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Marburg Wenn die Demenz schon mit 40 Jahren kommt
Marburg Wenn die Demenz schon mit 40 Jahren kommt
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14:58 12.12.2020
Mehr als 4 000 Menschen im Landkreis leben mit einer Demenzerkrankung. Quelle: Archiv
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Marburg

Eine Demenzerkrankung ist sowohl für den Erkrankten als auch für sein Umfeld mit großen Herausforderungen verbunden. Wenn die Krankheit aber in einem relativ jungen Alter ausbricht, dann bedarf es einer noch intensiveren und individuelleren Betreuung.

Das jedenfalls hat die Alzheimer-Gesellschaft Marburg-Biedenkopf in zahlreichen Gesprächen herausgefunden. Im gesamten Landkreis leben über 4.000 Personen mit einer Demenzerkrankung, mehr als 100 sind jünger als 65 Jahre alt.

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„Aufgrund der zunehmenden Zahl von jüngeren Menschen mit Demenzerkrankung, die in den vergangenen Jahren unser Angebot in Anspruch genommen haben, plant der Verein nun eine unterstützte Selbsthilfegruppe Jungbetroffener ins Leben zu rufen“, berichtet Dr. Anne Wächtershäuser im OP-Gespräch.

Sie ist eine der beiden hauptamtlichen Beraterinnen der Alzheimer-Gesellschaft, die ihre Räume im Beratungszentrum mit integriertem Pflegestützpunkt Am Grün hat.

Große Einschnitte in die Lebensplanung

Die Situation und Bedarfslage Jungbetroffener – damit sind Menschen gemeint, die deutlich jünger als 65 Jahre alt sind – weisen Unterschiede auf. Allein die Diagnose, auch wenn sie in einem frühen Stadium erfolgt, erleben die Betroffenen als hoch belastend, besonders im psychischen Bereich.

„Wir haben einen hohen Gesprächsbedarf zu spezifischen Themen festgestellt. Neben den Informationen zur Erkrankung und den Unterstützungsmöglichkeiten spielen rechtliche und finanzielle Fragen eine große Rolle. Wenn jemand mit 40 oder 50 Jahren erkrankt, dann bedeutet das große Einschnitte in die Lebensplanung, ins Berufsleben und in den Familienalltag“, erklärt Elisabeth Bender, die ebenfalls als Beraterin arbeitet.

„Die Demenzerkrankung hat Auswirkungen auf das Familienleben, auf die Partnerbeziehung sowie auf die Eltern-Kind-Beziehung. Der Umgang mit starken Rollenveränderungen beschäftigt und belastet die Betroffenen, die auch immer wieder nach einem Erfahrungsaustausch mit Menschen in einer ähnlichen Situation fragen“, ergänzt sie.

Freizeitangebote helfen gegen Isolation

„Bisher war das Angebot der Alzheimer-Gesellschaft auf ältere Menschen ausgerichtet. Es existiert im gesamten Landkreis kein Unterstützungsangebot, das speziell auf die Bedürfnisse jüngerer Menschen mit Demenz ausgerichtet ist“, hat Anne Wächtershäuser festgestellt. Das soll sich nun ändern.

Geplant ist eine unterstützte Selbsthilfegruppe Jungbetroffener, die eine Kombination aus Gesprächskreis und gemeinsamen Freizeitaktivitäten bietet. Ersteres bietet den Raum für regelmäßigen Informations- und Erfahrungsaustausch und vermittelt auch das Gefühl: Ich bin nicht alleine in der Situation.

Die Freizeitangebote sollen helfen, die Menschen vor sozialer Isolation zu bewahren und gesellschaftliche Teilhabe zu ermöglichen. „Ressourcenorientierte Freizeitangebote stärken das Selbstwertgefühl und bestehende Fähigkeiten werden gefördert“, weiß Elisabeth Bender. Deswegen sollen die Angebote nach individuellen Bedürfnissen und Wünschen ausgerichtet werden.

Neuer Vorstand

Die Alzheimer Gesellschaft Marburg-Biedenkopf ist im Jahr 2000 gegründet worden. Sie ist ein eingetragener Verein mit einem ehrenamtlichen Vorstand und aktuell drei hauptamtlichen Mitarbeiterinnen in der Geschäftsstelle: Elisabeth Bender und Dr. Anne Wächtershäuser als Koordinierungskräfte und Christa Sauer im Büro.

Am 9. November wurde im auf der Jahreshauptversammlung der Vorstand neu gewählt: 1. Vorsitzende: Diana Gillmann-Kamm, 2. Vorsitzender: Ernst Boltner, Kassenwart: Matthias Kamm, Schriftführerin: Juliane Lang, Beisitzer: Vitos Klinik (Dr. Frank Dannhoff, Dr. Nikolaus Galland), Christa Diessel, Dr. Heinrich Grebe, Christa Nau, Ruth Schlichting, Hans Gerd Schmitt.

Mittlerweile gehören dem Verein etwa 470 Mitglieder an, überwiegend Demenzbetroffene oder deren Angehörige. Etwa 250 ehrenamtlich Tätige engagieren sich in den unterschiedlichen Projekten und Angeboten. Der Vereinszweck ist die Förderung und Unterstützung von Hilfen für alle von der Krankheit Demenz betroffenen Menschen. Diese Bemühungen schließen Angehörige und alle an der Versorgung Beteiligte ein. Im Hinterland kooperiert die Alzheimer Gesellschaft bei der Betreuung und Beratung mit dem Diakonischen Werk.

Kontakt: Alzheimer Gesellschaft Marburg-Biedenkopf, Am Grün 16 (im BiP), 35037 Marburg. Derzeit erfolgt die Beratung nur telefonisch: Dr. Anne Wächtershäuser: 0159/06756020, Diana Gillmann-Kamm: 0151/26231066, Elisabeth Bender: 0176/34303441.

Von Katja Peters