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Marburg Acht Filialen sind nicht mehr zukunftsfähig
Marburg Acht Filialen sind nicht mehr zukunftsfähig
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08:48 08.10.2021
Die Sparkasse wird innerhalb von Niederweimar umziehen. Das bestehende Gebäude wird aufgegeben. Die neue Filiale wird dann im Einkaufszentrum am Dorfrand Richtung Gisselberg zu finden sein.
Die Sparkasse wird innerhalb von Niederweimar umziehen. Das bestehende Gebäude wird aufgegeben. Die neue Filiale wird dann im Einkaufszentrum am Dorfrand Richtung Gisselberg zu finden sein. Quelle: Foto: Götz Schaub
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Marburg

Noch einmal nach 2016 wird die Sparkasse acht Einrichtungen im Landkreis aufgeben, teilweise samt Geldautomat-Standort. Das ist die eine Seite der Geschichte, die nun dazu geführt hat, dass es einen offenen Brief der 21 Bürgermeister und der einen Bürgermeisterin aus dem Landkreis Marburg-Biedenkopf an die Mitglieder des Verwaltungsrats der Sparkasse Marburg-Biedenkopf gibt, in dem sie darum bitten, dass die angedachten Schließungen nochmals thematisiert und überdacht werden, „mit dem Ziel, den Strukturwandel gemeinwohlorientierter auszugestalten“.

Die Bürgermeister argumentieren, dass sich die Sparkasse „grundlegend“ von Geschäftsbanken unterscheide, weil sie ein öffentliches Unternehmen in Form einer Anstalt des öffentlichen Rechts sei, das zu hundert Prozent kommunal getragen werde und dem Gemeinwohl verpflichtet sei. Mangelnde Wirtschaftlichkeit einzelner Standorte dürfe daher kein alleiniges Entscheidungskriterium sein. Es gehe darum, dass in allen Kommunen Basisfinanzdienstleistungen angeboten werden, wozu auch eine Bargeldversorgung gehöre.

Die andere Seite der Geschichte, die Bürgerinnen und Bürgern möglicherweise nicht so sehr bekannt ist, wohl aber den Bürgermeistern und der Bürgermeisterin, findet im Brief keine Erwähnung. Es ist nicht so, dass sich die Sparkasse auf einem Rückzug aus der Fläche befindet. Das Gegenteil ist der Fall, sie stellt sich modern und zukunftsorientiert auf und investiert an mehreren Standorten im Landkreis in neue Niederlassungen, sagt Andreas Bartsch, Vorstandvorsitzender in der Sparkasse Marburg-Biedenkopf.

An den neuen Standorten wird den Kundinnen und Kunden ein Gesamtpaket an Service, Beratung und Leistungen angeboten, was in einer Ein-Personen-Filiale völlig unmöglich ist, so Bartsch. Man könne heutzutage nicht mehr von vielen Finanzthemen nur ein bisschen Ahnung haben, sie seien zu vielfältig geworden und entwickelten sich immer weiter. An den neuen Standorten sind Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Einsatz, die ihre speziellen Themengebiete haben, bei denen sie als Experte stets auf dem neuesten Stand sind.

Sparkasse bietet Geldbringservice an

„Um unseren Kundinnen und Kunden das bestmögliche Angebot machen zu können, müssen wir auch darauf achten, unseren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern attraktive Arbeitsfelder und Arbeitsplätze zur Verfügung zu stellen, an denen sie sich wohl fühlen und gerne arbeiten. Zur Wahrheit gehört auch, dass niemand mehr seine berufliche Zukunft in einer Ein-Personen-Filiale sieht“, sagt Bartsch.

Die Filialen, die aufgegeben werden, sind baulich und technisch ins Hintertreffen geraten, und werden auch schon lange nicht mehr in dem Maße wie früher aufgesucht, so dass es keinen Sinn mehr macht, sie noch einmal aufzurüsten. „Wenn wir dann auch noch den Geldautomaten aufgeben, hat das eine Vorgeschichte“, sagt Andreas Bartsch. Und die Vorgeschichte endet in einer nüchternen Auswertung der Benutzerzahlen, die belegen, dass der Ausgabeort immer seltener genutzt wird. „Es ist allerdings nicht so, dass wir den wenigen Nutzern, unter denen sicher viele ältere Personen sind, keine Alternative anbieten. Die ist sogar weit bequemer, denn es handelt sich dabei um einen kostenfreien Geldbringservice direkt an die Haustür“, so Bartsch. Auch beinhalte der Kundenservice Gespräche am Telefon oder gar Hausbesuche, die es insbesondere für ältere Menschen auch einfacher machen. „Es verliert niemand Kontakt durch die Schließung der acht Kleinstfilialen. Alle unsere Kunden sind uns wichtig, schließt Bartsch.

Wenn eine Bank einen Geldautomaten abbaut, sei das sicher immer ein Einschnitt, das sei zu verstehen, doch es sei eben auch das Resultat eines veränderten Nutzerverhaltens, dem man Rechnung tragen müsse. Immer mehr Leute verzichten auf Bargeld, erledigen alles mit der Karte oder dem Handy.

Und doch ist die Sparkasse weiterhin die Bank, die das umfassendste Netz im Landkreis besitzt, daran werden auch die Schließungen der kleinen Filialen nichts ändern. Man sei mit 25 Standorten und mehr als 90 Geldautomaten im Landkreis präsent. Es wird zudem aktuell investiert in Heskem, Stadtallendorf, Kirchhain, Neustadt, Rauschenberg, Dautphe und Niederweimar. Bartsch kündigt an, dass gewünschte Gespräche mit den Gremien vor Ort immer von Sparkassenseite aus wahrgenommen werden. Bis jetzt habe sich für alle Fragen immer eine Lösung gefunden.

Die Orte, in denen Filialen geschlossen werden

Acht Filialen im Landkreis Marburg-Biedenkopf werden zu verschiedenen Terminen bis voraussichtlich April 2022 geschlossen. Die konkreten Schließungstermine werden den Kunden rechtzeitig vorab per persönlichem Schreiben bekanntgegeben, informiert die Sparkasse Marburg-Biedenkopf.

Das sind die Standorte: Großseelheim (Geldautomat bleibt), Klinikum (Geldautomat bleibt), Mardorf, Wohra, Kirchvers, Lixfeld, Münchhausen sowie Weidenhausen. In den sechs zuletzt genannten Orten wird es nach den Planungen auch keinen Geldautomaten der Sparkasse mehr geben.

Von Götz Schaub

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