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Marburg Stadt weiß seit Herbst von Kaufinteresse
Marburg Stadt weiß seit Herbst von Kaufinteresse
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00:19 24.05.2019
Die Pohl-Stiftung MPG will auf dem Parkplatz Afföller ein Parkhaus und ein Seniorenwohnheim errichten. Foto: Thorsten Richter
Die Pohl-Stiftung MPG will auf dem Parkplatz Afföller ein Parkhaus und ein Seniorenwohnheim errichten.  Quelle: Thorsten Richter
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Marburg

Noch Anfang März berichtete die OP, der Stadt liege keine Kaufvoranfrage für das Afföllergelände vor. Das hatte die Pressestelle der Stadt Marburg auf OP-Anfrage erklärt.

Aber: Bereits Ende November hatte Bürgermeister und Baudezernent Wieland Stötzel (CDU) in einem Schreiben an die Marburger Gesellschaft für Projektförderung (MPG) die „grundsätzliche Unterstützung“ der Stadt für den Verkauf der städtischen Flächen am Afföller und der Errichtung eines Parkhauses bestätigt.

Die MPG ist eine Tochtergesellschaft der Familienstiftung Anneliese und Dr. Reinfried Pohl. Aus dem Schreiben geht hervor, dass die MPG bereits im September 2018 ihr Interesse an dem Grundstück Afföllerwiesen 3 geäußert hatte.
Eine Kaufanfrage gebe es nicht, hatte Stötzel Anfang des Jahres gegenüber der OP erklärt. Stötzel ist zurzeit im Krankenstand, bestätigte jene Aussage aber diese Woche auf Nachfrage der OP.

Kontakt war nichts Besonderes

Stötzel hatte damals auch berichtet, dass es keine Bauvoranfrage gebe. Rein rechtlich ist die MPG unabhängig von der DVAG, gehört aber natürlich zum Firmengeflecht der Familie Pohl.

Fest steht jedenfalls, dass die MPG wenige Tage nach dem Dementi von Stötzel ihre Pläne öffentlich vorstellte. „Seniorenheim soll Parkplatz aufwerten“, schrieb die OP in ihrer Ausgabe vom 21. März über die Pläne. Die MPG will auf einer Teilfläche des jetzigen Parkplatzes eine Seniorenresidenz mit rund 70 Plätzen und ein Parkhaus mit etwa 160 Stellplätzen bauen.

In seinem Brief an die MPG hatte Stötzel zugleich im November 2018 darauf hingewiesen, dass „die vorhandene Nachbarschaftsnutzung“ – mit anderen Worten die benachbarten Kulturanbieter – „in der Weise berücksichtigt werden, dass künftige Konflikte weitgehend ausgeschlossen werden“. Die MPG hatte genau dies später gegenüber der OP zugesagt.

Fest steht aber auch, dass es bereits im vergangenen Herbst Kontakt zwischen der MPG und der Stadt gegeben hatte. „Es gibt auch immer wieder Interessensbekundungen hinsichtlich städtischer Flächen“, erläuterte der Bürgermeister.
Die Bauverwaltung gebe Interessenten „auf Anfrage auch eine Einschätzung, ob ein solcher Verkauf überhaupt denkbar ist und welche verschiedenen Fragestellungen dabei besonders zu bedenken sind“.

So sei es auch mit der Anfrage der MPG geschehen, sagte Stötzel, das sei aber nichts Besonderes: „Es gibt seit vielen Jahren immer wieder Überlegungen zur Entwicklung des Areals durch die Stadt selbst, eine städtische Gesellschaft oder Dritte.“

Nachdem die MPG ihre Pläne öffentlich vorgestellt hatte, hatte sich auch die Politik mit dem Fall befasst.
Oberbürgermeister Dr. Thomas Spies (SPD) sagte, zu einer Verwirklichung der Pläne könne es nur dann kommen, wenn das Stadtparlament nacheinander drei Punkten zustimme: einem Verkauf des städtischen Geländes, einem städtebaulichen Vertrag sowie einem neuen Bebauungsplan für das Areal.

Stadtwerke sollen Parkhaus bewirtschaften

Mehrheitlich stimmten damals SPD, CDU und BfM für ihren Antrag, dass der Magistrat bei Verhandlungen darauf achten solle, den Kulturstandort zu sichern und auch die Bewirtschaftung eines möglichen Parkhauses auf jeden Fall in der Bewirtschaftung der Stadtwerke zu belassen.

Einen möglichen Beschluss zum Verkauf der Fläche könne auch nur das Stadtparlament fassen, sagte Stötzel in dieser Woche.

„Die Flächen bilden einen wichtigen Baustein im Parkraumbewirtschaftungskonzept der Stadtwerke“, sagte Stadtwerke-Geschäftsführer Norbert Schüren.      


von Till Conrad