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Marburg Birkenpollen fliegen wieder
Marburg Birkenpollen fliegen wieder
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00:17 03.04.2019
Der Flug der Birkenpollen reizt Allergiker. Die Allergie-Saison geht Anfang April auch in der Region los. Quelle: Katja Peters
Marburg

Noch herrscht die Ruhe vor dem (Pollen)-Flug. Doch das wird sich schon sehr bald ändern. „In drei bis fünf ­Tagen geht es auch in der Region Mittelhessen los“, erläutert Professor Oliver Pfaar, Allergie-Spezialist aus der Hals-, Nasen-, Ohrenklinik des Marburger Uni-Klinikums unter Berufung auf den bundesweiten Pollen-Informationsdienst der Charité aus Berlin.

Für die Allergiker, die besonders durch den Pollenflug der frühblühenden Bäume betroffen sind, bedeutet das für die kommenden sechs Wochen höchste Alarmstufe. Laut einer Studie der Universität Wien sind das rund 50 Prozent aller Allergiker. Die Inhaltsstoffe der Birkenpollen, die in den Schleimhäuten Überempfindlichkeitsreaktionen auslösen, sind unterschiedliche Allergene wie vor allem das Hauptallergen mit dem Namen BET VI.

In diesem Jahr hatte es schon einmal ein paar Tage Ende ­Februar, anlässlich eines vorzeitigen Wärmeeinbruchs, vor allem wegen Erlenpollen schon vermehrt stärkere Beschwerden bei Allergiepatienten gegeben, berichtet Pfaar. Nach einer zwischenzeitlichen Beruhigung kommt für sie jetzt zusätzlich zu den bereits angestoßenen Entzündungen noch die Belastung durch den Pollenflug der Birken hinzu.

Medikamente lindern nur die Symptome

Pfaar empfiehlt den Patienten, jetzt prophylaktisch Medikamente einzunehmen, die wirksam sind und die sie gut vertragen. Es gebe mittlerweile eine ganze Batterie von Medikamenten: einerseits Antihistaminika als Tabletten, Nasensprays oder Augentropfen, die die Wirkung der Allergene unterdrücken und besonders bei Reaktionen der Atemwege eingesetzt werden. Eine andere Medikamentgruppe sind die cortisonhaltigen Präparate, die als Nasenspray angewendet entzündungshemmend wirken.

Dabei macht der Mediziner im Gespräch mit der OP deutlich, dass diese Medikamente­ nur akut dazu dienen können, die Symptome zu lindern. Grundlegendere Besserungen hingegen verspreche der Start einer dreijährigen Immuntherapie, die aber erst im Herbst nach dem Ende der Allergiesaison in Angriff genommen werden kann.

Tipps für Allergiker

Sowohl für die Medikation als auch für eine mögliche Immuntherapie ist es aus Sicht von Pfaar dringend erforderlich, dass sich die Patienten an einen Allergologen oder einen Arzt mit einer entsprechenden allergologischen Expertise wenden sollten, um sich individuell beraten zu lassen. Aber nur 15 Prozent der Allergie-Patienten erhalten bisher eine adäquate und zeitgemäße Therapie, berichtet Pfaar.

Unabhängig von medizinischer Hilfe gelten weiter einige Tipps, um die Allergiesymptome zu mildern:

Sinnvoll ist es, in der Pollensaison frühmorgens oder spätabends zu lüften, wenn die Pollen nicht fliegen. Die pollenbelastete Wäsche sollte nicht im Schlafzimmer gelagert werden. Die Fenster im Auto sollten während der Pollensaison nicht geöffnet und die Pollenfilter in der Lüftung regelmäßig gewechselt werden. Bei Urlaubsplanungen sollten Allergiker Orte in der Bergen oder am Meer bevorzugen, weil dort die Pollenbelastung am niedrigsten ist.

von Manfred Hitzeroth