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Marburg Inklusives Theater feiert Freitag Premiere
Marburg Inklusives Theater feiert Freitag Premiere
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16:00 27.11.2019
Sven Thomas Neumann gründete im November 2018 das inklusive Theater AmaThéatron, das am Freitag Premiere hat. Quelle: Privatfoto
Cappel

Im November 2018 gründete Sven Thomas Neumann mit neun anderen Interessierten den Verein Ama­Théatron mit dem Ziel, Theater gemeinsam zu gestalten und zu erleben. Menschen unterschiedlichster Herkunft und Alter, mit und ohne Behinderung oder Theater-Vorerfahrungen können sich jederzeit dem Verein anschließen. Der besteht zur Zeit aus 15 Mitgliedern.

„Wir sind für jeden offen, der seine Stärken und Schwächen mit in den Verein bringt. Wenn die Menschen sich dort selbst einbringen und sich selbst entfalten können, dann macht es ihnen viel mehr Spaß. Deshalb möchte ich ihnen allen so viel Raum wie möglich geben“, sagt Neumann. Das, was Ama-Théatron vermittelt, begrenzt sich nicht nur auf Schauspielkunst.

Vielmehr geht es darum, dass sich die Mitspieler in allen Bereichen des Theaters wie Bühnentechnik, Herstellung von Kostümen und Requisiten sowie Bühnentechniken, wie nonverbale Kommunikation, ausprobieren. Das macht den Verein besonders.

Derzeit hat er viele Sehbehinderte und blinde Schauspieler. Regisseur Neumann verrät: „Wir haben auf der Bühne immer ­
eine Doppelkonstellation: einen Schauspieler, der schlecht sieht und ein Gegenüber, der ihn führt. Das ist Absicht, damit der Zuschauer es nicht unbedingt merkt.“

"Das Stück ist unser Ziel"

Im Januar begannen die Proben für die Kindergeschichte „Der satanarchäolügenialko­höllische Wunschpunsch“ von Michael Ende. Gemeinsam mit der Bürgerinitiative für soziale­ Rehabilitation und zur Vorbeugung psychischer Erkrankungen Marburg bastelten die Mitglieder die Elemente für das Bühnenbild. „Das Stück ist unser Ziel. Aber der Schaffensprozess, das Mitarbeiten und der gemeinsame Weg sind uns mindestens genauso wichtig.“

Den Grund, warum eben dieses Märchen ausgewählt wurde, erklärt Neumann sehr einfach: „Im Jahr 1999 habe ich selber in einer Schüler AG das Theaterstück gespielt. Ich erinnere mich an die tollen selbstgebastelten Masken. Das hat mich sehr gereizt.“ Dass der Regisseur sehr großen Wert darauf legt, sieht man auf dem Bild: Die sehr natürlich aussehenden Silikonmaskenteile und das Makeup schminkte ein Mitglied des Vereins über vier Stunden.

Die Premiere findet schon am kommenden Freitag um 18 Uhr im Bürgerhaus Cappel statt. Am 19. Januar ab 14 Uhr lädt der Verein zu seinem Tag der offenen Tür ins alte Rathaus nach Cappel ein. Dort präsentiert sich der Verein, erzählt über die Mitspieler des Theaterstücks und stimmt sich für die Stücke ab, die in Jahren 2020 und 2021 aufgeführt werden sollen.

„Derjenige, der schon eine Idee hat, kann jederzeit seinen Vorschlag bis zum 22. Dezember auf der Webseite einreichen“, so Neumann. Auf der Internetseite stehen auch noch weitere Aufführungs-Termine des Theaterstücks: www.amathéatron.de   

von Vasilisa Ishchenko