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Marburg Privatisierungsgegner hoffen auf Hilfe
Marburg Privatisierungsgegner hoffen auf Hilfe
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00:18 19.05.2019
Gegen die Privatisierung des UKGM gab es in Marburg viele Proteste. Quelle: Nadine Weigel
Marburg

Das privatisierungskritische Bündnis „Gemeinsam für unser Klinikum“ hatte in einem offenen Brief an die „liebe Angela Dorn, sehr geehrte Ministerin“ eine öffentliche Veranstaltung vorgeschlagen, möglichst noch vor der Sommerpause, in dem über politische Handlungsperspektiven für das Klinikum diskutiert werden soll.

Die Bündnismitglieder erhoffen sich durch die Berufung von Dorn zur Wissenschaftsministerin, „dass den seit langem vorliegenden gesundheitspolitischen Einsichten nun endlich Taten durch die Landesregierung selbst folgen, die nicht länger den klar formulierten Einsichten diametral entgegenstehen.“

Im Klartext: Das öffentliche Eingeständnis der Landesregierung, dass die Privatisierung des UKGM im Jahr 2006 „ein Fehler“ gewesen sei. Als Grünen-Politikerin hatte Angela Dorn noch im Wahlkampf im Sommer 2018 von der Privatisierung als einen „Riesenfehler“ gesprochen.

Das „Bündnis für unser Klinikum“ beruft sich konkret auf eine Aussage der damaligen hochschulpolitischen Referentin des Allgemeinen Studierendenausschusses Marburg, Maria Hagen.

Lehre fällt als Erstes hinten runter

Die hatte­ 2016 aus Anlass des zehnten Jahrestags der Privatisierung erklärt, die „unverantwortlich hohen Arbeitszeitverdichtungen bei den beschäftigten Ärztinnen und Ärzten“ führten zu Einschnitten in der Lehre: „Lehrende treffen verspätet zu Lehrveranstaltungen ein, weil sie noch Aufgaben in der Krankenversorgung zu erledigen haben, oder sie müssen den Hörsaal früher verlassen“, schilderte die Asta-Referentin den „Alltag“ in der Mediziner-Ausbildung.

Hintergrund: Hochschullehrer und Mitarbeiter des Fachbereichs Medizin sind zugleich Angestellte des Rhön-Konzerns. Und bei den chronisch überlasteten Mitarbeitern falle die Lehre als ­Erstes hinten runter.

Das Bündnis äußert nun die Erwartung, dass Dorn als „temporäres Mitglied“ des Bündnisses den Wissenschaftsrat zur Begutachtung nach Marburg bestelle. Der hatte 2010 die Empfehlung gegeben, die privatisierte Uniklinik nach fünf Jahren erneut zu kontrollieren, da man in erster Linie die Forschung vor der Privatisierung abgeprüft habe.

Die Antwort von Dorn fällt zurückhaltend aus. „Wir messen der Forschung und Lehre in der mittelhessischen Universitätsmedizin eine hohe Bedeutung bei und sind uns der notwendigen Unterstützung des Landes sehr bewusst“, heißt es in einer der OP vorliegenden Stellungnahme von Ministeriumssprecher Volker Schmidt.

Konsolidierungsprozess konsequent fortsetzen

Das Ministerium verweist auf das „Zukunftspapier für die Weiterentwicklung der mittelhessischen Universitätsmedizin“ aus dem Mai 2017. Darin wird unter anderem der Verzicht auf betriebsbedingte Kündigungen oder die Übernahmegarantie für Auszubildende geregelt.

Es bestehe ein „vorrangiges Interesse daran, den inzwischen begonnenen Konsolidierungsprozess an den Standorten Gießen und Marburg konsequent fortzusetzen“, sagt Schmidt weiter.

„Selbstverständlich“ führe das Ministerium mit allen Beteiligten Gespräche darüber, wie das Land die Hochschulmedizin optimal unterstützen könne, „gegebenenfalls auch unter Einbeziehung des Wissenschaftsrates.“

Am Mittwoch, 15. Mai, sprach Angela Dorn mit dem Betriebsrat des UKGM. Sie stehe auch „für weitere ­Gespräche zur Verfügung“, teilte ihr Sprecher mit. Ob es kurzfristig zu einem Treffen mit dem Bündnis kommt, ließ er gegenüber der OP offen.

von Till Conrad