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Marburg „Wir sind da – trotz des Lockdowns!“
Marburg „Wir sind da – trotz des Lockdowns!“
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15:30 01.12.2020
Schauspielerin Zenzi Huber (vorn) und Intendantin Carola Unser (Mitte) im Foyer des Erwin-Piscator-Hauses.
Schauspielerin Zenzi Huber (vorn) und Intendantin Carola Unser (Mitte) im Foyer des Erwin-Piscator-Hauses. Quelle: Uwe Badouin
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Marburg

„Bleib Du mir bitte treu – wie ich Dir“ steht auf einem Plakat an der großen Fensterfront des Erwin-Piscator-Hauses. „Mein Herz sehnt sich so nach Dir“ auf einem weiteren. Die Plakate sind Teil einer „Liebesbriefe“-Aktion des Hessischen Landestheaters Marburg.

Die im Deutschen Bühnenverein organisierten Theater und Orchester haben am Montag, 30. November, einen bundesweiten Aktionstag organisiert. Das Hessische Landestheater beteiligte sich an drei Orten mit „Liebesbriefen“ an der Kampagne, mit der die deutschen Theater und Orchester im Corona-Lockdown deutlich machen wollen: „Wir sind da – trotz des Lockdowns!“

Die Ensemblemitglieder Mia Winterstein, Fanny Holzer, Christian Simon und Daniel Sempf lasen im Theater am Schwanhof Liebesbriefe von Zuschauerinnen und Zuschauern an das Theater. Im Erwin-Piscator-Haus waren Zenzi Huber, die Intendantinnen Eva Lange und Carola Unser sowie Hannah Konrad von der Kostümabteilung zu hören.

Letztere las ihren Liebesbrief an ihr Theater, das ihr als Schneiderin enorme künstlerische Möglichkeiten eröffne. In der Theaterkasse in der Oberstadt waren Romy Lehmann, Jorien Gradenwitz und Robert Oschmann an den Mikrofonen. Übertragen wurden die Liebesbriefe und die Antworten des Theaters per Lautsprecher.

Zeichen von Zuversicht und Verbundenheit

„In dieser gesellschaftlich so herausfordernden Zeit möchten die Theater und Orchester trotz ihrer fortdauernden Schließung aufgrund des weiterhin beunruhigenden Infektionsgeschehens ein Zeichen von Zuversicht, künstlerischer Energie und Verbundenheit zu ihrem Publikum in die Kommunen senden.

In den Theatern und Orchestern wird weiterhin optimistisch und mit der bisher gezeigten Flexibilität und dem ihnen eigenen Verantwortungsbewusstsein auf eine baldige Wiederöffnung hingearbeitet, Produktionen werden geprobt und warten auf ihre Premieren“, heißt es in einer Pressemitteilung der „Intendant*innengruppe im Deutschen Bühnenverein“.

Allein in Marburg sind bisher drei Premieren (vorläufig) gestrichen worden: Das Weihnachtsstück „ Drei Haselnüsse für Aschenbrödel “, die Boulevardkomödie „Der nackte Wahnsinn“ und die Uraufführung „Hannah! Das Erwachsen eines politischen Bewusstseins“. Sie alle waren ursprünglich im November geplant. Die am 5. Dezember geplante Premiere des Musik-Abends „Soundtracks eines Lebens“ kann ebenfalls nicht stattfinden. Wie es im Januar weitergeht, ist offen.

Mit unterschiedlichen künstlerischen (Abstands-)Aktionen, digitalen Aktivitäten und Kampagnen wollten die Initiatoren auf die Bedeutung von Kultur sowie Theatern und Orchestern für den sozialen Zusammenhalt hinweisen und die gesellschaftliche Orientierung und die individuelle Sinnstiftung betonen.

Diskursräume für Demokratie

Dazu gehöre auch die Solidarität mit anderen Institutionen des öffentlichen Lebens, Kultureinrichtungen und freischaffenden Künstlerinnen und Künstlern – „mit all denen, die durch die Situation existenziell bedroht sind“, so der Vorstand der Intendant*innengruppe:

„Theater und Orchester sind offene Diskursräume unserer demokratischen Gesellschaft und eine Einladung, das Verbindende zu suchen und der Polarisierung entgegenzuwirken. Über die Kunst verständigen wir uns darüber, wie wir zusammenleben wollen, üben uns in Empathie und Mut, ermöglichen Teilhabe. Wenn sich die Theater und Orchester zurzeit auch nicht als Orte des Zusammenkommens zur Verfügung stellen können, so möchten sie dennoch einen Impuls von Lebendigkeit geben und ihrem Glauben an die künstlerische Utopie Ausdruck verleihen. Sobald es wieder möglich ist, stehen sie für die künstlerische Aufarbeitung unserer gesellschaftlichen Krise zur Verfügung.“

Alle Liebesbriefe lesen Sie hier: https://www.hltm.de/de/produktion/liebesbriefe

Videoclips mit Eindrücken von den Aktionen der Häuser, die beim Aktionstag mitgemacht haben, werden auf der Internet-Seite https://www.aktionstag.spectyou.com (Verbindung eventuell nicht sicher) gezeigt.

Von Uwe Badouin

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