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Marburg Bessere Anbindung der Außenstadtteile gefordert
Marburg Bessere Anbindung der Außenstadtteile gefordert
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19:47 28.06.2020
Zwei Künstler des „Fast Forward Theatre“ traten für die Teilnehmer der Tour vor dem Bürgerhaus Gisselberg auf. Quelle: Gianfranco Fain
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Gisselberg

„Vergesst uns nicht, wir sind auch Marburger.“ Mit diesem Appell, verbunden mit dem Wunsch, weiterhin an der Diskussion und Entwicklung von Radwegen beteiligt zu werden, wandte sich Peter Reckling an seine Zuhörer vor dem Bürgerhaus Gisselberg. Geschätzte rund 150 Teilnehmer begrüßte der Sprecher der Arbeitsgemeinschaft Mobilität und Versorgung im Marburger Dorferneuerungsprogramm des Landes (IKEK) dort, die am „Tag der Mobilität“ aus den anderen Außenstadtteilen mit dem Fahrrad anreisten.

Reckling freute sich besonders, dass unter den Gästen auch Vertreter von Behörden wie Hessen Mobil und Landrätin Kirsten Fründt oder am Görzhäuser Startpunkt die der Firma Pharmaserv waren. Denn nur durch gemeinsames Wirken lasse sich die Situation verbessern, führen doch die Verbindungswege von den Außenstadtteilen in die Kernstadt über Landes- und Kreisstraßen oder durch den Landeswald.

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Das Fahrrad ist in der Stadt kaum langsamer als das Auto

Den Alltagsradlern geht es nämlich nicht nur um das Beseitigen von Hindernissen wie Schlaglöchern, Gully-Rosten oder Zufahrten zu Feldwegen, die Berg- und Talfahrt erzwingen, sowie sicheren Querungen vielbefahrener Straßen. Vielmehr geht es ihnen darum, neue Verbindungen entstehen zu lassen – von den Außenstadtteilen in die Stadt und auch zueinander, zu den Arbeitsplätzen auf den Lahnbergen oder am Görzhäuser Hof.

Gerade die Verbindung auf die Lahnberge dient als offensichtliches Beispiel: Vor rund 50 Jahren geplant, entstand eine breite Straße für den Autoverkehr. Bis heute sind der Campus der Universität und das Klinikum für den Rad- und Fußverkehr nicht mit öffentlichen Wegen erschlossen.

Dabei komme man mit dem Fahrrad – einem der alternativen Verkehrsmittel in Zeiten der Klimakrise – von der Stadtmitte auf die Lahnberge in 25 Minuten und sei genauso schnell wie der Stadtbus, mit einem E-Bike benötigt man gar nur 10 bis 15 Minuten – ebenso viel wie mit dem eigenen Auto.

Spies will im Ranking des ADFC unter die Top 10 kommen

Die Zeichen der Zeit hat auch die Stadt Marburg erkannt. Trotz der im Vergleich zu anderen Städten eher ungünstigen Topografie mit vielen Hügeln und engen Straßen sprach Oberbürgermeister Dr. Thomas Spies (SPD) zwei ehrgeizige Ziele aus. Erstens: dass jeder Marburger sich morgens ohne Nachteile aussuchen kann, ob er sich zu Fuß, mit dem Bus, Fahrrad oder Auto fortbewegt. Zweitens: im Ranking des ADFC (Allgemeiner Deutscher Fahrradclub) unter die ersten zehn Städte zu gelangen.

„Dazu müssen wir ganz viel tun“, sagte Spies, obwohl die Stadt im Jahr 2016 vom vorletzten auf einen Platz im vorderen Mittelfeld gelangte. Spies kündigte den Bau von zwei Fahrradstrecken in diesem Jahr an: eine entlang der Uferstraße und eine Nord-Süd-Verbindung auf der Ostseite der Lahn. Zudem fänden „gute Gespräche“ mit Hessen Mobil statt, um die Panorama-Straße zugunsten eines Fahrradstreifens zurückzubauen und zu den Lahnbergen eine Anbindung über die Großseelheimer Straße zu schaffen.

Ferner steige man in die Planung für eine Verbindung Görzhäuser Hof – Sellhof ein. Der Oberbürgermeister warb um Verständnis, dass die Stadt vorwiegend zuerst dort neue Wege baue, wo Firmen ansässig sind, die mit ihren Steuerzahlungen dies erst ermöglichen.

Zwei Routen für die Radler

Die Teilnehmer an der „Tour der Mobilität 2020“ gelangten über zwei Routen nach Gisselberg. Die östliche Route führte von Ginseldorf über Bauerbach, Lahnberge, Schröck, Moischt – wo 35 Radler starteten –, Bortshausen, Ronhausen und das Landratsamt; die westliche Route begann in Michelbach und führte über Görzhäuser Hof, Dagobertshausen, Elnhausen, Hermershausen – wo die Wehrshäuser und Dilschhäuser sich anschlossen – sowie Haddamshausen, wo die Abordnung aus Cyriaxweimar dazukam.

Die Veranstalter schätzten die Teilnehmerzahl auf etwa 150, in die Corona-Listen trugen sich jedoch nur rund 80 Teilnehmer ein.

von Gianfranco Fain

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