Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Marburg Sie will mit Manager-Geist das Rathaus erobern
Marburg Sie will mit Manager-Geist das Rathaus erobern
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
19:11 27.10.2020
Wird nun alles „Supi“? Andrea Suntheim-Pichler (Mitte) tritt als Oberbürgermeister-Kandidatin an. Die „Bürger für Marburg" mit Frederic Schwindack, Gabriele Mensing und Roland Frese unterstützen sie dabei ebenso wie ihr Mann Boris Pichler (rechts) Quelle: Björn Wisker
Anzeige
Marburg

Der Kandidatenkreis für das Oberbürgermeister-Amt wird größer: Die „Bürger für Marburg“ werden Andrea Suntheim-Pichler bei der Kommunal- und OB-Wahl im kommenden März ins Rennen schicken. Sie wolle „mehr Gestaltung statt Verwaltung“ ins Rathaus bringen, sagt die 54-Jährige zur OP.

Einige konkrete Ideen: Die Lahnberge sollen über Wohnungsbau zu einem echten Stadtteil werden, kein reiner Lehr- und Forschungsstandort bleiben. „Wir finden dort ein bereits verkehrstechnisch und infrastrukturell – Wasser, Elektro, Gas – erschlossenes Gebiet vor. So vermeiden wir das Pendeln Tausender Mitarbeiter und Studenten und erschaffen eine Stadt der kurzen Wege.“

Anzeige

Im Südviertel soll die Frankfurter Straße umgestaltet werden – nicht nur die Fahrbahn, sondern auch die Randbereiche, um eine „Wohlfühl-Allee“ zu schaffen. Dem Südviertel wolle sie so das „Juwel aus der Gründerzeit, die Prachtstraße“ zurückgeben. Insgesamt müsse es in dem Gebiet „neuen Glanz“, etwa durch mehr Grünflächen und Platz für den Wochenmarkt, neue Bürgersteige und eine größere Tiefgarage am ehemaligen Kasernen-Gelände geben.

Wahlkampf mit stärkerem Wirtschaftsfokus

Lärm- und Müllprobleme wie etwa in Weidenhausen oder der Oberstadt will sie mit einem „deutlichen Ausbau der Stadtpolizei“ begegnen. Ebenso solle es einen strengeren städtischen Kurs bei Schmierereien – wie etwa rund um den Oberstadtaufzug – geben.

Für sie bei Klima- und Verkehrsfragen entscheidend: Die Herstellung von grünem Wasserstoff. Und den gelte es, über die Stadtwerke herzustellen, zu vertreiben. Seit einem Jahr sei Marburg-Biedenkopf „nur auf dem Papier Wasserstoffregion. Es muss Tempo rein, wir müssen so schnell es geht an die Produktion kommen“, sagt sie. Ein Ausbau des Bussystems und ein „unattraktiver machen des Individualverkehrs“ schwebt ihr ebenfalls vor. Entscheidungen wie die für die Uferstraßen-Radzone hält sie angesichts der vorhandenen Parallelwege indes für „totalen Unsinn“ – wie so manches, was etwa im Radverkehrs-Entwicklungsplan steht.

Die Unternehmerin will in den Wahlkampf mit einem stärkeren Wirtschaftsfokus gehen, den Stellenwert der Firmen – als Gewerbesteuerzahler, die Infrastruktur wie Gratis-Kinderbetreuung erst ermöglichen – betonen und zugleich mehr Betriebe nach Marburg locken, den vorhandenen zumindest Expansionsmöglichkeiten anbieten. So seien die zuletzt vom Magistrat vorangetriebenen Interkommunalen Gewerbeparks das Werk der BfM.

BfM wollen auch im Stadtparlament zulegen

Die 54-Jährige macht sich für ihre Kandidatur eine Leitlinie von Ex-OB Egon Vaupel zu eigen: „Die Stadt muss man wie einen Konzern führen. Doch um das zu können, sollte man wissen, wie man ein Unternehmen führt.“ Sie verweist auf ihre Managementtätigkeiten bei der Firma Kaphingst etwa in Wehrda.

Auch im Parlament will die Wählergemeinschaft – trotz wahrscheinlicher Zersplitterung der Stadtverordnetenversammlung durch mehr Parteienlisten – zulegen. Ziel: von drei auf mindestens fünf Sitze springen. „Wir haben uns als guter, erfolgreicher Partner bewiesen und müssen uns nicht verstecken. Wir haben gute Ideen und keine Partei-Ideologie als Schranke“, sagt Frédéric Schwindack, ehrenamtliches Magistratsmitglied speziell im Hinblick auf die wohl bevorstehende Konkurrenz zu einer neuen Freien Wählerliste.

Zweite Frau im Starterfeld

Die BfM-Politiker Roland Frese und Gabriele Mensing sehen in Suntheim-Pichler „die Möglichkeit, die Stadt mit einem neuen Geist zu managen“. Suntheim-Pichler, als BfM-Spitzenfrau im Parlament, seit dem Jahr 2016 Teil der ZIMT-Regierung mit SPD und CDU, ist damit die dritte Person aus dem Regierungslager, die nach März 2021 an die Verwaltungsspitze will. SPD-Amtsinhaber Dr. Thomas Spies und CDU-Parteichef Dirk Bamberger sind bereits oder werden in den nächsten Tagen nominiert.

Neben Nadine Bernshausen (Grüne), der durchaus Chancen zumindest auf eine immer wahrscheinlich werdendere Stichwahl eingeräumt werden, ist Suntheim-Pichler die zweite Kommunalpolitikerin im Feld. Sollten die Linken, wie nach OP-Informationen geplant, ihre Fraktionschefin Renate Bastian nominieren, gebe es mitunter mehr sich um das Amt bewerbende Frauen als Männer.

Von Björn Wisker