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Marburg Ärztehaus mit einem Dutzend Praxen und drei OP-Sälen
Marburg Ärztehaus mit einem Dutzend Praxen und drei OP-Sälen
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12:59 03.07.2022
Uwe Happel steht kurz vor der Fertigstellung in einem der drei hochmodernen Operationssälen des „Ärztehauses 2.0“.
Uwe Happel steht kurz vor der Fertigstellung in einem der drei hochmodernen Operationssälen des „Ärztehauses 2.0“. Quelle: Nadine Weigel
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Marburg

Montagmittag, 12.30 Uhr: Im „Ärztehaus 2.0“, dem Neubau von Uwe Happel am Krekel in Marburg, wird auf allen Etagen gesägt, gehämmert, geschliffen, montiert. Dutzende Handwerker sind zugange, arbeiten auf Hochtouren. „Und das gerade rund um die Uhr“, sagt Happel im Gespräch mit der OP. „Am Freitag sind wir weitestgehend fertig.“ Und in der Tat: Nur vier Tage später empfängt der Marburger Gesundheitsunternehmer mit seiner Familie Ärzte und Dienstleister, die sich künftig im Gesundheitszentrum ansiedeln werden. Gemeinsam mit seinen Enkelkindern durchschneidet Happel an der Treppe des großen Atriums ein symbolisches Band – schon in wenigen Tagen werden die ersten Praxen oder auch das Hörstudio Suffert im Erdgeschoss eröffnen.

Die Idee zum neuen Ärztehaus hatte Happel schon seit geraumer Zeit, „denn uns fehlte schon immer ein eigenes Operationszentrum“. Und Ende 2018 konnte er sie konkreter weiterverfolgen. Denn das ehemalige Auktionshaus am Krekel stand zum Verkauf – „diese Chance haben wir genutzt“. Gemeinsam mit dem Architekten Stefan Rover ging es an die Projektierung, die ein gutes Jahr lang dauerte.

Die letzten Arbeiten am Ärztehaus des Gesundheitszentrums Marburg laufen. Quelle: Nadine Weigel

Was treibt Happel an? „Ich hatte schon als Physiotherapeut für meine Patienten immer die Vision, eine optimale Versorgung zu haben.“ Vor diesem Hintergrund sei 1993 das Therapiezentrum Reha Fit gegründet worden. Und auch sämtliche Erweiterungen des Gesundheitsstandorts am Krekel – Fitnessstudio, Ärztehaus, Marburger Medizinisches Versorgungszentrum und nun das Ärztehaus 2.0 – folgten dieser Maxime.

Entsprechend gibt es durch die Ärzte, die nun das neue 3 750 Quadratmeter große Zentrum beziehen, „hervorragende Synergien für den gesamten Gesundheitsstandort“. Bildgebende Diagnostik mit MRT, CT und Röntgen ist in den Standort integriert, es gibt unter anderem eine HNO-Praxis, Neurologie und Rheumatologie sind ebenso vertreten wie Zahnheilkunde, Mund-Nasen-Kiefer-Chirurgie und Kardiologie.

Auch Allgemeinmedizin und Dermatologie finden sich im neuen Ärztehaus. Und mit dem Sanitätshaus Lückenotto „gibt es nicht nur eine gute Orthesenversorgung, sondern zum Beispiel auch eine hochmoderne 4D-Wirbelsäulenvermessung und eine umfassende Diagnostik des Bewegungsapparats“. Happel verdeutlicht: „Der Patient kann auf kürzestem Wege zahlreiche Facharztbesuche koordiniert durchlaufen.“

Auch im Gesundheitswesen gehe der Trend mittlerweile dahin, mehr Behandlungen ambulant vorzunehmen. „Das stellen sich viele Menschen leicht vor – dabei ist es ein hochkomplexer Vorgang. Die Anforderungen sind enorm – und wir können sie hier aufs Beste erfüllen“, sagt Uwe Happel. Denn das Gesundheitszentrum sei mit dem modernsten technischen Gerät ausgestattet. Happel verweist in diesem Zusammenhang beispielsweise auf die drei Operationssäle, „die für die Region einzigartig sind“. Selbst an hochauflösende Kameras wurde gedacht, „um beispielsweise den Blick auf Operationen auch für Fortbildungen oder in Kooperation mit dem Klinikum für Studierende zu ermöglichen“. Und: Selbst eine eigene Sterilisationsabteilung auf Klinik-Niveau hat das Gesundheitszentrum, „damit wir nicht von einem Dienstleister abhängig sind“. Denn für Happel steht fest: „Wie wichtig Hygiene ist, wurde uns allen in den vergangenen Pandemie-Jahren ganz deutlich vor Augen geführt. Daher steht sie hier gemeinsam mit der medizinischen Versorgung an oberster Stelle.“

Die letzten Arbeiten am Ärztehaus des Gesundheitszentrums Marburg laufen. Quelle: Nadine Weigel

Architekt Stefan Rover verdeutlicht: „Erster Spatenstich war im Dezember 2020. Ich hätte nicht geglaubt, dass es in so kurzer Zeit möglich ist, ein so komplexes Gebäude zu errichten.“ Doch es hat geklappt. „Ich denke, es war sehr wichtig, dass wir unglaublich eng mit den Marburger Behörden kommunizieren konnten. Flexible Planungsprozesse wurden von der Stadt immer unterstützt – wir haben im Grunde mit Erteilen der Teilbaugenehmigung mit dem Bau beginnen können“, so der Architekt.

Als die Planungen für das Gesundheitszentrum losgingen, war weder an Corona zu denken – geschweige denn an einen Krieg in der Ukraine. Beide Ereignisse hatten jedoch unmittelbare Auswirkungen auf das Bauprojekt, denn Baubeginn war im Dezember 2020. Jochen Schröder, Projektleiter und Geschäftsführer von Gade, erläutert: „Wir haben dadurch extreme Preissteigerungen erfahren, und es gab auch Probleme mit der Disposition von Material. Das führt uns bis zum heutigen Tag immer noch an die Grenzen.“ Dennoch hätten sich die am Bau beteiligten Unternehmen den Herausforderungen gestellt und sie gemeistert.

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Schröder sagt im Gespräch mit der OP: „Eigentlich sollten die Flächen erst an diesem Freitag an die Mieter übergeben werden. Doch einige sind auch mit der Bitte an uns herangetreten, dies schon früher zu tun, um die Praxen einzurichten. Daher haben wir bereits am 20. Juni die ersten Flächen übergeben.“ Bis Ende Juli sollen nicht nur alle Ärzte die Arbeit aufgenommen haben – „dann soll auch der Operationsbetrieb hier im OP-Zentrum starten.“

Von Andreas Schmidt