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Marburg Abschiebung von Pflegekraft irritiert
Marburg Abschiebung von Pflegekraft irritiert
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16:00 21.08.2019
Archivbild: Mohammad Irfan. Quelle: Nadine Weigel
Marburg

Der Fall des 22-jährigen Pakistaners Irfan könnte eigentlich ein Paradebeispiel für die gelungene Integration Geflüchteter sowohl in die Gesellschaft als auch in den Arbeitsmarkt sein. Was sagen Landkreis Marburg-Biedenkopf und Arbeitsagentur Marburg dazu, die gemeinsam das Arbeitsmarktbüro für Flüchtlinge auf den Weg gebracht haben? Gerhard Wenz, Bereichsleiter bei der Arbeitsagentur, verdeutlicht: „Auf dem Arbeitsmarkt gibt es einen immensen Fachkräftemangel in den Pflegeberufen – und das bundesweit.“ Alleine im Landkreis seien derzeit 70 freie Stellen gemeldet.

Die einjährige Ausbildung, die Mohammad Irfan derzeit am Uni-Klinikum absolviere, „ist ja der Einstieg und der Grundstock in die examinierte Ausbildung sowohl in der Alten- als auch in der Krankenpflege. Und häufig schlagen Helfer genau diesen Weg ein und machen weiter“, sagt Wenz. Es sei schon ein Stück weit verrückt, dass vor dem Hintergrund der drohenden Abschiebung Mohammad Irfans „Arbeitsminister Hubertus Heil persönlich in das Kosovo reist oder auch Leiter von lokalen Einrichtungen im Ausland um Pflegekräfte werben“. Zuvor bezeichnete bereits UKGM-Betriebsrat Peter Ducke die gängige Praxis als „absurd“, im Ausland Kräfte anzuwerben und vorhandene Arbeitskräfte gleichsam aus Deutschland abzuschieben.

Ab 2020 Bleiberegelung bei Helferausbildungen

Der Erste Kreisbeigeordnete und zuständige Dezernent Marian Zachow (CDU) möchte sich nicht zum konkreten Fall äußern. „Grundsätzlich halte ich es aber für eine gute Entscheidung, dass ab kommendem Jahr auch Helferausbildungen dazu führen, dass es eine Bleiberegelung gibt“, sagt er. Das sei bisher nur bei Ausbildungen im Dualen System der Fall. „Wir haben aufgrund der Arbeitsmarktsituation und der guten Integrationserfolge schon immer über Parteigrenzen hinweg für eine solche Regelung geworben.“

Prinzipiell seien Geflüchtete, die sowohl gesellschaftlich als auch auf dem Arbeitsmarkt gut integriert seien, „echte Positivbeispiele. Da ist es abstrus, dass ein Unterschied zwischen dualer und der Helferausbildung gemacht wird – umso besser, dann auch künftig die ,kleine Ausbildungen‘ zählen“, erläutert der Kreisbeigeordnete.

von Andreas Schmidt