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Marburg Sarah Hashemi sitzt noch immer fest
Marburg Sarah Hashemi sitzt noch immer fest
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08:00 17.09.2021
Taliban-Kämpfer patrouillieren auf einem Markt in der Altstadt von Kabul. Es wird befürchtet, dass Afghanistan nach dem Chaos des vergangenen Monats weiter auf eine Hungersnot und einen wirtschaftlichen Zusammenbruch zusteuern könnte.
Taliban-Kämpfer patrouillieren auf einem Markt in der Altstadt von Kabul. Es wird befürchtet, dass Afghanistan nach dem Chaos des vergangenen Monats weiter auf eine Hungersnot und einen wirtschaftlichen Zusammenbruch zusteuern könnte. Quelle: Bernat Armangue/dpa
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Marburg

Das Schicksal der Menschen in Afghanistan beschäftigt nun auch die Marburger Kommunalpolitik. In einem gemeinsamen Antrag von SPD, Grünen, Marburger Klimaliste und Marburger Linken für die nächste Sitzung des Stadtparlaments heißt es, „die Universitätsstadt Marburg sieht mit großer Sorge die aktuelle Entwicklung in Afghanistan, die nach dem Abzug der Nato-Truppen entstanden ist“.

Die Universitätsstadt Marburg erklärt sich als „Sicherer Hafen“ bereit, Schutzsuchende aus Afghanistan auch über die Regelkontingente hinaus in Marburg aufzunehmen und damit die Einreise zusätzlicher Personen zu ermöglichen, heißt es in dem Antrag für die nächste Sitzung des Stadtparlaments. Und weiter: „Die Universitätsstadt Marburg bekennt sich klar zu den humanitären Werten und dem Recht auf Schutz und Asyl. Zivilgesellschaft und Kommunalpolitik haben unseren Anspruch, sicherer Hafen für verfolgte Menschen zu sein, und unsere Haltung betreffend der Offenheit des Landes für verfolgte Menschen immer wieder deutlich gemacht.“

Nach Auffassung der Universitätsstadt Marburg haben die Bundesrepublik Deutschland und alle Bundesländer, aber letztlich auch die Kommunen eine besondere Schutzverpflichtung gegenüber Menschen, die versucht haben, in Afghanistan Demokratie und die Umsetzung der Menschenrechte zu erwirken, sei es als Ortskräfte, als demokratische Politiker, Menschenrechtsaktivisten, Journalisten und Richter.

Marburger Zahnarzt kämpft weiter für seine Frau

Das gleich gelte auch für die Menschen, die als Angehörige von Deutschen oder langjährig in Deutschland lebenden Menschen einem besonderen Risiko ausgesetzt sind – so wie Sarah Hashemi (22), die Ehefrau des Marburger Zahnarztes Habibi Naqibullah (32). Seit Wochen kämpft Naqibullah darum, dass seine Frau das Land verlassen darf, hat alle möglichen Stellen eingeschaltet – bislang ohne Erfolg. Marburgs Oberbürgermeister Dr. Thomas Spies (SPD) sagte gestern, es gebe „keine neuen Erkenntnisse“ im Falle der jungen Frau. Naqibullah ist verzweifelt. Er hatte zuletzt noch Kontakt zu seiner Frau, die sich in Kabul in einem Keller bei ihrer Familie vor den Taliban versteckt, rechnete am Donnerstag (16. September) aber im Gespräch mit der OP nicht damit, dass seine Frau schnell ausreisen kann. „Das Visum muss meine Frau erreichen“, sagte er. Offenbar ist dies im Moment nicht zu gewährleisten.

„Die Universitätsstadt Marburg fordert Bund und Länder auf, alle Möglichkeiten des Rechts, der Diplomatie und der Unterstützung zivilgesellschaftlicher Organisationen zu nutzen, um Schutzbedürftigen Wege aus Afghanistan schnellstmöglich zu ermöglichen“, heißt es deswegen in dem Resolutionsentwurf. Dazu gehörten auch grenznahe, unbürokratische Verfahren für die Ermöglichung der Einreise in die Bundesrepublik „Wir wollen auch in der Form Hilfe anbieten, die wir als Kommune leisten können“, heißt es in der Resolution.

Land Hessen könnte konkrete Lösungen schaffen

Durch das im Koalitionsvertrag der Hessischen Landesregierung vereinbarte Landesaufnahmeprogramm könnten konkrete Lösungen für Menschen geschaffen werden, bei denen der formale Nachweis einer Schutzbedürftigkeit schwierig ist.

Der Magistrat hat unterdessen 5000 Euro für die Organisation Luftbrücke zur Verfügung gestellt, um zu unterstützen, dass sie noch Menschen aus Afghanistan rausholt. „Die Stadtverordnetenversammlung unterstützt nachdrücklich die bereits seit August laufenden Bemühungen des Magistrats, Menschen konkret bei der Flucht aus Afghanistan mit allen der Kommune verfügbaren Mitteln zu unterstützen“, erhält der Magistrat Unterstützung für seine Haltung.

Von Till Conrad

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