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Marburg Ein weiteres Denkmal für Christian
Marburg Ein weiteres Denkmal für Christian
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20:57 29.07.2019
So könnte der Dienstmann Christian als Ampelmännchen aussehen. Quelle: A.Dedert, T.Richter / Montage: T.Hirsch, M.Richter
Marburg

Als typischer Marburger wäre doch sicher Dienstmann Christian ein geeigneter Repräsentant.

Mit seiner offenen Art und der nie ausgehenden Zigarre ziert das Marburger Original bereits die Wasserscheide in der Oberstadt.

Die Statue soll Passanten „an seine gelassene Lebenseinstellung erinnern“ hieß es zur Einweihung 1988.

Denkbar wäre also auch, ihn in das Repertoire der Ampelmännchen aufzunehmen und als kulturelles Erbe der Vielfalt „Made in Marburg“ zu erklären. Christian war kleinwüchsig und zu Lebzeiten stadtbekannt für seine Eigenarten und seine überspringende Lebenslust. Ein echter Marburger also, der sich auch heute noch großer Beliebtheit erfreut.

Warum nicht die Brüder Grimm?

An einer der Ampeln, die seit dem Christopher Street Day (CSD), von homosexuellen, aber auch heterosexuellen Paaren geziert werden, hat die OP Passanten zu ihrer Wahrnehmung der Aktion befragt. Dabei stellt sich bei dem weitestgehend positiven Feedback ein durchaus vielseitiges Ideenangebot für ­eine mögliche Erweiterung der Motive heraus. „Die Idee ist gut, aber nicht wirklich zu Ende gedacht. Vielfalt geht das in meinem Verständnis über die Sexualität von Menschen hinaus“, meinte ein Passant und schlägt als Erweiterung der Motive ­
einen lachenden Smiley vor.

„Auf der anderen Seite zeugt das Vorhaben von Toleranz und Aufgeschlossenheit der Stadt“, ergänzt eine daneben stehende Frau. „Vielleicht könnte man die Verbindung zu Marburg deutlicher hervorheben“, sagt sie und schlägt ein Motiv aus den Märchen der Brüder Grimm vor. „Dies steht ebenfalls für kulturelle Vielfalt und stellt überdies einen historischen Bezug her.“

Motive tragen zu Identität bei

In anderen Städten gibt es übrigens ganz ähnliche Ansätze. In Friedberg ist es die Silhouette von Elvis Presley. Schließlich war Presley von Oktober 1958 bis März 1960 als Soldat im ­benachbarten Friedberg stationiert und wohnte während dieser Zeit in Bad Nauheim. Presley sei wichtig für die Stadt, und man arbeite daran, dass er im Stadtbild wieder etwas präsenter werde. So hat Friedberg bereits seit Dezember 2018 mehrere Ampeln mit dem „King“: Bei Rot steht er am Mikrofon, bei Grün zeigt er seinen berühmten Hüftschwung.

In der Landeshauptstadt, Mainz sind es die Mainzelmännchen und in Worms Martin Luther um nur einige davon zu nennen. Alle Motive tragen in gewisser Weise ein Stück der Identität der jeweiligen Stadt.

OB verweist auf Diskriminierung

Zum diesjährigen CSD setzte die Stadt Marburg ein Zeichen für die Liebe, lässt homosexuelle und heterosexuelle Paare auf den Fußgängerampeln aufleuchten. Die Pärchenampeln dienen dazu ein Statement zu setzen – für die Liebe, gegen Ausgrenzung und Diskriminierung.

„Wir wollen, dass alle Menschen in Marburg gleichberechtigt leben können, dass alle frei von Diskriminierung sind, alle Identitäten als gleichwertig sichtbar und im Alltag präsent sind“, sagte Oberbürgermeister Dr. Thomas Spies (SPD).

Diskriminierung finde dennoch statt, etwa bei der Wohnungssuche, im Job oder in Alltagssituationen. „Wir müssen geschlechtliche Differenzen immer wieder zum Thema machen, Begegnungen schaffen, aufklären.“

CSD-Männchen bleiben vorerst

Zwei verliebte Frauen mit Herzen, ein männliches Paar Arm in Arm, eine Frau und ein Mann mit Schmetterlingen im Bauch: „Voice of Love“, „Feeling“ und Let‘s go“ heißen die neuen Ampelmännchen an den Fußgängerüberwegen. Insgesamt 20 rote und 20 grüne Pärchen regeln den Verkehr nun seit Juni an den Ampeln zwischen Rudolphsplatz und Savignystraße.

Als Vorlage dienen die Pärchenampeln der Stadt Wien, die sich seit Mai 2015 großer Beliebtheit erfreuen. OB Dr. Spies betont: „Die Ampelfiguren sind der Beitrag der Stadt zum CSD Mittelhessen in Marburg. Wir zeigen damit klar und deutlich: Marburg ist eine Stadt, in der alle Menschen dabei sein, mitmachen, sich frei ausleben und lieben können. Denn egal, wen du liebst – Liebe ist Liebe!“ Bis auf Weiteres bleiben die Ampelfiguren bestehen, teilte die Pressestelle mit.

von Maximillian Paolucci