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Marburg Altreifen im Wald illegal entsorgt
Marburg Altreifen im Wald illegal entsorgt
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16:57 17.04.2020
Illegal entsorgte Altreifen im Wald bei Cyriaxweimar. Quelle: Anke Hahmann
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Cyriaxweimar

Schon wieder wurde in einem Marburger Waldstück illegal Müll entsorgt. War es Anfang März in Elnhausen eine komplette Küche, so waren es jetzt etliche Altreifen in Cyriaxweimar.

Beides sorgt für viel Unverständnis, gerade bei den Revierförstern und Waldarbeitern, die derzeit rund um Marburg mit der Räumung und Wiederaufforstung beschäftigt sind.

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Gerade jetzt wo die Natur erwacht, junge Triebe starten sowie Brut- und Setzzeit ist, ist es umso schlimmer, wenn der Wald als Müllablageplatz genutzt wird.

Kippe kann 200 Liter Grundwasser verunreinigen

„Es ist zu spüren, dass viel mehr Menschen als sonst die Waldgebiete aufsuchen, um sich zu bewegen“, hat die Waldarbeiterin und Jägerin Anke Hahmann festgestellt, die auch die Altreifen in Cyriaxweimar gefunden hat. Genauso wie Zigarettenkippen, Papiermüll oder andere Abfälle, die jetzt vermehrt auf Wegen und Lichtungen landen.

Während ein sorglos weggeworfener Apfel in zwei Monaten abgebaut ist, braucht es für eine Bananenschale schon drei Jahre. Ein Kaugummi lässt sich fünf Jahre Zeit. Der Wald braucht für den Abbau einer Zigarettenkippe zehn Jahre, für eine Plastiktüte 20 Jahre, für eine Batterie 100 Jahre.

Für eine PET-Flasche braucht es 450 Jahre, für eine Getränkedose 500 Jahre. Zigarettenkippen sind hochtoxisch. Rund 4.000 Chemikalien, unter anderem Blei, Kupfer und Cadmium, werden durch den Regen aus den Kippen ausgewaschen. Eine Kippe kann bis zu 200 Liter Grundwasser verunreinigen.

Waldbrandgefahr und giftige Dämpfe

Hinzu kommt die derzeit schon hohe Waldbrandgefahr. „Bei der Trockenheit geht es ganz schnell, dass sich das Unterholz entzündet. Liegt da dann Müll, wie eben die Reifen, entstehen giftige Dämpfe, die für die Tier- und Pflanzenwelt sehr gefährlich werden können“, erklärt Anke Hahmann.

Gleiches gilt für illegale Feuer in Waldnähe, wo Glutnester einfach unbeaufsichtigt sich selbst überlassen werden, so passiert am Osterwochenende an der Panoramastraße.

Entsorgungskosten um ein Drittel gestiegen

Großen Schaden können auch illegal entsorgte Gartenabfälle im Wald anrichten. Denn schon jetzt ist er immer mehr Ersatzlebensraum und Rückzugsgebiet für Arten, deren ursprüngliche Lebensräume mittlerweile zerstört sind oder intensiv genutzt werden.

Gebietsfremde Arten können dieses sensible Waldökosystem bedrohen, indem sie sich dort stark vermehren, heimische Arten verdrängen und negative Auswirkungen zeigen – etwa durch Veränderung des Nährstoffhaushaltes des Waldbodens.

Die Kosten für die Entsorgung trägt am Ende der Steuerzahler. In Marburg waren es im vergangenen Jahr 40.000 Euro, ein Anstieg von 10.000 Euro im Vergleich zum Jahr 2018.

Von Katja Peters

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