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Marburg Räuber muss fünf Jahre ins Gefängnis
Marburg Räuber muss fünf Jahre ins Gefängnis
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20:00 05.09.2019
Der Angeklagte beging im Jahr 2018 mehrere Überfälle im Kaufpark Wehrda und wurde nun vom Landgericht Marburg verurteilt. Quelle: Thorsten Richter
Marburg

Ein Mann trieb im vergangenen Jahr zwischen dem 17. November und dem 22. Dezember sein Unwesen im Kaufpark Wehrda. Er machte mit vier Überfällen auf sich aufmerksam. Ein Geschäft überfiel er sogar zweimal. Jetzt verurteilte die 1. Strafkammer des Landgerichts Marburg unter dem Vorsitz von Dr. Marco Herzog den geständigen Beschuldigten zu einer fünfjährigen Haft sowie Unterbringung in einer Entzugsklinik.

Dr. Herzog machte dem in der Justizvollzugsanstalt Dieburg untergebrachten Angeklagten gleich zu Beginn der Verhandlung klar, dass ihm eine geständige Einlassung bei der Strafzumessung zum Vorteil gereichen werde. Gesagt, getan. Der 24-Jährige machte vollumfängliche Angaben zu den vier Überfällen, von denen einer später als bewaffneter Diebstahl eingestuft wurde – zumindest so weit es noch in seinem Gedächtnis schien.

Laut eigener Aussage hatte der in Hamburg geborene und in Celle aufgewachsene Mann einen hohen Alkoholkonsum. „Meistens war es eine Flasche Wodka oder Whiskey und 15 Flaschen Bier. Ich war damals stark alkoholabhängig“, berichtete der Beschuldigte, der bereits mehrmals in Entzugskliniken untergebracht war – in Berlin sowie in Hessen.

Sein Motiv: „Ich hatte damals Drogenschulden, die ich schnell begleichen musste. Weil ich nicht zahlen konnte, wurden die Zinsen auch immer mehr.“ Zur Zeit der Taten war er obdachlos, schlief meist in einer Anlaufstelle für Wohnsitzlose in Marburg.

Angeklagter "bewaffnete" sich mit einer schwarzen Spielzeugpistole

Die Vorgehensweise war dreimal fast deckungsgleich: Der Beschuldigte spazierte unaufgeregt in ein Geschäft im Kaufpark Wehrda, ging zur Kasse, forderte die Angestellte auf, die Lade zu öffnen und entnahm den Inhalt. Einige Tage vor der kriminellen Serie hatte er eine schwarze Spielzeugpistole geklaut und „bewaffnete“ sich bei drei seiner Taten mit ihr.

„Damit die Verkäuferinnen verstehen, dass es ernst ist“, erklärte der 24-Jährige die „Knarre“, mit der er jedoch nie auf ­einen Menschen zielte. Er zeigte sie den Verkäuferinnen stets nur kurz. Von Alkohol wollten die als Zeugen geladenen Verkäuferinnen allerdings kaum etwas bemerkt haben. „Er ging recht schnell aus dem Geschäft heraus, ist aber nicht gelaufen“, sagte eine der beiden Zeuginnen – kein Torkeln, Stolpern oder Hinfallen.

Klar war hingegen, dass die Zeugen keine physischen, aber psychischen Narben davontrugen, die jedoch mittlerweile verheilt sind. Mehrere Frauen berichteten von „Unwohlsein im Dunkeln“ und „Angst am Arbeitsplatz“. Man habe ja nicht gewusst, ob der Täter noch einmal zuschlagen werde, meinte eine Frau.

Während Verteidiger Carsten Dalkowski eine Freiheitsstrafe­ von vier Jahren und sieben ­Monaten beantragte, plädierte Staatsanwalt Timo Ide für eine­ Gesamtstrafe von sechs Jahren – die acht Monate in Untersuchungshaft angerechnet. Mit fünf Jahren folgte die Kammer im Grunde der Argumentation der Verteidigung.

von Benjamin Kaiser