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Marburg Neue Keimzelle für Gründer an der Uni
Marburg Neue Keimzelle für Gründer an der Uni
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00:18 30.04.2019
Kein Start-up ohne Tischkicker: Bei der Eröffnung des „Start-up-Lab“ lieferten sich Oberbürgermeister Dr. Thomas Spies (von rechts), Wissenschaftsministerin Angela Dorn, die Mafex-Professoren Paul Alpar und Michael Stephan sowie Uni-Kanzler Dr. Friedhelm Nonne ein kleines Match.  Quelle: Nadine Weigel
Marburg

Der Name ist ein wenig sperrig: Schon vor gut 20 Jahren wurde das „Marburger Förderzentrum für Existenzgründer“ als Stiftung gegründet. Seither hat sich die Abkürzung „Mafex“ etabliert: Seit 2015 ist das Förderzentrum ein Institut der Universität, hat in den vergangenen Jahren nach eigenen Angaben rund 500 Existenzgründungsvorhaben von Studierenden und Mitarbeitern der Philipps-Universität unterstützt.

Mit der Eröffnung des Start-up-Labs soll nun eine neue Stufe der Gründer-Unterstützung gezündet werden: Im ersten Stock des Block C in der philosophischen Fakultät stehen nun drei Räume für Start-ups bereit – als Co-Working-Space für fünf bis sechs Gründungsprojekte mit je zwei bis drei Mitarbeitern. „Aufbau und Implementierung eines Inkubators“ soll das Zentrum bieten.

Universitäten als "Innovation-Hubs" zu fokussieren

Und: Durch eine inhaltliche und persönliche Qualifizierung der Hochschulgründerteams mittels eines vielfältigen Workshop-Angebots soll eine „Accelerator“-Funktion erreicht werden – also der Gründungsprozess beschleunigt werden. Gedacht sei an einen Zyklus von maximal einem Jahr – in der Regel jedoch weniger. Kofinanziert wird das Projekt durch 355.000 Euro aus EU-Mitteln, die Universität gab Mittel in gleicher Höhe hinzu.

Für Uni-Kanzler Dr. Friedhelm Nonne ist klar, dass Marburg schon „Gründungsstandort war, als man das Wort noch nicht kannte“ – als nämlich 1904 das Behringwerk in Marburg entstand. „Das war jedoch die Tat eines Einzelnen – was wir jetzt wollen, ist eine Gründungskultur“, sagte Nonne. Der Philipps-Universität hafte nicht das Bild einer Gründerhochschule an – anders als etwa Kassel.

Dies könne sich durch das Start-up-Lab ändern. Unter anderem habe sich die Uni an einer Ausschreibung des Stifterverbands beteiligt, bei der es darum ging, Universitäten als „Innovation-Hubs“ zu fokussieren – „wir sind als eine von 15 Hochschulen in den Innovation-Club des Stifterverbands aufgenommen worden“.

Start-ups werden in allen Phasen begleitet

Professor Michael Stephan, einer der beiden geschäftsführenden Mafex-Direktoren, betonte, dass durch das Angebot „eine weitere Stimulation und nachhaltige Unterstützung der Existenzgründung“ geschaffen werden solle. Drei Phasen gebe es; nachdem Gründerteams ausgewählt worden seien, gehe es um die etwa dreimonatige Qualifizierung der Gründer, „etwa, wenn sie nicht aus der BWL kommen und entsprechende Basics brauchen“.

In Phase zwei gehe es „inhaltlich richtig an die Sache“ – nämlich aus der Idee ein Geschäftsmodell zu entwickeln „und dieses auf eine nachhaltige Basis zu stellen“, so Stephan. Auch spiele die Finanzierung bereits eine Rolle. Und in Phase drei des einjährigen Zyklus gehe es darum, „die Gründer in die Öffentlichkeit zu bringen, Kunden zu finden – also den Schritt bis direkt vor die eigentliche Gründung zu tun“, alles eng gepaart mit intensiver Beratung.

Den Förderbescheid überbrachte Hessens Wissenschaftsministerin Angela Dorn (Grüne) – für die Marburgerin ist klar, dass „das ganzheitliche Konzept ein großer Vorteil ist“. Nötig sei ein „Übergang von der brillanten Forschung und der Entdeckung hin zu ,Made in Hessen‘ als Erfindung“, so Dorn. Das sei auch für die wirtschaftliche Dynamik enorm wichtig, „weil auch die Frage der Arbeitsplätze in der Region davon stark beeinflusst wird“.

Marburgs Oberbürgermeister Dr. Thomas Spies (SPD) sieht vor allem „in der systematischen Anleitung derjenigen, die gründen wollen“ eine Stärke des Start-up-Labs. Denn dass aus wissenschaftlicher Erkenntnis Produkte resultierten, hänge sowohl von den persönlichen Eigenschaften der Akteure als auch der förderlichen Umgebung ab. Das sei nun gegeben.Ähnlich sieht es der Erste Kreisbeigeordnete Marian Zachow (CDU), für den aber auch klar ist: „Mut ist der wichtigste Rohstoff.“

"Der Erfolg kommt nicht im ersten Versuch"

Und Oskar Edelmann vom Förderverein des Mafex sieht, dass man nun „Gründern den Boden bereitet, auf dem sie wachsen und gedeihen können“ – das sei ein „wichtiger Baustein für die langfristige Prosperität einer wirtschaftlichen Region“. 

Dass all die Theorie auch in der Praxis wirkt, zeigte Ram Shoham auf: Der gebürtige Israeli und ehemalige Profi-Surfer und Investment-Banker gründete vor vier Jahren den „Accelerator Frankfurt“ – und bringt von dort Gründer auf den Weg.

Sein Ziel: „Wir wollen 70 Prozent unserer Start-ups die nächste Runde der Finanzierung ermöglichen.“ Dabei ist der Investor, der seine Keynote in Anspielung auf seinen Sport unter den Titel „Die perfekte Welle“ stellte, mitunter knallhart: „Innerhalb von fünf Sekunden entscheide ich in wohl 99,9 Prozent aller Fälle, ob ich in ein Start-up investiere oder nicht.“

Für ihn steht fest, dass das Leben als Gründer nicht einfach sei – „ich habe bereits tausende Male gepitcht, es wird mit der Zeit nicht einfacher“, weiß Shoham. Doch das Pitchen, also das Vorstellen der Gründungsidee, sei essenziell.
Durch seinen Sport habe er gelernt, dass Aufgeben keine Option sei – es müsse jedoch auch eine Kultur des Scheiterns geben. Denn: Bevor Gründer erfolgreich seien, benötigten sie im Schnitt fünf Versuche. „Facebook war bereits die zehnte Gründung von Mark Zuckerberg“, sagte Shoham – dranbleiben lohne sich also, „der Erfolg kommt nicht im ersten Versuch“.

von Andreas Schmidt