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Marburg Äthiopien-Konflikt: Terra Tech muss Hilfsprojekt stoppen
Marburg Äthiopien-Konflikt: Terra Tech muss Hilfsprojekt stoppen
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17:00 09.11.2021
Schulbildung, Lebensmittel und Aufklärung: Die Hilfsprojekte von Terra Tech und der Partner-Organisation Kelem Ethiopia in Äthiopien stehen wegen des anhaltenden Konflikts still.
Schulbildung, Lebensmittel und Aufklärung: Die Hilfsprojekte von Terra Tech und der Partner-Organisation Kelem Ethiopia in Äthiopien stehen wegen des anhaltenden Konflikts still. Quelle: Privatfoto
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Marburg

Der seit einem Jahr andauernde gewaltsame Konflikt in Äthiopien wirkt sich mittlerweile direkt auf die Arbeit der heimischen Hilfsorganisation Terra Tech aus. Die Projektregion der Marburger NGO liegt nun im Zentrum der Kämpfe zwischen den früheren Machthabern und der aktuellen Regierung. Die Bildungsarbeit des Vereins liegt brach.

Die Partner-Hilfsorganisation „Kelem Ethiopia“ vor Ort ist in arge Bedrängnis geraten, was genau in den Krisengebieten vor sich geht, ist laut Terra Tech nur schwer zu erfahren. Es herrscht praktisch Funkstille, der Kontakt zu den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern ist abgebrochen: „Seit Sonntag gibt es keine Informationen mehr, Telefon und Internet sind komplett abgeschaltet,“ berichtet Abdulaziz Aragie den deutschen Partnern. Der 40 Jahre alte Direktor von „Kelem Ethiopia“ behält die verzweifelte Lage von der Hauptstadt Addis Abeba aus im Blick.

Am vergangenen Wochenende haben Rebellen der Tigray-Befreiungsfront die strategisch wichtigen Städte Dessie und Kombolcha eingenommen. Die Regierung hat den landesweiten Notstand ausgerufen. Jeglicher Verkehr Richtung Addis Abeba sei verboten, selbst Fußmärsche. „Hier geht die Angst um. Wir wissen nicht, wer in den nächsten Tagen die Oberhand behält. Wir fürchten uns vor einem Bürgerkrieg“, sagt Aragie. Aber noch mehr sorge er sich um seine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Kombolcha.

Trainingsinstitut steht vor Fertigstellung

Aus dem dortigen Büro werden die Bildungsprojekte der beiden Partner koordiniert. In den letzten Jahren hat Terra Tech mit Kelem die Bildung für Schüler und Schulabgänger gefördert, unter anderem Schulen mit neuem Mobiliar ausgestattet und Lehrkräfte geschult. Ein Trainingsinstitut, in dem Jugendliche und junge Erwachsene eine Ausbildung absolvieren können, steht kurz vor der Fertigstellung. „Wir haben tolle Erfolge erzielt. Es tut weh, zu sehen, dass diese nun in Gefahr sind“, sagt Leonie Dylla, Projektleiterin von Terra Tech.

Die Organisation beobachte die kriegerische Auseinandersetzung in Äthiopien schon länger mit Sorge: „Ein Nothilfe-Projekt für Geflüchtete aus dem Norden war für November geplant. Dass Dessie und Kombolcha selbst so schnell ins Zentrum des Konfliktes geraten, hat niemand erwartet“, erklärt Dylla. Nahrungsmittel und Trinkwasser könnten nun nicht verteilt werden, den für Dezember geplanten Flug nach Äthiopien werde sie wohl absagen müssen.

„Surreal, verrückt und besorgt“, so beschreibt Chris Schmetz, Pressesprecher von Terra Tech, seine Gefühlswelt. Vor zwei Jahren hat er ein Medientraining in Kombocha geleitet und die Projekte vor Ort dokumentiert, nun sorge er sich um seine Freunde vor Ort. „Während der Reise war ich in Dessie für eine Untersuchung im Krankenhaus. Mir vorzustellen, dass dort nun Krieg herrscht, fällt schwer“, sagt Schmetz.

Die Mitglieder hoffen nun, dass schnell wieder Informationen aus dem Krisengebiet kommen und neue Hilfsangebote möglichst schnell geplant werden können. Denn der Hilfsbedarf vor Ort sei groß, „bewaffnete Konflikte bringen immer Leid. Leid, das wir lindern wollen.“

Weitere Informationen unter www.terratech-ngo.de

Von Ina Tannert

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