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Marburg Der Wohnungsmarkt ist angespannt
Marburg Der Wohnungsmarkt ist angespannt
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14:00 09.10.2019
Richtsberg, Cappel, Wehrda, Ockershausen und mehr: 3000 Wohnungen sind in den vergangenen Jahren in der Stadt entstanden. Quelle: Tobias Hirsch
Marburg

Während das ­Immobilienportal Immowelt.de bei Studentenbuden von einem seit nun drei Jahren stabilen Durchschnitts-Mietpreis von 320 Euro ausgeht, sind laut der jüngsten Analyse des Moses-Mendelssohn-Instituts (MMI) die WG-Mieten in der Universitätsstadt im vergangenen Jahr sogar gesunken: Von 335 Euro auf derzeit 327 Euro, was monatlich 60 Euro weniger sind als der deutsche Durchschnittspreis.

Das MMI hat über die vergangenen Jahre auch einen Anspannungs-Index des studentischen Wohnungsmarktes ermittelt. Diesem Wert zufolge zählt das mittelhessische Oberzentrum Marburg zwar zu den 25 umkämpftesten Hochschulstädten und weist einen Wert von 47,5 auf. Der bundesweite Durchschnitt liegt bei 37,6 von 100 Punkten. Aber: Der Marburger Wert ist im Vergleich zu den beiden Vorjahren, genau wie die ermittelten Miet-Mittelwerte, um nur einen Punkt gestiegen.

Anspannungs-Index

Für die Anspannungs-Rangfolge wurden in allen Städten 23 Faktoren untersucht. Neben Mietpreisen gehören die Entwicklung der Studenten- und Erstsemester-Zahlen, die Altersstruktur der Bewohner, die Quote von Sozialwohnungen, das sonstige Immobilienangebot sowie die Attraktivität von Universität und Stadt für in- beziehungsweise ausländische Studenten. Untersucht wurden 98 Unistädte mit mehr als 5.000 Studenten.

Im lange recht deutlich hinter der Universitätsstadt rangierenden Gießen steigen hingegen sowohl die Mieten für ­Studentenwohnungen (zwischen 2018 und dem laufenden Jahr von 303 auf 340 Euro) als auch die Markt-Anspannung insgesamt so schnell (um drei Punkte) wie an kaum einem anderen deutschen Hochschulstandort.

Binnen fünf Jahren wurden 3000 Apartments gebaut

Auf Mittelhessen und die dort erreichten Werte bezogen heißt es vom MMI: „Die Situation auf dem Wohnungsmarkt für Studenten muss aufgrund einiger riskanter Faktoren genau im Auge behalten werden. Kurzfristig mögliche Entwicklungen können dafür sorgen, dass der ­Anspannungsfaktor schnell in den kritischen Bereich steigt.“

Unterdessen hat der Magistrat Zahlen zur Bautätigkeit vorgelegt. Demnach sind seit der städtischen Bedarfsanalyse im Jahr 2014 bisher 3.008 neue Wohnungen gebaut worden – fast doppelt so viele, wie die Berechnung bis zum Jahr 2020 als nötig ansah. Im Privatsektor sind laut Stadt 1.300 Wohnungen im Bau und mehr als 400 weitere in Vorbereitung.

Statt der 450 benötigten seien aktuell 466 Sozialwohnungen errichtet und 100 weitere öffentlich geförderte Apartments in Planung.

Allerdings: Die städtische Gewobau hat seit dem Jahr 2016 noch keine Sozialwohnung fertiggestellt, wie jetzt die Grünen kritisieren. Oberbürgermeister Dr. Thomas Spies (SPD) räumt das ein, verweist aber auf laufende Bauarbeiten in der Graf-von-Stauffenberg-Straße und Magdeburger Straße. Das Stadtwald-Wohnhaus soll im März, das Wehrda-Projekt im Herbst 2020 bezugsfertig sein.

von Björn Wisker