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Marburg Angeklagte bezichtigen sich gegenseitig
Marburg Angeklagte bezichtigen sich gegenseitig
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20:00 30.07.2019
Symbolbild: Die Angeklagten sollen versucht haben, Marihuana für den ­Eigengebrauch zu erbeuten. Quelle: Thorsten Richter
Marburg

Wer hatte die Idee für den Raubüberfall auf den vermeintlichen Drogendealer? Wo kamen die Messer her, die bei der Straftat eingesetzt wurden? Das waren nur zwei Fragen, welche die Kammer unter dem Vorsitz von Dr. Jan Christof Otto zu klären hat. Und die Versionen der Beschuldigten wichen mitunter stark voneinander ab.

Angeklagt sind drei Männer im Alter von 21, 22 und 27 Jahren sowie eine 19-jährige Frau, die mit dem 27-Jährigen liiert ist. Laut Anklage­schrift soll sich das Quartett in den Abendstunden des 12. Dezember 2018 im Stadtteil Richtsberg getroffen haben, um die Einzelheiten der Tat durchzugehen. Das Pärchen schwieg zu den Vorwürfen. Beide machten keine Einlassung, ließen aber durch ihre Rechtsanwälte Thomas Strecker und Peter Thiel erklären, dass sie an dem Tatgeschehen beteiligt gewesen sind.

Duo beschuldigt Pärchen

Der 22-Jährige sowie der 21-Jährige – beide in Untersuchungshaft und beide wegen weiterer Delikte angeklagt – räumten die Tat ein und gaben an, dass die Idee zu dem Raubüberfall von dem Pärchen kam. Ein Anruf und ein ­wenig Überzeugungsarbeit seitens des 27-Jährigen habe genügt, um den 21-Jährigen zu überzeugen, der daraufhin seinen 22-jährigen Kumpel anrief, um bei der Tat Unterstützung zu haben. Während der Einlassung des Duos schüttelte das Pärchen immer wieder ungläubig und empört den Kopf.

Die 19-Jährige kannte den ­angeblichen Drogendealer. Das Quartett hoffte, bei dem 20-Jährigen nicht nur Wertgegenstände, sondern auch Marihuana für den eigenen Konsum oder den Weiterverkauf zu erbeuten.

Opfer erkannte den Täter

Der Plan wurde laut Anklageschrift in die Tat umgesetzt: Die junge Frau besuchte den 20-Jährigen in dessen Wohnung, um eine kleine Menge Marihuana zu kaufen. Als sie die Wohnung verließ, stand das Räuberduo bereits vor der Wohnungstür in den Startlöchern. Bereit loszuschlagen, sobald ihre Komplizin die Wohnung verließ. Der 27-Jährige betrat die Wohnung überhaupt nicht.

Pech für das Quartett, dass der Geschädigte einen der Täter erkannte. „Er hatte sich etwas vors Gesicht gezogen, aber ich habe ihn trotzdem erkannt. Man hat sich in der Stadt, also an den Lahntreppen, häufiger mal gesehen“, berichtete der 20-jährige Mann. Er ­habe den 22-Jährigen gefragt, warum er ihn überfalle. „Er hat gesagt, das sei sein Job“, berichtete der 20-Jährige.

Mit Messern bewaffnet

Ob er in seiner Wohnung Drogen zum Verkauf gehortet habe, bestätigte der 20-jährige Arbeitslose nicht. Er machte von seinem Aussageverweigerungsrecht Gebrauch. Das Duo habe einen Fernseher, eine Spielekonsole sowie ­eine nicht geringe Menge an Marihuana erbeutet. Das Raubgut stellte die Polizei noch am gleichen Tag sicher.

Das Duo beging die Tat jedoch nicht ohne Hilfsmittel. Die beiden Männer waren mit Messern bewaffnet. Der 22-Jährige soll dem 20-Jährigen die Stichwaffe sogar an den Hals gehalten und ihm leichte Verletzungen zugefügt haben. Der Angeklagte stritt dies vehement ab, wohingegen der Geschädigte diesen Anklagepunkt bestätigte.

Unklar war auch, woher die Messer kamen. Der 22-Jährige behauptete, dass der 27-Jährige, den er als Drahtzieher der ganzen Sache hinstellte, die Messer zur Verfügung gestellt habe.

von Benjamin Kaiser