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Marburg Noch keine Entscheidung über Pläne für Seniorenheim
Marburg Noch keine Entscheidung über Pläne für Seniorenheim
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21:30 10.04.2019
Zum Kulturstandort am Afföller gehören das Café Trauma und das „Theater neben dem Turm“. Die beiden freien Träger gehören zur alternativen Kulturszene Marburgs. Quelle: Thorsten Richter
Marburg

Die Debatte um die Errichtung eines privaten Seniorenheims durch die MPG, eine Tochterfirma der Pohl-Stiftung, geht weiter. In einem Offenen Brief kritisieren jetzt nach den Einwänden der ­Oppositionsfraktionen Grüne und Marburger Linke im Stadtparlament nun auch die Verantwortlichen des Kulturzentrums Café Trauma, dass hier vonseiten der Politik eine Entscheidung „überstürzt“ werde. Das Trauma und das freie „Theater neben dem Turm“ befinden sich in zwei Gebäuden auf dem Gelände an den ­Afföllerwiesen, das unmittelbar an die Fläche angrenzt, auf der den MPG-Plänen zufolge das Seniorenheim und ein Parkhaus errichtet werden könnte. Auch Probenräume des „MusikerInnenvereins“ befinden sich auf dem Gelände.

Die unmittelbare Nähe zu einem möglichen Seniorenheim könne zumindest mittelfristig­ Konflikte an dem Standort ­Afföller heraufbeschwören, befürchten die Verantwortlichen des Kulturzentrums. Dabei gebe es bisher ein gutes Verhältnis mit den „Trauma“-Nachbarn, das auf „Toleranz, Akzeptanz und Rücksichtnahme“, basiere, so der Offene Brief. Bei größeren Veranstaltungen wie beispielsweise dem „OpenEyes“-Filmfest würden im Vorfeld maximale Lautstärken festgelegt und eingehalten. Dasselbe gelte auch für Parties, Konzerte oder andere „tendenziell lautere“ Veranstaltungen. Auch in der Sitzung des Bauausschusses am Donnerstag vergangener Woche waren die Bedenken der freien Kulturträger ein Thema.

FDP zeigt sich überrascht von Plänen

So zeigte sich Christoph Ditschler (FDP) sehr überrascht von den Plänen. „Eine Seniorenresidenz neben dem Café Trauma“: Das sei schon eine sehr eigenwillige Kombination. Ditschler hegte die Befürchtung, dass damit langfristig gesehen Klagen wegen Lärmschutz vorprogrammiert seien. Das sah auch Renate Bastian (Marburger Linke) so: „Wenn im Trauma bis in die Nacht Veranstaltungen stattfinden, dann gibt es ­automatisch Konflikte“.

Und Christian Schmidt (Grüne) formulierte es so: „Im schlimmsten Fall ist das ein Todesurteil für die Kulturträger“. Diese Sorge sei aber ein Ausschlusskriterium für diese­ Art der Bebauung. Schmidt plädierte deswegen dafür, das ­Afföllergelände in öffentlicher Hand zu behalten.

Dazu entgegnete Oberbürgermeister Dr. Thomas Spies (SPD), dass der Magistrat bisher noch gar nichts plane, sondern nur gebeten worden sei, eine Idee zu prüfen. Wenn daraus eine Win-Win-Situation werde, dann sei dies schön – wenn nicht, dann seien die Planungen nicht zu verwirklichen.

Die Vorschläge müssten aber auf jeden Fall immer auf Akzeptanz in der Nachbarschaft und bei den Gremien stoßen, machte Oberbürgermeister Dr. Thomas Spies (SPD) deutlich. Bisher liege alleine der Wunsch vor, mit der Stadt Marburg über einen Vertrag zu verhandeln.

Bisher liege dem Magistrat nur die grobe Zeichnung vor, die auch in der OP veröffentlicht worden sei.

„Mehr Planungen kennen wir auch nicht“, betonte Spies. Jetzt warte die Stadt darauf, dass der potenzielle Investor für das Afföllergelände seine Hausaufgaben mache und detaillierte Planungen vorlege.

Spies: "Niemand will Kulturstandort verkaufen"

Spies betonte aber auch, dass man in dieser Angelegenheit auch mit den drei Kulturanliegern, dem Café Trauma, der Theaterwerkstatt und dem „MusikerInnenverein“ im Gespräch sei. „Niemand denkt daran, den städtischen Kulturstandort zu verkaufen“, stellte der OB klar. Es sei jetzt die Aufgabe des ­Investors, überzeugende Vorschläge dafür zu machen, dass der Kulturstandort nicht gefährdet werde. Das betreffe einerseits das Thema Schallemissionen und andererseits die räumliche Gestaltung der möglichen neuen Gebäude.

Shaker Hussein (SPD) betonte, dass ausdrücklich ein Bericht des Magistrats gefordert werde.

Es solle dafür gesorgt werden, dass die bestehenden Kultureinrichtungen in ihrer bisherigen Tätigkeit durch eventuelle Veränderungen nach einer Veräußerung des angrenzenden Grundstücks nicht eingeschränkt werden.

von Manfred Hitzeroth