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Marburg Altenzentrum am Richtsberg ist bezugsbereit
Marburg Altenzentrum am Richtsberg ist bezugsbereit
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11:00 16.02.2022
Pflegedienstleiter Johannes Lang (links) und Altenzentrum-Chef Jörg Kempf stehen im Eingangsbereich des neu gestalteten Altenheims am Richtsberg.
Pflegedienstleiter Johannes Lang (links) und Altenzentrum-Chef Jörg Kempf stehen im Eingangsbereich des neu gestalteten Altenheims am Richtsberg. Quelle: Manfred Hitzeroth
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Marburg

Noch fehlen die letzten Feinarbeiten und dauern voraussichtlich noch einige Tage, bis am Monatsende die Bewohner einziehen werden. Doch Jörg Kempf, Geschäftsführer der Altenhilfe Marburg, ist schon jetzt begeistert von dem Schmuckstück, das am Richtsberg entstanden ist. „Das ist ein Quantensprung“, vergleicht er bei einem kleinen Rundgang für die OP das Ergebnis mit den bisherigen Räumen im Nachbargebäude.

„Das Gebäude gliedert sich in sieben Wohnbereiche, in denen jeweils 12 Menschen leben, angelehnt an das Hausgemeinschaftsprinzip“, erklärt Kempf das Konzept. Die Appartements befinden sich in unmittelbarer Nähe zum Wohn- und Essbereich. Jeder Bewohner hat eine Privatsphäre mit eigenem Zimmer, Bad und WC, kann sich aber auch im Gemeinschaftsraum mit Küche aufhalten. Ein besonderes Extra sind die modernen Einzel-Badewannen für jeden Wohnbereich.

Und von der Wohngemeinschaft mit dem Namen „Schlossberg“ im Obergeschoss aus sehen die Bewohner des Altenzentrums nicht nur die benachbarte Richtsbergschule, sondern können sogar auch den Blick bis hin zum Marburger Landgrafenschloss und dem Spiegelslustturm genießen.

Das sind die Flächendaten für das neue Altenzentrum am Richtsberg: Das Begegnungszentrum befindet sich auf 220 Quadratmetern, die Zimmer der Bewohner haben 20 Quadratmeter, die Gruppenküchen jeweils 100 Quadratmeter. Es wurden 2 600 Kubikmeter Beton und 350 Tonnen Stahl verbaut. An der höchsten Stelle ist der Neubau 12 Meter hoch – an der niedrigsten 4,5 Meter. Auch zwei Elektrotankstellen für E-Autos wurden am Altenhilfezentrum installiert.

Beim Ausbau hat auch der Klimaschutz eine große Rolle gespielt. Das Gebäude hat eine 18 Zentimeter dicke Dämmschicht mit Brandriegeln erhalten und eine Drei-Scheiben-Wärmeschutzverglasung. Es verfügt über eine kontrollierte Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung und wird ans Fernwärmenetz angeschlossen. Die Fernwärme wird in der Richtsberg-Gesamtschule über ein Blockheizkraftwerk erzeugt und versorgt auch die Astrid-Lindgren-Schule und weite Teile des oberen Richtsbergs.

Ergänzt wird das energetische Konzept durch eine Fotovoltaik-Anlage mit 99,9 kWpeak. Mit kWpeak wird die Nennleistung eines PV-Moduls unter idealen Bedingungen beschrieben. „Wir erwarten eine Stromernte von rund 100 000 Kilowattstunden pro Jahr“, so Gewobau-Geschäftsführer Jürgen Rausch. Außerdem wurden unterirdisch Wasserbehälter verbaut, die rund 15 000 Liter Regenwasser sammeln können.

Auch der kleine Friseurladen im Erdgeschoss und das Café daneben sind bereits fertig eingerichtet. Beide Einrichtungen sind für alle Menschen am Richtsberg zugänglich. Und das Café soll künftig als ein Kernstück des Begegnungszentrums dienen. „Auf der Terrasse können wir im Sommer auch Tische und Schirme aufstellen“, freut sich Jörg Kempf. Und mehrere bereits angelegte Gartenbereiche rund um das Gebäude sollen das Altenzentrum noch wohnlicher machen.

Rund 70 Bewohner des bisherigen Altenzentrums am Richtsberg werden Ende des Monats in den Neubau umziehen. Aufgefüllt werden sollen die Restplätze dann aufgrund einer Warteliste, erläutert Kempf. Wann eine offizielle Einweihungsfeier stattfindet, hängt aber auf jeden Fall von der aktuellen Corona-Lage ab.

Nach rund zweieinhalb Jahren Bauzeit sind die Arbeiten für das neue Altenzentrum am Richtsberg jedenfalls so gut wie beendet. „Hier ist ein schöner und moderner Raum entstanden für eine zeitgemäße und zukunftsweisende Altenhilfe. Wir freuen uns schon sehr auf die ersten Bewohner und hoffen, dass sie sich hier wohlfühlen werden. Die Rahmenbedingungen haben die Gewobau und die Marburger Altenhilfe St. Jakob mit diesem Gebäude geschaffen“, sagt Oberbürgermeister und Aufsichtsratsvorsitzender Dr. Thomas Spies (SPD), der Initiator der Umsetzung. Bereits sein Vorgänger Egon Vaupel und die ehemalige Stadträtin Dr. Kerstin Weinbach (beide SPD) hatten das Großprojekt angeschoben und vorbereitet, das nach langjährigen kommunalpolitischen Konzeptdebatten nun verwirklicht wurde.

Etwas mehr als zwei Jahre nach dem Spatenstich steht der Neubau nun kurz vor der Vollendung. Vor dem Neubau war es notwendig, einen Teil des bisherigen Gebäudes der Altenpflege abzureißen. Die Abrissarbeiten starteten im Herbst 2019. Mit dem Rohbau ging es dann im März 2020 los. Der Innenausbau wurde nun im Januar fertig.

Gebaut wurde der Bau von der Gewobau Marburg für voraussichtlich rund 17 Millionen Euro. Nach der Fertigstellung des Rohbaus im Dezember 2020 waren die Macher noch von Kosten in Höhe von 15 Millionen Euro ausgegangen. „Durch die Pandemie gab es Kostensteigerungen. Wir hatten aber auch eine verbesserte Finanzierung“, erklärt Gewobau-Geschäftsführer Jürgen Rausch. „Wir können also auch die geplante Miete halten.“ Betrieben wird das Altenzentrum von der Marburger Altenhilfe St. Jakob, die das Gebäude mietet.

Von Manfred Hitzeroth