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Marburg Amtsgericht verurteilt 56-Jährigen wegen Waffenbesitz
Marburg Amtsgericht verurteilt 56-Jährigen wegen Waffenbesitz
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13:00 20.02.2022
Das Foto zeigt ein Sammelsurium an Waffen aus illegalem Besitz.
Das Foto zeigt ein Sammelsurium an Waffen aus illegalem Besitz. Quelle: Nadine Weigel
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Marburg

Das Urteil nehme sein Mandant an, erklärte Rechtsanwalt Sascha Marx am Donnerstag, nachdem Richter Dr. Christoph Schimrosczyk am Ende der Verhandlung vor dem Amtsgericht eine Geldstrafe in Höhe von 120 Tagessätzen á 10 Euro für den unerlaubter Besitz von Waffen verhängte. Ob das Urteil Bestand hat, hängt davon ab, ob Staatsanwalt Jonathan Poppe dagegen Berufung einlegt. Der Vertreter der Anklage wertete das Vergehen nicht wie Marx als minderschweren Fall, sondern forderte eine Haftstrafe von sieben Monaten, die für drei Jahre zur Bewährung ausgesetzt werden könne.

„Psychische Ausnahmesituation“

Richter Schimrosczyk begründete sein Entscheidung zu einem minderschweren Fall mit der psychischen Ausnahmesituation, in der sich der 56-jährige Angeklagte befand und den bereitwilligen Hinweis an die Polizisten, wo seine Waffe zu finden war. Ausgangspunkt der Verhandlung war ein Polizeieinsatz am 14. Februar 2020, der sich vor Gericht folgendermaßen darstellte.

Zwei Polizeistreifen fuhren nach der Meldung eines angedrohten Suizids in die Cappeler Straße. Die zuerst eintreffenden Polizisten hörten aus dem Haus Schreie und gelangten über den Balkon in die Wohnung, in der ein Mann und eine Frau miteinander rangen. Die Polizisten legten dem damals 54-Jährigen Handfesseln an und beruhigten ihn.

Registrierter Waffenbesitz

Im Landkreis sind folgende Inhaber einer waffenrechtlichen Erlaubnis registriert: Inhaber eines Kleinen Waffenscheines: 2 291; Jäger mit Waffenbesitzkarten: 1 580; Sportschützen mit Waffenbesitzkarten: 1431; Waffenerben mit Waffenbesitzkarten: 302; Altbesitzer, die ihre Waffen vor dem Inkrafttreten des Waffengesetzes im Jahr 1973 erwarben und eine Waffenbesitzkarte haben: 635; Waffensammler: 22; Bewachungsunternehmer mit Waffenschein: 1; Privatpersonen mit Waffenschein: 0.

Dabei erfuhren die Polizisten, dass die Waffe, mit der sich der Gefesselte töten wollte, im Kofferraum seines Autos lag. Dort fand einer der Polizisten die geladene halbautomatische Waffe in einem Kästchen. In der nicht weit entfernten Wohnung des Mannes fanden die Polizisten in einem Tresor einen Revolver und die dazugehörige Munition.

Die erforderliche Erlaubnis für den Besitz beider Waffen hatte der Angeklagte nicht. Gegenüber den Polizisten äußerte dieser, die Waffen zu besitzen, um sich und sein Geschäft bei Überfällen zu schützen.

Diese Äußerung sei nicht zu verwerten, da aus den Protokollen nicht hervorginge, dass sein Mandant über seine Rechte aufgeklärt wurde, wandte Marx ein und forderte dazu einen Beschluss des Richters.

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Waffenbesitz ist streng reglementiert 

Schimrosczyk befand, dass die drei Polizisten am zweiten Verhandlungstag glaubhaft machten, den Festgenommenen über seine Rechte aufgeklärt zu haben. Allerdings sei nicht sicher, ob die Angabe über den Waffenbesitz so fiel, da eine Polizisten mit der Ehefrau beschäftigt war, ein Polizist es nicht gehört habe und ein dritter dies vielleicht nur assoziierte, da er das Geschäft kannte. Somit sei auch nicht festzustellen, wie lange der 56-Jährige im Besitz der Waffen sei.

Für den Angeklagten positiv zu werten sei auch, dass er sich wegen der finanziellen Schwierigkeiten seines Geschäftes in einer Ausnahmesituation befand, sich das Leben nehme wollte und anschließend eine Therapie absolvierte.

Von Gianfranco Fain