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Marburg 150 Menschen protestieren gegen Autobahnbau
Marburg 150 Menschen protestieren gegen Autobahnbau
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19:46 28.06.2020
Rund 150 Personen demonstrierten am Samstag gegen den Weiterbau der A 49. Quelle: Nadine Weigel
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Marburg

Die Wut entlädt sich vor dem Parteibüro der Grünen in der Frankfurter Straße. „Lügnerin! Wir lassen uns doch nicht von euch veralbern“, schreit Barbara Schlemmer als Wortführerin der A-49-Gegner in Richtung Hessens grüner Ministerin für Kunst und Wissenschaft. Angela Dorn war kurz zuvor mit ihrem Elektrofahrrad vor dem Büro der Grünen vorgefahren, um sich den gut 150 Demonstrierenden zu stellen, die dort nach einer zweistündigen Demo gegen die A 49 ihre Abschlusskundgebung abhalten wollten.

Die Ministerin hatte es nicht leicht. Sie versuchte klarzumachen, dass sie und ihre Parteikollegen aufseiten der A-49-Gegner stehen. „Wir haben in unserem Kreisverband Mitglieder, die sich seit Jahrzehnten gegen diese Autobahn engagieren. Wir wollten diese Autobahn nie, und wir finden sie auch weiterhin falsch“, betonte die Marburgerin. Das Problem sei aber, dass die politischen Mehrheiten im Kreis, im Land und vor allem im Bund immer diese Autobahn wollten, so Dorn.

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150 Menschen demonstrierten am Samstag gegen die A49. (Foto: Nadine Weigel)

Diese Aussage wollte die aufgebrachte Barbara Schlemmer, selbst Mitglied der Grünen in Homberg, nicht gelten lassen und polterte los: „Jedenfalls hat die Planfeststellungsbehörde die Wasserrahmenrichtlinie nicht geprüft, und das ist das Haus von Tarek. Der Richter hat gesagt, diese Autobahn würde heute niemals so genehmigt werden“, skandierte Schlemmer und erntete Applaus von ihren Mitstreitern sowie den Sprechchor: „Wer hat uns verraten? Sozialdemokraten? Wer war mit dabei? Die grüne Partei.“ Schlemmers Wutrede bezog sich auf die am Dienstag vom Bundesverwaltungsgericht in Leipzig abgewiesenen Klagen von A-49-Gegnern. Die Aktivisten werfen dem grünen Verkehrsminister Tarek Al-Wazir vor, dass sein Ministerium die Wasserrahmenrichtlinie nicht geprüft habe, die nun im Planfeststellungsbeschluss fehle.

Fakt ist: Die Prüfung der EU-Wasserrahmenrichtlinie war 2012 zum Zeitpunkt des Planfeststellungsbeschlusses noch nicht erforderlich. Erst 2015 änderte der Europäische Gerichtshof seine Vorgaben. Ungeachtet dieser damals nicht zu beanstandenden Formalie wird Al-Wazir, der seit 2014 Verkehrsminister ist, dennoch nun ein Wasserrechtliches Fachgutachten in Auftrag geben. Dies wird aber, so erklärte das Ministerium einen Tag nach dem Gerichtsurteil gegenüber dieser Zeitung, keine Auswirkungen auf das bestehende Baurecht haben.

Bis auf das Scharmützel vor der Grünen-Parteizentrale verlief die Demo am Samstag friedlich. Zahlreiche Redner brachten ihre Sorge um Umwelt und Natur bei einem Weiterbau der A 49 zum Ausdruck. Schlemmer kritisierte, dass die geplante A 49 durch ein Wasserschutzgebiet laufe und das „Trinkwasser für 500 000 Menschen durch die A 49 in Gefahr“ sei.

Aktivisten geht es um Grundwasser und Forst

Neben dem Schutz des Grundwassers ging es den Aktivisten auch um den Dannenröder Forst: „Im Angesicht der globalen Klimakatastrophe ist es unverantwortlich, jahrhundertealte Bäume zu fällen“, betonte Noemie von Greenpeace Marburg. Tibor von „Fridays for Future“ mahnte: „Wir brauchen nicht noch mehr Autos, die mit ihrem CO2 die Menschen krank machen. Wir brauchen Wald.“

Der Dannenröder Forst ist zum leuchtenden Symbol des A -49-Widerstandes geworden. Seit Monaten harren dort mitten im Wald Umweltaktivisten in zahlreichen Baumhäusern aus. Und das wird sich wohl auch bei drohendem Baubeginn, der nun näher rückt, nicht ändern.

von Nadine Weigel

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