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Marburg Alt und jung engagieren sich
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14:58 14.02.2021
Louisa Scholz ist die jüngste Kandidatin zur Kommunalwahl. Sie tritt in der Stadt und für den Kreistag an.
Louisa Scholz ist die jüngste Kandidatin zur Kommunalwahl. Sie tritt in der Stadt und für den Kreistag an. Quelle: Foto: Thorsten Richter
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Sie befinden sich an den gegenüberliegenden Enden der Altersskala. Doch Louisa Scholz und Lutz Heusinger eint, wenn auch aus unterschiedlichen politischen Lagern heraus, der Wille, sich für ihre Prioritäten einzusetzen. Die 17-jährige Marburgerin wählte dazu die FDP als politische Basis aus, weil die Liberalen die Themen auf der Agenda haben, die sie am ehesten berühren.

Dazu gehören für die Schülerin des Gymnasiums Philippinum vorneweg die Mobilität der Gesellschaft und die Situation an den Schulgebäuden. Gerade im Zusammenhang mit ihrem derzeitigen Lebensschwerpunkt, der es auch bis zur Abiturprüfung im nächsten Jahr bleiben wird, sieht sie Lösungsmöglichkeiten, will nicht nur meckern, sondern Ideen einbringen. Dies könnte sie sowohl auf Stadt- als auch auf Landkreisebene, steht Louisa Scholz doch auf beiden Wahllisten der FDP. Zu den Liberalen fand die gebürtige Kasselerin mit dem aufkeimenden Interesse an der Kommunalpolitik, meldete sich im Jahr 2018 als Mitglied bei den Jungen Liberalen an, trat ein Jahr später in die FDP ein. Die Partei habe „starke Ideen, die die Wähler überzeugen können“, meint die Marburgerin.

Zur Universitätsstadt habe sie eine persönliche Bindung entwickelt, seitdem sie mit ihrer Theologie studierenden Mutter vor acht Jahren aus Berlin hierher zog. Die Stadt und der Landkreis sind ihre Heimat, bekennt Louisa Scholz, die wenige Tage vor der Kommunalwahl ihren 18. Geburtstag feiert, und dort wo sie wohne, möchte sie sich auch politisch engagieren.

Das möchte sie auch über die Schulzeit hinaus, obwohl sie noch nicht weiß, was dann sein wird. Das Interesse für Jura, vor allem für die unterschiedlichen Rechtssysteme, ist vorhanden und findet auch Platz in einer ihrer Freizeitbeschäftigung, dem Lesen. Dann sind es die Romane von Ferdinand von Schirach, die sie fesseln oder auch andere Themen, „die in der Schule zu kurz kommen“. Die derzeit eingeschränkte Möglichkeit, sich mit Freunden zu treffen, gleicht sie durch das Schauen von Fernsehserien aus.

Gewählt werden möchte sie, damit alle Generationen vor Ort eine Stimme haben und vielfältige Positionen in den Gremien vertreten sind, gerade bei den wichtigen Themen Bildung und Mobilität, die für alles Altersgruppen wichtig sind.

81-Jährigem liegen die sozial Benachteiligten am Herzen

Für alle Altersgruppen etwas bewirken, dafür steht auch Lutz Heusinger auf den Wahllisten von Stadt und Kreis. Dem 81-jährigen Marburger liegen die sozial Benachteiligten am Herzen, weshalb er sich auf der Liste der Partei Die Linke für deren Ziele engagiert. Dort wähnt er sich in guter Gesellschaft mit anderen Vertretern linker Positionen. Sein politisches Engagement begann allerdings Mitte der 1980er bei den Grünen, als diese „viel weiter links waren. Heute sind sie von der CDU kaum noch zu unterscheiden“, findet Heusinger.

„Im wunderschönen Marburg“, wo Lutz Heusinger mit seiner Ehefrau lebt, sollten durch das Anheben der Gewerbesteuer für die blühende Wirtschaft neue Spielräume für die Armutsbekämpfung geschaffen werden, meint der ehemalige Mitarbeiter des Bildarchivs Foto Marburg. Dies weil hier 2000 Mitmenschen in 900 Familien auf die Unterstützung der Marburger Tafel angewiesen sind, mehr als 5000 Kinder im Kreis unter der Armutsgrenze leben.

Sein Einsatz für andere Menschen nahm 1975 offizielle Formen an, als er in die Gewerkschaft ÖTV eintrat, dort als Vertrauensmann und Teamer wirkte. Den Gewerkschafter ärgern auch andere Missstände, zum Beispiel die Hartz-IV-Regelsätze. Diese wurden im Januar für Alleinstehende Erwachsene um 8 auf 432 Euro im Monat erhöht. Ärzte, die im Marburger Impfzentrum aushelfen, bekämen 120 Euro pro Stunde. „Derartige Unterschiede – 432 Euro im Monat, 120 Euro in der Stunde – ziehe sich durch die gesamte Gesellschaft und sprengen das solidarische Miteinander“, stellt Henninger fest. Er favorisiert das Ändern des Steuer- und Rentensystems nach Schweizer Muster, in das alle für alle Einkommensformen einzahlen.

Von Gianfranco Fain