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Marburg „Letzte Chance“ für Drogenhändler
Marburg „Letzte Chance“ für Drogenhändler
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13:42 15.06.2021
Ein Mann dreht sich einen Joint mit Marihuana.
Ein Mann dreht sich einen Joint mit Marihuana. Um den Handel mit diesem Rauschgift ging es in einem Prozess vor dem Marburger Amtsgericht. Quelle: Daniel Karmann/dpa
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Marburg

Knapp entging am Freitag ein 27-Jähriger einer Gefängnisstrafe. Er musste sich vor dem Amtsgericht wegen Drogenhandels und räuberischer Erpressung verantworten.

Das Schöffengericht unter dem Vorsitz von Richterin Melanie Becker verurteilte den geständigen Angeklagten zu einer Haftstrafe von zwei Jahren und dem Zahlen von 3 000 Euro an die Suchthilfe Fleckenbühl. Die Freiheitsstrafe ist für vier Jahre zur Bewährung ausgesetzt, dem 27-Jährigen wird ein Bewährungshelfer zur Seite gestellt. Alle Beteiligten erkannten das Urteil an.

Es ging um Morddrohungen

Vor Gericht stand der Mann, weil dessen „Geschäftspartner“ sich mit Marihuana im Rucksack der Polizei stellte und um Schutz bat. Er fühlte sich vom 27-Jährigen bedroht, weil dieser das Geld aus dem Verkauf der Droge forderte und noch mehr haben wollte als vereinbart. Er habe Morddrohungen erhalten und sagte dem Bericht des vernehmenden Polizisten zufolge: „Wenn ich hier rausgehe, bin ich tot.“ Dies, weil der Angeklagte mit einer Rockerbande in Verbindung stehe.

Doch als der Geschäftspartner erzählte, dass der Angeklagte zur Übergabe der Drogen in einer Kommune des Nordkreises auf einem Roller mit kleinem Kennzeichen vorfuhr, „waren die Rocker eigentlich schon draußen“, meinte der als Zeuge aussagende Polizist.

Er äußerte zudem die Vermutung, dass der sich selbst anzeigende Mann das Marihuana entweder konsumierte und den Differenzbetrag des auf Kommission erhaltenen Stoffes deshalb nicht bezahlen konnte oder der Stoff minderer Qualität einfach nicht zu verkaufen war.

Chatverläufe erhärten Verdacht

Ein weiterer Ermittler berichtete vom Auswerten des Handy-Chats des Geschäftspartners. Darin bestand der Angeklagte auf dem Zahlen der Restschuld und drohte damit, „die Tür einzutreten“ oder auch „die Zähne auszuschlagen“ und schrieb davon, dass „die Leute keinen Spaß verstehen“.

Verteidiger Thomas Strecker zweifelte an den Angaben des Geschäftspartners und der Ernsthaftigkeit der Drohungen und schloss sich den Ausführungen von Staatsanwalt Sebastian Brieden an: Der sagte hinsichtlich der räuberischen Erpressung, dem Angeklagten glauben zu müssen, dass dieser die Drohungen nicht wahrmachen wollte.

Es blieben aber noch der verbotene Handel mit Betäubungsmitteln und das „nicht gut aussehende Vorstrafenregister“. Damit sei der Angeklagte „am Ende der Fahnenstange“ angekommen, war Briedens Eindruck vor der Verhandlung, doch während dieser ergab sich ein günstigeres Bild.

Neuanfang für Angeklagten

Der Angeklagte habe in den anderthalb Jahren seit der Tat seine Verhältnisse auch im Sinne seiner jungen Familie geordnet, ziehe mit Frau und Kind nach der Zusammenführung nach Schweinfurt, arbeite auf Montage im Brückenbau. Deshalb sei ihm eine letzte Chance einzuräumen, meinte Brieden und forderte eine Gesamtfreiheitsstrafe von zwei Jahren, für die es eine „noch vertretbare“ Bewährung von fünf Jahren geben könne. Zudem solle der Angeklagte 3.000 Euro an eine gemeinnützige Einrichtung zahlen.

Strecker sagte, er sei froh, dass sein Mandant die Weichen richtig stellte und bereit sei, komplett neu anzufangen. Es sei glaubwürdig, dass der Angeklagte Verantwortung für seine Familie übernehmen wolle. Strecker bat um die Wertung als minderschweren Fall und plädierte auf 18 Monate Haft zuzüglich einer Geldstrafe.

Richterin Becker erläuterte bei der Verkündung des Urteils, dass der Wille zum Umsetzen der Drohungen andere Konsequenzen gehabt hätte. Positiv wertete das Schöffengericht die privaten Veränderungen im Leben des Angeklagten und dass dieser schon einmal eine Bewährungszeit durchgestanden habe.

Von Gianfranco Fain

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