im Fernsehen waren Bilder zu sehen, wo Menschen sich bei ihren Nachbarn um einen Kamin scharten“, sagt Heuser. Danach habe bei ihm das Telefon auch kaum stillgestanden, „die Leute wollten sich für eine solche Situation wappnen“.

„Mit Ausbruch des Krieges ist die Nachfrage explodiert“

Nicht nur die immens gestiegenen Energiekosten durch den Krieg in der Ukraine beflügeln sein Geschäft. „Viele unserer langjährigen Kunden müssen ihre Kaminöfen austauschen, weil sie die Grenzwerte für Feinstaub und Kohlenmonoxid der Bundes-Immissionsschutzverordnung nicht einhalten“, sagt Heuser. Zwar ließen sich Filtersysteme nachrüsten – doch sei bei älteren Öfen häufig der Neukauf die bessere Alternative.

Diese immense Nachfrage erlebt nicht nur Ernst Heuser: Ofenbauer und Installateure können sich vor Aufträgen besorgter Kunden kaum retten, die eine zusätzliche Heizmöglichkeit in Haus oder Wohnung einbauen wollen. „Mit Ausbruch des Krieges ist die Nachfrage explodiert“, sagt ein Sprecher des Zentralverbands Sanitär Heizung Klima (ZVSHK) auf Anfrage.

Auslöser sind nicht nur die sprunghaft gestiegenen Gas- und Heizölpreise – sondern auch die Sorge, dass die Heizung im nächsten Winter kalt bleiben könnte. „Die Menschen sind verunsichert oder gar verängstigt“, heißt es beim Verband. Zumindest einige Kunden werden ihren Ofen aber wohl nicht mehr vor Ende des nächsten Winters bekommen. Die Wartezeit liegt laut ZVSHK zum Teil bei einem Jahr. Bundesweit gibt es etwa 2.000 Ofenbaubetriebe.

Preisaufschläge um bis zu 400 Euro

Ernst Heuser ist noch lieferfähig. „Zum Glück haben wir frühzeitig geordert, sodass nach und nach Öfen kommen“, sagt er. Allerdings hätten sich die Lieferzeiten für derzeitige Bestellungen nicht nur immens verlängert, „sondern auch drastisch verteuert“.

Preisaufschläge um bis zu 400 Euro je Ofen seien ihm bei einem Hersteller schon untergekommen, „der aber nicht zu meinen Hauptlieferanten zählt“. Aber auch andere Hersteller hätten Lieferzeiten verlängert und an saftige Preisaufschläge von etwa 20 Prozent gekoppelt – immer mit dem Hinweis, man könne die Bestellung ja auch stornieren.

Der Grund: Auch Ofenbauer leiden unter Lieferproblemen, was die Abarbeitung der Aufträge zusätzlich verzögert. Das betrifft nicht nur importierte Teile, von denen viele aus China kommen. „Aufgrund der immensen Nachfrage und auch wegen personellen Schwierigkeiten im Zusammenhang mit Covid-19 sind auch Produkte von Lieferproblemen betroffen, die in Deutschland produziert werden“, erklärt der ZVSHK. Als Beispiel nennt der Verband die Schamotte – das ist das feuerfeste Material, mit dem der Feuerraum eines Ofens ausgekleidet wird.

Was rät Ernst Heuser Kunden, die jetzt noch einen Kaminofen suchen? „Nicht mehr lange zu warten – jetzt gilt’s“, sagt er. Denn wer sich erst im Herbst um das Thema kümmere, „dem kann heute keiner zusichern, dass er noch vor dem Winter einen Kaminofen bekommt“.

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Von Andreas Schmidt und unserer Agentur