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Marburg Neubau soll Ende 2021 bezugsfertig sein
Marburg Neubau soll Ende 2021 bezugsfertig sein
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00:18 29.03.2019
So sieht eine erste Visualisierung des mit der Planung beauftragten Büros für den Anatomie-Neubau auf den Lahnbergen aus. Derzeit ist das Anatomische Institut der Uni noch in einem denkmalgeschützten Bau in der Robert-Koch-Straße untergebracht.  Quelle: Grafik: pbr AG
Marburg

Den Stand der Planungen für den Anatomie-Bau auf den Lahnbergen stellte der Leiter des Uni-Dezernats Gebäudemanagement und Technik, Dr. Eckhard Diehl, bei der gemeinsamen Info-Veranstaltung von Uni und Stadt vor.

Derzeit ist das Institut für Anatomie und Zellbiologie in einem im Jahr 1902 fertiggestellten historischen Gebäude in der Robert-Koch-Straße untergebracht.

„Es ist ein Kulturdenkmal erster Güte. Aber moderne Medizin kann dort nicht mehr betrieben werden“, sagte Diehl. Da es baulich also nicht möglich ist, die notwendige Technik in den denkmalgeschützten Bau zu integrieren, ist die Entscheidung für ein neues Lehrgebäude gefallen und somit für den Umzug vom Lahntal auf die Lahnberge (die OP berichtete).

Der Altbau der Anatomie in der Innenstadt soll nach dem Umzug des Instituts für die geistes- und gesellschaftswissenschaftlichen Fächer umgebaut werden, sobald dafür die Mittel des Landes Hessen bereitstehen.

Rund 4 000 Quadratmeter ­Fläche werden den Studierenden in dem neuen Gebäude­ nach der Fertigstellung zur ­Verfügung stehen. Der Bau, der von der Philipps-Universität im ­Rahmen der Teilbauautonomie errichtet wird, entsteht gegenüber dem 2014 fertiggestellten Modulbau des Zentrums ­Synmikro (ZSM 1).

Dieser soll nach Fertigstellung des Synmikro-Neubaus (ZSM 2) ­Ende dieses Jahres für die ­Arbeitsgruppen der Anatomie und Zellbiologie umgebaut werden. Die Kosten für den Neubau liegen nach dem derzeitigen Planungsstand voraussichtlich bei 17 Millionen Euro, teilte Diehl mit. Finanziert wird das Projekt ausnahmsweise im Vorgriff auf die Finanzmittel aus dem „Heureka II“-Programm der Landesregierung, das eigentlich für die Laufzeit zwischen 2021 und 2026 gültig ist.

Beauftragt mit den Planungen für das Projekt wurde die Planungsfirma pbr AG aus Frankfurt. In einer ersten Studie, die im Rahmen des Vergabeverfahrens von den Architekten der pbr AG erstellt wurde, fügt sich das neue Institutsgebäude in die Baustruktur der südlichen Campuserweiterung ein.

Dabei soll auf die Topographie Rücksicht genommen werden und mit der Außenraumgestaltung eine hohe Aufenthaltsqualität geschaffen werden. Der Neubau soll eine eher technische Anmutung erhalten und sich Richtung Campusplatz öffnen.

Neben Räumen zur Konservierung und Vorbereitung der Körperspenden (Prosektur) wird der Neubau auch zwei Präparier­säle, einen Histologiesaal, Seminarräume sowie eine Anlieferung und Räumlichkeiten für die Haustechnik beherbergen.

Das Vorhaben des Neubaus für die Anatomie auf den Lahnbergen war im Herbst 2017 von der hessischen Landesregierung ­gestattet worden. „Wir können als Universität selbst bauen“, freute sich damals Uni-Kanzler Dr. Friedhelm Nonne im Uni-Senat. Wichtigster Grund für die vergleichsweise schnelle Umsetzung des Anatomie-Neubaus ist die Tatsache, dass in dem historischen Anatomie-Bau im Lahntal die Anatomie-Praktika nicht mehr länger durchgeführt werden können.

Zur Begrenzung der bundesweit für alle Anatomie-Institute neu geregelten neuen Formaldehyd-Grenzwerte müssten eigentlich auch im Marburger Institut eine neue Lüftungstechnik und neue Absaugtische eingebaut werden.

Da dieses aber auch aus Gründen der Statik in dem Altbau nicht möglich ist, soll jetzt der Neubau kommen. Die Leichen, anhand deren­ ­Sezierung die Medizinstudierenden das Präparieren lernen, werden in der Regel mit dem schädlichen Stoff Formaldehyd konserviert.

Anfang 2016 wurden die Richtwerte für die Konzentration an Formaldehyd in der Raumluft von Anatomie-Präparier-Sälen­ aufgrund einer EU-Verordnung bundesweit verschärft. Formaldehyd wird demnach als krebserregend eingestuft. Zudem wird wohl noch intensiver gelüftet.

von Manfred Hitzeroth