Ärztlicher Bereitschaftsdienst: Lange Wege, lange Wartezeiten
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Marburg Lange Wege, lange Wartezeiten
Marburg Lange Wege, lange Wartezeiten
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14:00 20.12.2019
Viele Arztpraxen werden vor, an und nach den Feiertagen geschlossen bleiben. Wer sich krank fühlt, sollte dann den Ärtzlichen Bereitschaftsdienst in Marburg aufsuchen.  Quelle: Thorsten Richter
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Marburg

­Brückentechnisch gesehen bietet der Kalender in diesem Jahr eine noch günstigere Konstellation als im Dezember 2018. Damals fiel Heiligabend auf einen Montag, der 31. Dezember ­ebenso. Die Folge war, dass viele Arztpraxen im Kreisgebiet vom 23. Dezember bis Anfang Januar geschlossen blieben und nur wenige Ärzte eine Vertretung übernahmen.

Zwar sicherte der Ärztliche Bereitschaftsdienst die Versorgung der Erkrankten, doch aufgrund der vielen geschlossenen Praxen ballten sich die Patienten auf den Lahnbergen. Wartezeiten von einer Stunde nur zum Anmelden und Einreichen der Versichertenkarte waren keine Seltenheit. Die Schlangen reichten vom Schalter fast bis zum Nebeneingang des Universitätsklinikums.

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Dieses Jahr liegen die Feiertage noch günstiger, sodass mit wenigen Schließungstagen die Praxen vom 23. Dezember bis 5. Januar nicht zugänglich sind. Möglich macht dies eine Regelung der Kassenärztlichen Vereinigung Hessen (KVH), die den 23., 27. und 30. Dezember als Brückentage festgelegt hat, an denen der Ärztliche Bereitschaftsdienst die Versorgung der Patienten übernimmt, erklärt Alexander Kowalski von der KVH. Praxeninhaber, die am 3. und 4. Januar keine Patienten behandeln wollen, müssen dagegen wie bei jeder anderen urlaubsbedingten Praxisschließung für einen Vertreter sorgen und diesen bekanntgeben, ergänzt Kowalski.

Hintergrund

Die Kassenärztliche Vereinigung (KV) ist gemäß Buch V des Sozialgesetzbuches verpflichtet, die Versorgung der Patienten auch zu sprechstundenfreien Zeiten sicherzustellen. Dafür gibt es den Ärztlichen Bereitschaftsdienst (ÄBD). Der ÄBD obliegt der KV Hessen anhand der sogenannten Bereitschaftsdienstordnung. Diese regelt, dass der ÄBD auch Brückentage, die der Vorstand der KV beschließt, abzudecken hat. Die Brückentage kann der Vorstand frei festlegen. Die Brückentage geben den Ärzten die Möglichkeit, die Praxen zu schließen. Eine Pflicht besteht nicht.

Quelle: Kassenärztliche Vereinigung Hessen

Wie viele der 604 Ärzte im Landkreis, davon 361 in Marburg, diese Möglichkeit nutzen, ist weder der KVH noch der in Marburg ansässigen Ärztegenossenschaft „Prima“ bekannt. Deren rund 330 Mitglieder konnten auf freiwilliger Basis melden, ob und wie lange sie ihre Praxen „zwischen den Jahren“ schließen wollen. Die Auflistung in der aktuellen Prima-Broschüre zeigt ein uneinheitliches Bild, dessen Bandbreite vom 20. Dezember bis zum 10. Januar reicht.

Informationen, ob eine Praxis geöffnet ist, erhalten die Patienten unter den jeweiligen Telefonnummern. Ist die Praxis über die Feier- und Brücken­tage hinaus geschlossen, erfahren die Patienten in der Regel entweder über den Anrufbeantworter oder einen Aushang den Namen und die Anschrift des Vertretungsarztes.