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Marburg Airbnb-Angebote nehmen zu
Marburg Airbnb-Angebote nehmen zu
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20:10 19.03.2018
Über die Internetseite von Airbnb finden sich zahlreiche Angebote für das sogenannten Home-Sharing in Marburg – Apartments, die als Quasi-Ferienwohnungen vermietet werden. Quelle: Nadine Weigel
Marburg

Laut Magistrat gebe es in Bezug auf die Wohnungsmarktsituation „keine spürbaren Erfolgsaussichten“ nach der Einführung einer Satzung, die Ferienwohnungen reglementiert. „Das ist in Marburg kein wirkliches Problem, hier wird im Gegensatz zu anderen Städten wenig Wohnraum entzogen. Die Wohnungsnot werden wir nur durch den Bau neuer Wohnungen, nicht durch eine solche Satzung bekämpfen können“, sagt Bürgermeister Wieland Stötzel (CDU).

Laut kommunaler Tourismusbehörde MSLT gibt es in der Universitätsstadt derzeit mehr als 100 Ferienwohnungen und Privatzimmer – das sind jene Immobilien, die offiziell für diese Nutzung angemeldet sind. Die Zahl der Quasi-Ferienwohnungen, die über Online-Portale wie Airbnb vermittelt werden, ist jedoch höher.

„Wohnungen sind kein Hotelersatz“

Mehr als 120 Angebote für das ­sogenannte Home-Sharing sind derzeit bei dem bekanntesten ­Übernachtungs-Anbieter gelistet – Tendenz steigend. Die meisten Apartments befinden sich in der Innenstadt, vor allem in Weidenhausen, Südviertel, Oberstadt und nahe den beiden Bahnhöfen. Doch während in den vergangenen Jahren diese Quasi-Ferienwohnungen vor allem im Zentrum zu finden waren, hat sich das Angebot zuletzt auch räumlich stark ausgedehnt, so finden sich auch in Randlagen Wehrdas, Cappels und Marbachs mittlerweile ebenfalls AirBnB-Treffer.

Und eben jene Buchungs-Portale äußern Kritik an Vor­stößen wie in Frankfurt, das eine Ferien­wohnungs-Satzung erlassen hat. Wohnungen dürfen demnach selbst nach behördlicher Genehmigung höchstens sechs Wochen pro Jahr für Geld Touristen überlassen werden. „Wohnungen sind kein Hotelersatz“, heißt es aus dem Magistrat der Mainmetropole.

Angesichts der Wohnungsnot sei es wichtig, die Umwidmung von Wohnraum zu verhindern. Jan Schalauske, Linken-Stadtverordneter, kritisiert die Haltung des Marburger Magistrats zum Thema. „Frankfurt hat sich von seinem Schritt einen wohnungspolitischen Impuls versprochen – und auch wir ­reden doch seit Jahren über Wohnungsnot; und da ist nunmal ­jede Wohnung, die ihrem eigentlichen Zweck entzogen ist, eine zu viel.“

Land Hessen hat kommunale Regelung ermöglicht

Die Kritik von Airbnb: Bei den Vermietern handele es sich überwiegend um Privatpersonen, die beruflich oder privat viel unterwegs seien. „Wenn Reisende bei Home-Sharern wohnen, während diese selbst nicht da sind, wird Wohnraum effizient genutzt“, heißt es in einer Stellungnahme.

Der Hessische Landtag beschloss 2017, dass Kommunen Satzungen zur Regelung von Ferienwohnungen aufstellen können. Diese Satzung muss auch Vorgaben enthalten, unter welchen Voraussetzungen Genehmigungen für Ferienwohnungen ausnahmsweise erteilt werden.

Bis zu der Gesetzesnovelle sind in Marburger Wohngebieten über Jahre eigentlich alle Einrichtungen unzulässig gewesen, selbst jetzt bewegen sich Betreiber in einer Grauzone – weil die Neuregelung nicht auf bestehende, sondern auf neue Ferienwohnungen zielt.

von Björn Wisker