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Marburg Amnon Orbach feiert 90. Geburtstag
Marburg Amnon Orbach feiert 90. Geburtstag
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13:58 23.01.2020
Amnon Orbach beim Pogrom-Gedenken 2013. Foto: Nadine Weigel
Amnon Orbach beim Pogrom-Gedenken 2013.  Quelle: Nadine Weigel
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Marburg

Mit dem Festakt im Marburger Rathaus begeht die Stadt Marburg feierlich den runden Geburtstag eines ihrer Ehrenbürger. Amnon Orbach feiert seinen 90. Geburtstag. Bereits anlässlich des 80. Geburtstags vor zehn Jahren hatte es eine offizielle Feier im Rathaus gegeben.
Amnon Orbach wurde 1930 in Jerusalem geboren und lebt seit 1983 in Deutschland.

Seit Jahrzehnten lebt er jetzt in Marburg zusammen mit seiner zweiten Ehefrau. „Ich bin nicht nach Deutschland ausgewandert, weil ich Israel oder Jerusalem verlassen wollte, sondern weil die Liebe mich hierher geführt hat“, stellt Orbach klar. Seinen Lebenslauf, den die ehemalige OP-Redakteurin Anna Ntemiris im Gespräch mit Orbach aufgezeichnet hatte, diente in dem Buch „Grenzen-los?“ als ein Beispiel für Wanderer zwischen den Welten Israel und Deutschland.

Er baute die jüdische Gemeinde mit auf

„Meinem Empfinden nach habe ich heute sowohl in Deutschland als auch in Israel­ ein ­Zuhause“, meint Orbach. „Israel bin ich sehr verbunden, doch in Deutschland habe ich eine konkrete Aufgabe. Hier in Marburg kann ich etwas bewegen und verändern“.
In Marburg ist Amnon Orbach vor allem bekannt dafür, dass er die Jüdische Gemeinde mit aufgebaut hat. Seit Jahrzehnten ist er als deren Vorsitzender das Gesicht der Jüdischen Gemeinde.

Und für seine Bemühungen, das Judentum in Marburg nach dem Holocaust wieder zu etablieren, erhielt er im Jahr 2000 das Bundesverdienstkreuz und wurde 2014 Marburger Ehrenbürger. Orbachs Vater stammt aus Lodz in Polen und wurde 1948 nach der Gründung des Staates Israel Oberst in der israelischen Armee, nachdem er vorher in der jüdischen Untergrundbewegung gegen die britischen Besatzer in Palästina bereits als Kommandeur aktiv war.

Seine Mutter stammte aus der Ukraine. Beide Eltern kamen 1921 als Pioniere nach Palästina, um das Land aufzubauen. Noch als 16-jähriger Schüler war Amnon Orbach selbst in der jüdischen Untergrundbewegung aktiv und kämpfte ab 1948 im Unabhängigkeitskrieg zwischen Juden und Arabern mit. Nach dem Krieg wollte er Medizin studieren und Arzt werden.

Ihm fehlt die jüdische Kultur

Doch weil die Wartezeiten für dieses begehrte Studium viel zu lang waren, begann er 1949 ein Maschinenbaustudium in Haifa und arbeitete später zunächst einige Jahre im Auftrag des ­israelischen Verteidigungsministeriums als Ingenieur in der Waffenindustrie. Es schloss sich ein zweites Industrieingenieur-Studium in den USA an.

Nach der Rückkehr nach Israel arbeitete Orbach in der Entwicklung von Lehrmaterialien für Schulen und Kindergärten und später für einen ­israelischen Konzern für Elektrogeräte. Nach der Scheidung von seiner ersten Frau im Jahr 1979 begann Orbachs „zweites Leben“ mit dem Umzug nach Deutschland.

„Grundsätzlich war ich mit meinem Leben in Marburg zufrieden, doch mir fehlte die jüdische Kultur. Es gab hier kein jüdisches Leben, keine Synagoge, keine jüdische Kultur“, berichtet Orbach. Und so entstand seine Idee, die ­Jüdische Gemeinde in Marburg wieder aufzubauen. Auch in der Gesellschaft für Christlich-­Jüdische Zusammenarbeit engagierte sich Orbach.

von Manfred Hitzeroth